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Frankreich will bei seinem EU-Ratsvorsitz Französisch zu Hauptarbeitssprache machen

© SNA / Alexej Witwitskij / Zur BilddatenbankFrankreichs Präsident Emmanuel Macron vor den Flaggen von Frankreich und der EU (Symbolbild)
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor den Flaggen von Frankreich und der EU (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.06.2021
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Frankreich strebt an, den rückläufigen Gebrauch und die Sichtbarkeit „de la langue française” (dt.: „der französischen Sprache“) im Zuge seiner EU-Ratspräsidentschaft wiederzubeleben. Dazu sollen alle wichtigen Sitzungen des EU-Rates von Januar bis Juni 2022 auf Französisch statt auf Englisch abgehalten werden, berichtet das Blatt „Politico“.
Als eine der 24 offiziellen EU-Sprachen und eine der drei Arbeitssprachen der EU-Kommission nimmt das Französische eine bedeutende Stellung in der EU ein. Laut „Politico“ verliert es aber allmählich an Bedeutung gegenüber Englisch als Hauptarbeitssprache der EU. Die EU-Osterweiterung von 2004 mit dem Beitritt von zehn neuen EU-Mitgliedstaaten war dabei ein wichtiger Wendepunkt. Denn mehrere Institutionen gaben einem rein englischen Format den Vorzug in Sitzungen, in denen früher ausschließlich Französisch verwendet wurde. Dadurch wollten sie Zeit und Geld sparen sowie sicherstellen, dass alle sie verstehen, so das Blatt.
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Nun kündigten die französischen Diplomaten an, dass sie den Gebrauch des Französischen auf alle wichtigen Treffen im Rat ausweiten werden, darunter auch auf „alle Notizen der Präsidentschaft, der Arbeitsgruppen des ,Coreper’ und was auch immer uns erlaubt, die Arbeit im Rat zu organisieren“.
„Wir wollen, dass die Regeln eingehalten werden", zitiert „Politico“ einen Diplomaten. „Daher werden wir die Kommission immer bitten, uns die Briefe, die sie an die französischen Behörden richten will, in französischer Sprache zu schicken, und wenn sie das nicht tut, werden wir auf die französische Version warten, bevor wir sie abschicken“.
Nach „Politico“-Angaben investiert Frankreich laut dem Diplomaten „außergewöhnliche Haushalts- und Bildungsmittel“, um die Zahl der Französischkurse für EU-Beamte zu erhöhen, insbesondere mithilfe der „Alliance Française Bruxelles-Europe“, der wichtigsten französischen Sprachschule in Brüssel. Auf Anfrage des Blattes, eine Erhöhung der Französischkurse zu bestätigen, reagierte die Schulverwaltung allerdings nicht.
Frankreichs Vertreter wiesen „Politico“ zufolge darauf hin, dass es nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU nur noch zwei relativ kleine EU-Mitgliederländer gebe, Irland und Malta, die Englisch als Amtssprache verwendeten. Für alle anderen sei Englisch bestenfalls eine Zweitsprache. Die Franzosen beharren darauf, dass die „Grundlage, sich auf Französisch auszudrücken“, in den EU-Institutionen „voll erhalten“ bleibe, selbst wenn man zugeben würde, dass Englisch allgemein praktiziert wird. Diese Grundlage wollen sie mit den vorgeschlagenen Maßnahmen festigen, um unter anderem Mehrsprachigkeit zu schützen.
„Politico“ vermutet, dass das Beharren Frankreichs auf der französischen Sprache vielen in der EU nicht gefällt. Osteuropäische Diplomaten seien etwa besonders verärgert, da sie oft kein Französisch, sondern weitgehend Englisch sprechen. „Das könnte spaltend wirken", kommentierte einer der französischen Diplomaten. „Einige haben Angst, dass sie etwas verpassen könnten, weil auch ihr Französisch nicht so gut ist", fügte er hinzu. Ein anderer betonte: „Wir sind so sehr an Englisch gewöhnt.“
Frankreichs Vorstoß für die Frankophonie spiegelt die innenpolitische Debatte über die Rolle des Landes in der Welt wider, schreibt „Politico“. Seit 2018 arbeitet der französische Präsident Emmanuel Macron daran, die französische Sprache weltweit zu fördern, beispielsweise durch die Unterstützung frankophoner Projekte in Afrika. Und mit der bevorstehenden Wahl im Jahr 2022 kämpft Macron auch gegen seine rechtsextreme Präsidentschaftsrivalin Marine Le Pen, die sich als Bewahrerin der französischen Lebensart darstellt.
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