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„Deutschland zu groß, um sich...“: Deutscher Unternehmer mit starker Botschaft nach Russland-Reise

© AFP 2021 / OLGA MALTSEVADie Teilnehmer bei einer Sitzung von St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF) in Sankt Petersburg, den 3. Juni 2021.
Die Teilnehmer bei einer Sitzung von St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF) in Sankt Petersburg, den 3. Juni 2021. - SNA, 1920, 04.06.2021
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Der Verbandsbeauftragte für Russland beim Bundesforum Mittelstand, Dr. Siegfried Fischer, zeigt sich während seiner Russland-Reise optimistisch, was die Geschäfte mit den dortigen Partnern angeht, und sendet eine ermutigende Botschaft an die Kollegen, aber auch an die deutschen Politiker aus.
Nach anderthalb Jahren coronabedingter Reisebeschränkungen nach Russland habe Fischer, selbst Unternehmer, im Mai nichts mehr in Berlin gehalten, teilt er gegenüber SNA mit. „Meine langjährigen russischen Geschäftspartner waren genauso ungeduldig wie ich, denn im Geschäftsleben geht nichts über den persönlichen Austausch ohne unliebsame transatlantische und auch russische Mithörer.“ Es sei für ihn „befreiend“ gewesen, „nach anderthalb Jahren coronabedingter Isolation“ mit ausschließlich digitalem Informations- und Gedankenaustausch in eine Welt zu kommen, die „auch ohne Spahnsche Profilneurose und angstgeprägtem Politikeraktivismus der Pandemie die Stirn bot“.
Es sei auch befreiend zu erfahren, so Fischer weiter, dass 94 Prozent der in Russland verbliebenen deutschen Unternehmen trotz schwacher Konjunktur, Sanktionen und großer politischer Spannungen ihre Geschäftslage als sehr gut, gut oder befriedigend einschätzten würden. So fordern auch 92 Prozent der deutschen Firmen in Russland laut einer AHK-Geschäftsklimaumfrage weiterhin die Aufhebung der Russlandsanktionen. Man müsse gemeinsam menscheln, zitiert Fischer den kürzlich abgelaufenen Unternehmertag „Russland in Mecklenburg-Vorpommern“, wenn man gemeinsam und im gegenseitigen Interesse etwas bewirken wolle.
Händedruck (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.06.2021
Vom Energiepartner zum Klimapartner anlässlich des Russland-Tages in Mecklenburg-Vorpommern
„Überraschend ist allerdings, dass trotz antirussischer medialer Dauerberieselung und russophober Politikerentgleisungen in Deutschland immer noch eine signifikante Mehrheit der Bevölkerung für eine Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen eintritt“, lobt Fischer weiter mit Blick auf eine Anmerkung des Vorsitzenden des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck. Geht es um die wirtschaftliche Partnerschaft, da erwarte die deutsche Wirtschaft das größte Wachstum in Land- und Ernährungswirtschaft, IT und Telekom, in Erneuerbaren Energien und Gesundheitswirtschaft sowie im Maschinen- und Anlagenbau.

„Deutschland ist zu groß, um sich unter dem Druck sogenannter Freunde klein zu machen“

Im Großen und Ganzen hat sich in der Wirtschaft laut Fischer die Aussage des einstigen französischen Präsidenten Charles de Gaulle bewährt, dass Staaten keine Freunde, sondern nur Interessen hätten. „Während deutsche mediale und politische Besserwisser unter Hintenanstellung existentieller nationaler Interessen eine transatlantische Wertegemeinschaft und eine werteorientierte Außenpolitik postulieren, haben Trump und Johnson ebenso wie Erdogan, Putin und Xi Jinping vorgeführt, wie recht de Gaulle hatte“, beurteilt Fischer.

Deshalb ist aus seiner Sicht auch der fortdauernde antirussische amerikanische Druck auf die deutsche Politik und Wirtschaft nicht „mit einem grünen Anstrich zu kaschieren“. Denn es gilt für Fischer nach wie vor: Deutschland sei zu groß, um sich unter dem Druck „sogenannter Freunde“ klein zu machen.

Dem deutschen Staat wirft Fischer dabei sanft vor, „bereits ohne neue grüne Radikalien mit überbordender Bürokratie, exorbitanten Energiekosten und infrastrukturellen Defiziten die Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen nachhaltig“ beschädigt zu haben. Umso wichtiger sei es, wenn „die so Geplagten“ im wohlverstandenen eigenen Interesse nach verlässlichen Geschäftspartnern im Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok und insbesondere im strategischen Wachstumsmarkt Russland suchen würden.
Zudem seien auch nicht nur gleichgesinnte, sondern auch befähigte russische Unternehmer auf Partnersuche und würden ebenfalls aus wohlverstandenem eigenen Interesse europäische, insbesondere aber deutsche Partner chinesischen vorziehen.

Kooperationstipps für deutsche Unternehmen in Russland

Anschließend gibt Fischer noch ein paar Kooperationstipps für die deutschen Kollegen, die Interesse an Russland hätten, denn er habe während seines Russland-Besuchs nicht nur die eigenen Geschäfte besprochen, sondern auch Gespräche über neue mittel- und langfristige Geschäftsbeziehungen zwischen deutschen und russischen Firmen geführt. Daraus schließen sich wenigstens drei Perspektivbereiche.
„Während in Deutschland Bauholz knapp und teuer wird, werden Rohholzexporte russischerseits restringiert und ab Januar 2022 verboten“. Russland wolle die Verarbeitungstiefe der heimischen Wirtschaft erhöhen und vom reinen Rohstoffexport wegkommen. Deshalb biete ein gut aufgestelltes russisches Unternehmen eine strategische Partnerschaft an, um gemeinsam mit einer oder mehreren deutschen Firmen Holzlieferungen für den europäischen und amerikanischen Markt zielsicher und kostengünstig zu platzieren, so Fischer, der sich für weitere Fragen auch gerne zur Verfügung stellt.
Als weiteres könne Russland aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen fossile Brennstoffe für längere Zeit noch nicht aufgeben. Russische Politiker würden jedoch alle ökologisch nachhaltigen Technologien, insbesondere auch deutsche, fördern und honorieren.

„Deshalb hat die russische Firma Techmashimport-Energo ein Projekt aufgelegt, wo aus Kohle gewonnenes Synthesegas für die Kogeneration von Strom und Wärme mittels Gaskolbenmotorengeneratorsets genutzt wird und zwar insbesondere in den Gebieten, wo eine zentrale Elektroenergie- und Gasversorgung nicht existiert“, weist Fischer hin.

Da die Vergasung von Kohle und Biomasse ein deutsches Markenzeichen sei, würden sich hier echte Chancen für interessierte Unternehmen bieten.
Joschka Fischer (Archivbild) - SNA, 1920, 28.04.2021
Schade, dass Russland nicht vom Westen erobert wurde – die Wiederauferstehung des Joschka Fischer
Auch bleibe die Erdöl- und Erdgasverarbeitung trotz der Stigmatisierung in der EU ein wesentlicher Bestandteil russischer und eurasischer Wirtschaftspolitik. Hier seien bei unabänderlicher Erneuerung der Fördereinrichtungen und Raffinerien neben technologischer Effizienz zunehmend ökologische Parameter gefragt und entsprechend auch deutsche Anlagenbauer gesucht, die diesen Anforderungen entsprechen würden, so Fischer zum Abschluss.
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