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Institut der deutschen Wirtschaft fordert längere Arbeitszeit und weniger Urlaub

© CC0 / DanaTentis / PixabayGeschäftsfrau (Symbolbild)
Geschäftsfrau (Symbolbild) - SNA, 1920, 16.06.2021
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Am deutschen Arbeitsmarkt liegen Potenziale frei. So die Erkenntnis einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Experten empfehlen, die Arbeitszeit zu verlängern und weniger Urlaub zu machen. Dies sei nötig, um die Folgen der Corona-Krise zu überwinden.
Eine graduelle Erhöhung der Erwerbstätigenquote sowie der wöchentlichen Stundenzahl auf das Niveau der Schweiz könnte das preisbereinigte deutsche Bruttoinlandsprodukt nach zehn Jahren um bis zu acht Prozent steigern, während die Schuldenstandquote um fast ein Fünftel im Vergleich zum heutigen Niveau sinken könnte. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Die goldenen Zeiten sind vorbei

Nach einer „goldenen Dekade“ des deutschen Arbeitsmarktes stand der Staatshaushalt dank des gestiegenen Steuer- und Beitragsaufkommens vor der Corona-Pandemie glänzend da. 2020 sank das Bruttoinlandsprodukt jedoch um knapp fünf Prozent, das Arbeitsvolumen brach um 4,7 Prozent ein. Als mittelfristige Herausforderung kommt der demografische Wandel hinzu, weshalb die Hoffnung, ähnlich der Dekaden nach der Finanzkrise Ende der Nullerjahre aus den Corona-Schulden einfach herauswachsen zu können, „naiv anmutet“. Das erklärte das Expertenteam um die Leiterin der Forschungsgruppe „Gesamtwirtschaftliche Analysen und Konjunktur“ am IW, Galina Kolev.

Die goldenen Zeiten sind vorbei

Ein Vergleich insbesondere mit der in ihrer Wirtschafts- und Sozialstruktur der Bundesrepublik ähnlichen Schweiz zeige jedoch, dass hierzulande noch erhebliche Arbeitsmarktpotenziale brachliegen: In der Schweiz liegt die Jahresarbeitszeit je Erwerbstätigen mit elf Prozent deutlich höher als bei uns. Überträgt man die schweizerische Wochenarbeitszeit und die Jahresarbeitswochen auf das deutsche Arbeitsmarktmodell, ergäbe sich ein Potenzial von 7,7 Milliarden Stunden oder 4,7 Millionen Vollzeitäquivalenten, so die Wirtschaftswissenschaftler.
Konkret empfehlen die Forscher, pro Woche mindestens 36 Stunden zu arbeiten, anstelle der in Deutschland durchschnittlichen 34 Stunden. Auch die Zahl der Urlaubstage sollte gekürzt werden, meinen die Experten. Insgesamt empfiehlt der IW, anderthalb Wochen im Jahr weniger Urlaub zu machen.
Matthias Schepp beim SPIEF 2021 - SNA, 1920, 03.06.2021
„Aufschwung in Krise“ – Deutsche Manager auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg

Deutlich schnellerer Schuldenabbau möglich

Eine Simulation mehrerer Szenarien ergibt bei einer Angleichung der Jahresarbeitszeit auf eidgenössisches Niveau ein um fast sechs Prozent höheres preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach zehn Jahren. Würde sich zusätzlich noch die Erwerbstätigenquote um 2,5 Prozentpunkte erhöhen, betrüge die Steigerung schon fast acht Prozent. Damit könne der staatliche Entschuldungsprozess erheblich beschleunigt werden; die Schuldenstandquote könnte je nach Umfang der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen nach zehn Jahren um bis zu 16 Prozentpunkte unter dem Niveau liegen, das sich ohne diese Maßnahmen abzeichnet, behaupten die IW-Experten.
IW-Direktor Michael Hüther fordert daher von der nächsten Bundesregierung Reformen in Sachen Jahresarbeitszeit und Erwerbsintegration:

„Um die Lasten der Corona-Pandemie zu bewältigen, muss das Wachstumspotenzial des Arbeitsmarktes genutzt werden. Im Gegensatz zu Steuererhöhungsplänen und anderen Abgabenphantastereien besteht hier die Chance, ökonomische Potenziale zu entfalten, anstatt Wachstum auszubremsen.“

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