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Bei „Maybrit Illner“: Ende der Merkel-Ära – Chance für Neuanfang oder neue Instabilität?

© REUTERS / MICHELE TANTUSSIBundeskanzlerin Angela Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel - SNA, 1920, 04.06.2021
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Wie soll der „Neuanfang“ für Deutschland nach dem Ende der Merkel-Ära aussehen? Darum ging es bei „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend im ZDF. Die Talkrunde verlief streckenweise heftig. Am Schluss brachte sie die Erkenntnis, dass nicht nur die Kanzlerin, sondern das gesamte „etablierte Regime“ langsam ausgetauscht werden sollten.
„Merkel muss weg!“ Unter dieser Losung hat Deutschland in der 16 Jahre langen Merkel-Ära dutzende Demos erlebt. In wenigen Monaten ist es soweit. Ist es eine Chance zum Neuanfang oder der Beginn einer neuen Instabilität? Mit dem SPD-Vize Kevin Kühnert, dem Linken-Urgestein Gregor Gysi und dem AfD-Fraktionschef Alexander Gauland hat sich eine solide Runde von Merkel-Kritikern am ZDF-Studio-Tisch formiert, um ihre Zukunftsvisionen zu verraten. Sie alle hatten ausschließlich kritische Worte parat, mit denen sie die „Ära“ der Bundeskanzlerin verabschiedeten. Zum „Neuanfang“ für die Zeit danach hatten die Anwesenden allerdings wenig anzubieten.

„Herr Gauland sagt Unsinn“

An dieser Stelle wäre ein Lob an die Öffentlich-Rechtlichen angebracht: Erstmals seit Monaten hatte ein ranghoher AfD-Politiker eine Einladung zur Talkshow bekommen. Diese monatelang fehlende Übung war Gauland auch anzumerken. Er verhielt sich am korrektesten, unterbrach niemanden, fiel niemandem ins Wort. Er sprach auch am wenigsten und nur wenn er dazu von der Moderatorin aufgefordert wurde – im Gegensatz zu den anderen, die die Talkrunde hin und wieder in einen Hühnerstall verwandelten und die Gesprächspartner niederzuschreien versuchten.
Anfangs schien der 80-Jährige auch davon leicht überrascht zu sein, dass in der Runde auch hämische Ausfälle zugelassen sind. „Spiegel“-Journalistin Melanie Amann, die einzige Nicht-Politikerin am Tisch, führte sich dabei besonders überheblich auf und gestattete sich Äußerungen wie:

„Es ist hanebüchener Unsinn, was Herr Gauland sagt.“

Zwar war das Thema der Sendung „Vertrauen verloren, Kurs gesucht – Wahlen ohne Merkel?“ ziemlich generalisierend formuliert. Als aktueller Anlass dienten für sie aber die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, wo die ohnehin knappe CDU-Dominanz durch die AfD gefährdet ist.
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„Diktatur-sozialisierte“ Wähler im Osten

Deshalb driftete die Diskussion schnell zum üblichen und banalen Bemitleiden der „Ossis“ ab, die auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung als „Diktatur-sozialisiert“ gelten (die Diagnose stammt von Marco Wanderwitz, Ostbeauftragter der Bundesregierung).
„Üblich“ und „banal“ – weil die Talk-Teilnehmer zum zigsten Mal die längst formulierten Ursachen für den immer noch offensichtlichen sozialen und wirtschaftlichen Rückstand der neuen Bundesländer aufzählten. Banal klang auch die Schlussfolgerung, dass der Höhenflug der AfD im Osten und speziell in Sachsen-Anhalt als Protest gegen das arrogante Gehabe der von den „Wessis“ dominierten Regierungspolitik diagnostiziert wurde. Alles andere als neu waren auch die gegenseitigen Schuldzuweisungen des SPD-Politikers Kühnert und des Linken-Politikers Gysi für die Zustände im Osten.

Die Werte-Union: Driftet CDU von der Mitte nach rechts ab?

Mit einem kurzen Einspieler zum Thema „Wohin geht die CDU, wenn Merkel geht?“ sollte die Diskussion gegen Mitte des Talks zum angekündigten Thema zurückgeholt werden. Wie auch am Mittwoch bei der „Maischberger“-Talkshow im Ersten fiel dabei das Reizwort „Werte-Union“. Driftet die CDU mit Figuren wie Hans-Georg Maaßen und Max Otte sowie mit ein paar Tausend CDU-lern in den Reihen der Werte-Union immer weiter nach rechts ab?
Gauland zitierte an dieser Stelle den Satz des CDU-Schwergewichtlers Friedrich Merz: Unter Angela Merkel habe die Partei „ihren Kompass verloren“. Momentan sei die CDU „eine Partei ohne Substanz“, behauptete er.
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, der in die Diskussion nur als „Zugeschalteter“ von einem Monitor her einhaken konnte, beteuerte: „Die CDU steht in der Mitte und ist eine Volkspartei.“ In Bezug auf die Werte-Union wiederholte Ziemiak das, was der Kanzlerkandidat seiner Partei, Armin Laschet, am Mittwoch bei „Maischberger“ versichert hatte: Dies sei „ein Verein, der nicht zur CDU gehört“.
Kühnerts Einwand: Als CDU-Mitglied dürfe man gleichzeitig der Werte-Union angehören, die sich rechte Anwandlungen erlaube, wo man sie kaum noch von der AfD unterscheiden könnte. Ziemiak entgegnete vom Monitor an der Studio-Rückenwand: Der CDU-Mann in Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, sei „ein Garant dafür“, dass eine Kooperation mit der AfD nicht denkbar sei.
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„Sie glauben der Regierung kein Wort“

Soll es nach Merkels Abgang alles weiter laufen wie bisher?

„Laschet ist die Fortsetzung der Merkelschen Politik“, sagte Gysi. Nur: „Etwa 20 Prozent der Bevölkerung lehnen aber das gesamte etablierte Regime ab. Sie haben damit nichts mehr zu tun. Sie glauben der Regierung kein Wort und sie glauben auch den öffentlich-rechtlichen Medien kein Wort. Und diese Zahl nimmt zu.“

Dieser Feststellung stimmte auch Gauland zu: „Die Menschen sind aus der Diskussion ausgestiegen.“
Mit anderen Worten: Nicht nur die scheidende Kanzlerin, sondern auch all die Politiker am Tisch mit ihren Parteien wie auch Maybrit Illner mit ihrer Talkshow wären für jeden fünften Bundesbürger obsolet. Wann aber eine neue „Ära“ anbricht mit neuen Politikern, Parteien und Talkshows, das steht wohl noch in den Sternen. Mit den bevorstehenden Wahlen – ob in Sachsen-Anhalt am Sonntag oder bundesweit im September – wird es sicherlich noch nicht passieren.
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