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Rosenblätter, Morphium und… beheizter Ofen: Fünf merkwürdige Erziehungstricks von unseren Vorfahren

© CC0 / Pixabay / Jo-BEine Frau mit einem Kind (Symbolbild)
Eine Frau mit einem Kind (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.06.2021
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Manche Kinder haben es faustdick hinter den Ohren. Zum Glück gibt es heutzutage jede Menge Psychologen und Pädagogen, an die man sich wenden kann. Unsere Vorfahren und deren Nachkömmlinge scheinen es nicht leicht gehabt zu haben, denn bei der Erziehung wurden früher Tricks angewendet, die aus moderner Sicht durchaus seltsam sind.
SNA hat eine Liste der wohl merkwürdigsten Tipps und Tricks vorbereitet, die früher als ganz normal erachtet wurden und ziemlich verbreitet waren.

1. Kaltes Wasser über den Kopf

Das letzte Recht auf körperliche Züchtigung, das in Deutschland erst im Jahr 2000 abgeschafft wurde, stellte das Recht der Züchtigung der Kinder durch die Eltern dar. Zuvor galt es als ein Elternrecht. Ein Züchtigungsrecht für Lehrkräfte bestand in den meisten Bundesländern bis längstens 1973. An einigen Schulen war die körperliche Züchtigung gegenüber den Schülern bereits vorher untersagt oder eingeschränkt worden.
In der Fachliteratur des 19. Jahrhunderts gab es weltweit eine Reihe von „Erziehungsmethoden“, die den Eltern Empfehlungen gaben, wie man ihr Kind gehorsam machen könnte. So hat zum Beispiel Child in ihrem Mutterbuch (Kapitel IV) geraten, besonders widerspenstige Mädchen und Jungen an einem Sessel festzubinden.
Orson Squire Fowler, ein US-amerikanischer Naturforscher aus New York, der sich mit der Phrenologie befasste, hat die Aufmerksamkeit der Leser auf die Wirkung von kaltem Wasser gelenkt. So beschrieb er in seinem 1851 erschienen Buch „Self-culture, and perfection of character: including the management of youth“ (deutsch: Selbstkultur und Perfektion des Charakters: einschließlich der Betreuung der Jugend), wie Eltern ihrer kleinen Tochter ein paar Krüge mit kaltem Wasser über den Kopf schütteten und diese auf diese Weise zur Ruhe brachten.

2. Cocktail aus Morphium und Alkohol

Seit 1845 haben viele Familien zur Beruhigung ihrer Nachkömmlinge auf ein spezielles Präparat gesetzt, nämlich den Mrs. Winslow's Soothing Syrup (deutsch: Mrs. Winslows Beruhigungssirup). Er wurde in den USA und Großbritannien dank der großen Werbekampagne breit vermarktet und bestand unter anderem aus Morphium und Spirituosen. Die Amerikanische Ärztekammer (American Medical Association, AMA) bezeichnete das damalige „Wundermittel“ in einem ihrer Berichte von 1911 als „Baby Killer“ und kritisierte es scharf. Der Sirup wurde aber weiter verkauft und erst 1930 aus dem Handel genommen.
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3. Grün vermeiden

Lydia Maria Child, eine US-amerikanische Schriftstellrein und Frauenrechtlerin, hat in ihrem 1831 erschienen Buch „The Mother’s Book“ (deutsch: Das Mutterbuch) davon abgeraten, einem Kind im Säuglingsalter grünes Spielzeug zu geben. Während des schmerzhaften Zahnens solle man einem Baby sichere Gegenstände wie zum Beispiel einen großen Elfenbeinring geben, die gut für das Zahnfleisch seien. Sie seien an einer Schnur zu befestigen, allerdings nicht an einer grünen oder einer anderen, an der ein Baby an Farben nuckeln kann, hieß es im fünften Kapitel des Buches. Ähnliche Empfehlungen, Gegenstände mit grünem Pigment zu vermeiden, waren auch in anderen Büchern zu finden. Erklären lässt sich diese Sache ganz einfach.
Bei der Herstellung von Farben wie dem Schweinfurter Grün (auch als Pariser Grün, Mitis- oder Patentgrün bekannt) wurde Arsen in Form von Kupferarsenaten eingesetzt. Das Pigment war ein Fällungsprodukt und wurde im Jahr 1805 vom österreichischen Chemiker Ignaz von Mitis in Kirchberg am Wechsel entdeckt und nach ihm benannt. Die erste industrielle Fertigung von Mitisgrün erfolgte im unterfränkischen Schweinfurt, daher auch der Name der Farbe. 1882 wurde Schweinfurter Grün als Farbe in Deutschland verboten.

4. Windel mit Rosenblättern und Salz

Der italienische Arzt Aldebrandin von Siena hatte in seinem Sanitärführer „Die Körperdiät von Meister Aldebrandin von Siena“, der im Jahr 1256 erschien, unter anderem auch Ratschläge für frischgebackene Eltern in petto. So sollte man das Baby am besten mit Rosenblättern überziehen, etwas mit Salz einreiben und in diesem Zustand mit Windeln umwickeln. Dreimal täglich konnte das Kind von den Windeln befreit werden – allerdings nur zur Reinigung seiner verschmutzten Körperteile.

5. Umbacken

Eine fast „kulinarische” Sitte hat es bei den ostslawischen Völkern gegeben. In einigen von ihnen besiedelten Regionen existierte sie bis ins 20. Jahrhundert. Das Ritual war vor allem in der Wolgaregion, in den zentral- und südrussischen Provinzen sowie in Sibirien bekannt.
Wenn ein Kind zu früh geboren wurde, schwach oder krank war, ließ man es auf einer speziellen Backschaufel sitzen und steckte es dann dreimal in einen warmen Ofen, in welchem die Bauernfamilien normalerweise Brot buken. Das Ritual hieß in etwa „Umbacken“, schrieb der russische Ethnograf Andrei Toporkow in seinem Buch „Folklore und ethnographische Realität“, das vom Institut für Ethnologie und Anthropologie der Russischen Akademie der Wissenschaften im Jahr 1992 herausgegeben wurde. Es wurde angenommen, dass das Kind im Ofen „reift“ wie im Mutterleib. Manchmal schmierte man einem solchen Kind Teig ins Gesicht. Frei blieben dabei nur seine Nase und sein Mund. Der Teig wurde nach dem Ritual an einen Hund verfüttert, um alle vom Kind gesammelten Krankheiten weiterzugeben. Das Ritual kam auch bei bockigen und trotzigen Kleinen zum Einsatz.
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