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Forsa-Umfrage zur Partnerschaft EU - Russland: Klare Mehrheit wünscht engere Beziehungen

© CC0 / jackmac34 / PixabayMatrjoschka (Symbolbild)
Matrjoschka (Symbolbild) - SNA, 1920, 03.06.2021
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62 Prozent wollen intensivere Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU, aber nur 32 Prozent sehen dafür aktuell eine Chance. Kooperationen im Energiesektor werden weiterhin sehr positiv bewertet. 75 Prozent lehnen US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 ab. Und eine Mehrheit ist positiv zum russischen Impfstoff Sputnik V eingestellt.
Die Bundesbürger wünschen sich mehrheitlich eine engere Kooperation zwischen Europäischer Union (EU) und Russland: Zwei von drei Deutschen (62 Prozent) sprechen sich für intensivere Beziehungen zwischen der EU und Russland aus. Diese Ergebnisse ermittelte eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft mit Unterstützung von Wintershall Dea.

Wenn es nach dem Volk gehen würde…

Wenn es nach den Wünschen der deutschen Bevölkerung gehen würde, könnten die EU und Russland ihre Beziehungen auf vielen Feldern deutlich ausbauen“, kommentierte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses Oliver Hermes.

„Die Wirtschafts- und Energiebeziehungen bekommen durchweg gute Noten. Eine große Mehrheit kann sich einen gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraum unter Einschluss Russlands vorstellen, will das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 fertig bauen, mit Russland beim Thema Wasserstoff kooperieren, wünscht sich mehr Reisefreiheiten für russische Jugendliche und ist offen für den russischen Impfstoff Sputnik V.“

In der Realität wenig Hoffnung

Auf dieser Positiv-Agenda ließe sich eigentlich aufbauen, so Hermes. Die politischen Konflikte der vergangenen Jahre führten aber dazu, dass beide Seiten dieses große Potenzial immer weniger ausschöpfen könnten:
Die Hoffnungen, dass die EU und Russland in den nächsten Jahren wieder zueinander finden, sind besorgniserregend gering: 60 Prozent gehen davon aus, dass die Zusammenarbeit auf ein Minimum beschränkt bleibt“, so der Ost‑Ausschuss-Vorsitzende.

„Aber die grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Russland ist sehr hoch. Dies ermutigt uns von Seiten der Wirtschaft, weiter auf diese Kooperation zu setzen.“

Hermes appelliert daher an die jetzige und künftige Bundesregierung, die Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung zu berücksichtigen und an einer Verbesserung der Beziehungen zu arbeiten. Auch Russland müsse hierzu aber seinen Beitrag leisten.

Uneins über Sanktionen

Der wachsende Pessimismus über die politische Zukunft spiegele sich auch in den Einstellungen der Befragten zu den EU-Wirtschaftssanktionen wider, die im Zuge des angeblichen russischen Vorgehens in der Ukraine eingeführt worden waren. Mit 49 Prozent sei eine knappe Mehrheit der Befragten für eine Beibehaltung (34 Prozent) oder Ausweitung (15 Prozent) der Sanktionen, 44 Prozent wollten die Sanktionen reduzieren oder ganz abschaffen.

Selbst Grüne für Fertigstellung von Nord Stream 2

Kein Verständnis gibt es für zusätzliche US-Sanktionen gegen das Pipelineprojekt Nord Stream 2. Diese werden von 75 Prozent der Befragten abgelehnt, nur 17 Prozent wollen das fast fertiggestellte Projekt noch stoppen. Selbst eine solide Mehrheit unter den Wählern von FDP (82 Prozent) und Grünen (69 Prozent) wünscht sich die Fertigstellung der Pipeline. Der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Oliver Hermes fühlt sich von den Umfrageergebnissen bestätigt:

„Während es von einigen Parteien immer noch Gegenwind gegen das Pipelineprojekt Nord Stream 2 gibt, obwohl es rechtlich genehmigt und nahezu fertiggestellt ist, zeigen die deutschen Wählerinnen und Wähler für Blockaden kein Verständnis.“

Deutsch-russische Energiepartnerschaft auch für Wasserstoff

Nach dem in Deutschland beschlossenen Ausstieg aus Kohle und Kernkraft gilt Erdgas als Brückenenergie auf dem Weg in ein klimafreundlicheres Energiezeitalter, in dem auch Wasserstoff eine größere Rolle spielen soll. Um diesen Übergang zu beschleunigen, wird aktuell stark über die Nutzung von aus Erdgas erzeugtem Wasserstoff und die Einlagerung des anfallenden, klimaschädlichen Kohlendioxids nachgedacht. 58 Prozent der Befragten wären dafür, aus Erdgas hergestellten Wasserstoff aus Russland zu importieren, 30 Prozent können sich dies nicht vorstellen.

Verlässlicher Energiepartner

Positiver als oft behauptet, werde in der Bevölkerung auch die deutsch-russische Energiezusammenarbeit insgesamt gesehen: Im Vergleich zu einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2020 konnte Russland als Energielieferant deutlich Vertrauen hinzugewinnen: 51 Prozent der Befragten halten das Land aktuell für einen verlässlichen Energiepartner (2020: 41 Prozent). Damit liegt Russland hinter Kanada (52 Prozent) und Norwegen (78 Prozent) an dritter Stelle. Die USA folgen mit deutlichem Abstand auf Platz vier, konnten aber unter der neuen Regierung Biden zumindest Ihre Werte deutlich von zehn auf 31 Prozent verbessern.

Nicht nur Ostdeutsche würden Sputnik V nutzen

Eine Kooperation mit Russland zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird in Deutschland sehr positiv gesehen: Den russischen Impfstoff Sputnik V würden insgesamt 60 Prozent der Befragten nutzen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Mit 71 Prozent Zustimmung sind die Werte hier in Ostdeutschland deutlich höher, es gibt mit 58 Prozent der Befragten aber auch eine solide Mehrheit in Westdeutschland. 38 Prozent der Befragten würden Sputnik V hingegen nicht nutzen wollen.
Die von Ost-Ausschuss und Wintershall Dea in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage wurde im Zeitraum 29. April bis 10. Mai durchgeführt. Befragt wurden 1.001 repräsentativ ausgewählte Deutsche ab 18 Jahren.
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