Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

„Es reicht“ – Warum wir die Zukunft nicht den Märkten überlassen dürfen

© CC0 / Lutz Peter / PixabayAltmaier: „Magische 40-Prozent-Grenze“ bei Lohnnebenkosten nicht überschreiten
Altmaier: „Magische 40-Prozent-Grenze“ bei Lohnnebenkosten nicht überschreiten - SNA, 1920, 05.06.2021
Abonnieren
Die Pandemie habe offenbart, wie dünn das deutsche Sozial- und Gesundheitssystem gestrickt sei. Das sagt bei der Vorstellung seines neuen Buches der Hauptgeschäftsführer des „Paritätischen Wohlfahrtsverbandes“, Ulrich Schneider. Darin erklärt er mit anderen Experten, „warum wir unsere Zukunft nicht weiter den Märkten überlassen dürfen“.
Es reicht“, schreibt der Hauptgeschäftsführer des „Paritätischen Wohlfahrtsverbandes“, Ulrich Schneider, auf Twitter in aller Deutlichkeit. Der sogenannte Soziallobbyist und Autor zahlreicher Publikation zum Thema weist damit auf die Auswirkungen des freien Marktes hin und „seine ungezügelte Profitorientierung“, die zu einer „tiefen sozialen Spaltung unserer Gesellschaft und zur Ausgrenzung von immer mehr Menschen“ geführt habe. Darüber schreibt er in seinem neuen Buch, das am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Es sei höchste Zeit gegenzusteuern, fordert er und weitere Autoren des Buches: „Für alle, nicht die Wenigen.“
„Wir haben in der Pandemie wahrgenommen, dass unser Gesundheitssystem schlichtweg auf Kante genäht ist“, sagte der Erziehungswissenschaftler auf die Frage von SNA. So funktioniere „Soziales im Neoliberalismus“ so Schneider weiter, „dass man gerade das ausgibt, wo man denkt, damit kommst du jetzt gerade hin. Denn die Wirtschaftsphilosophie, die dahinter steht ist: Je schlanker der Staat – was für ein fürchterlicher Begriff – also je dürrer der Staat, je kraftloser der Staat, umso besser für die Wirtschaft. Und die Wirtschaft ist das A und O“.
So sei der Sozialstaat seit Jahrzehnten umgestrickt worden, fügt Scheider hinzu: „Die Kostenseite stand ganz massiv im Vordergrund. Das kann eine Weile gut gehen. Aber wenn dann tatsächlich so etwas wie eine Pandemie auftaucht, dann wird allen offenbar, wie dünn das ganze System gestrickt ist. Wenn es so auf Kante genäht ist und es anschließend reißt, dann hat es Löcher.“

Löcher im Gesundheitssystem

Diese Löcher hätten sich nun auch im Gesundheitssystem gezeigt. „Wenn wir feststellen, es fehlt an Personal, an ausgebildetem Personal auf Intensivstationen. So zeige sich in der Pandemie, dass wir dringend im System nachlegen müssen.“
Von einem Fall zeigt sich Scheider besonders irritiert: „Auf der einen Seite hatten wir tausende Tote in Pflegeeinrichtungen, völlig überlastetes Personal, das häufig selbst an Covid erkrankte.“ Auf der anderen Seite habe die Immobilienbranche gerade Pflegeeinrichtungen als den „Schlager“ angeboten, bemerkt der Soziallobbyist. „Wir würden doch alle sehen, in der Pandemie sind die Dinger völlig krisensicher.“
Scheider bezeichnet dies als „obszön“. „Ich komm damit nicht klar. Und ich denke, die Pandemie hat genau diese Schere noch mal nach oben gespült. Auf der einen Seite der Mensch und auf der anderen Seite das Invest. Das passt einfach nicht“, so der Geschäftsführer des Wohlfahrtsverbandes.
Deshalb fordert er in seinem Buch eine Politik „Für alle, nicht die Wenigen“ und will zeigen, warum die Menschen in Deutschland ihre Zukunft nicht den Märkten überlassen sollten. Schneider hat als Herausgeber namhafte Experten für Gesundheit, Kultur, Gewerkschaften, Energie, Verkehr und Landwirtschaft zusammengebracht, „die die Grenzen eines profitorientierten Wirtschaftens aufdecken und Alternativen aufzeigen“.
Ulrich Schneider: „Für alle, nicht die Wenigen“, „Westend Verlag“, 7. Juni 2021, 272 Seiten, 22 Euro.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала