Ukrainischer Botschafter kritisiert Deutsch-Russisches Museum: Direktor antwortet im SNA-Interview

© SNA / Andreas PeterKranzniederlegung am Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst 8. Mai 2021
Kranzniederlegung am Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst 8. Mai 2021 - SNA, 1920, 18.06.2021
Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, boykottiert die heutige Gedenkveranstaltung im Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die UdSSR am 22. Juni 1941. In einem Brief an Museums-Direktor Jörg Morré äußerte Melnyk seinen Unmut. Nun gewährte Morré SNA einen Kommentar dazu.
Historiker Jörg Morré, Direktor des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst, betonte im SNA-Interview vor Ort am Donnerstag die enge Kooperation mit anderen Partner-Museen in der Ukraine und Belarus.
Der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk - SNA, 1920, 16.06.2021
Ukrainischer Botschafter erklärt Boykott der Gedenkfeier mit Steinmeier

„Wir haben heute vier Nationalflaggen vor unserem Haus wehen: Ukraine, Belarus, Russische Föderation, Bundesrepublik Deutschland. Wir arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen, übernehmen Ausstellungen. Da gibt es einen regen Austausch – auch mit der Ukraine. Und Herr Melnyk kann uns wirklich nicht vorwerfen, dass wir hier die ukrainischen Opfer vergessen würden. Auch in der aktuellen Ausstellung kommen diese reichlich vor.“

Die Kritik des ukrainischen Botschafters am Namen des Museums, das „leider“ nicht den Begriff „ukrainisch“ im Titel trage, kommentierte Morré wie folgt: „Das etwas mit unserer Gründungsgeschichte zu tun. Mit sprachlicher Ungenauigkeit im Deutschen. Da möchte ich dem Botschafter fast schon ein wenig Recht geben. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass lange Zeit in der akademischen Forschung immer nach Russland (und nicht immer auf die anderen Völker der früheren Sowjetunion, Anm. d. Red.) geschaut wurde. Das hat sich aber in den letzten fünf Jahren sehr massiv gewandelt. Wir als Museumsverein können aber unsere Vereinsgeschichte nicht einfach über Bord werfen.“
Anlass für das SNA-Gespräch vor Ort war die Eröffnung der Ausstellung „Dimensionen eines Verbrechens. Sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg“ im Deutsch-Russischen Museum. In Zusammenarbeit mit weiteren historischen Institutionen, darunter KZ-Gedenkstätten oder auch Institute in Moskau, Belarus und der Ukraine, wurde diese Sonder-Ausstellung erarbeitet. Mittel des Bundes förderten die historische Gedenk-Aktion finanziell.
Kranzniederlegung am Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst 8. Mai 2021 - SNA, 1920, 08.05.2021
Gegen das Vergessen – Gedenken am Tag des Sieges am Ort der bedingungslosen Kapitulation
Am Freitagvormittag hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) zur Ausstellungseröffnung eine Gedenkrede zum 80. Jahrestag des Überfalls Nazi-Deutschlands auf die UdSSR am 22. Juni 1941. Vor diesem historischen Hintergrund kann die Ausstellung ab sofort besucht werden.
Das komplette Interview mit Historiker und Museums-Direktor Dr. Jörg Morré im Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst bringt SNA News in den nächsten Tagen. Über die neue Sonder-Ausstellung berichtet die Redaktion darüber hinaus ausführlich am Samstag in einem Video-Beitrag.
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