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Nachruf: Helmut Domke – Brückenbauer zwischen Deutschland und Russland

© SNAHelmut Domke (Archivbild)
Helmut Domke (Archivbild) - SNA, 1920, 31.05.2021
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Helmut Domke war einer der wichtigsten Protagonisten der deutsch-russischen Freundschaft der letzten 30 Jahre. Auch wenn er selten in der Öffentlichkeit stand, hat er doch entscheidend zur Versöhnung der Völker beigetragen.
Helmut Domke hatte Einiges gemeinsam mit Angela Merkel. Beide sind von Haus Physiker und waren zu DDR-Zeiten in der Kirche engagiert. Beide gehörten zur Wendezeit zum Stab der De- Maizière -Regierung und waren bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen in Moskau dabei. Es ist nicht bekannt, ob Frau Merkel ein Kondolenzschreiben zum Tod von Helmut Domke geschickt hat.
Denn wirklich berühmt war Domke nicht. Das hätte auch seinem bescheidenen, kirchlich geprägten Charakter widersprochen. Wenngleich Domke durchaus Geschichte mitgeschrieben hat, vor allem deutsch-russische Geschichte, in der er viel zur Versöhnung und Freundschaft beigetragen hat. Dabei war er, aus einem aktiv kirchlichen Haushalt stammend, der Obrigkeit in der DDR und deren „großem Bruder“ Sowjetunion per se etwas skeptisch gegenüber eingestellt. Das Studium in Leningrad verband ihn jedoch im Herzen mit den Menschen, denen Hitlerdeutschland so viel Leid gebracht hatte. Die Freundschaft zu Russland habe ihn nie losgelassen, wie Domke vor nicht einmal zwei Jahren im großen Video-Interview mit SNA erzählte. Über das Verhältnis von DDR-Bürgern zu Sowjetbürgern sagte darin Domke:

„Es wurde nicht alles verherrlicht, aber was die Menschen anbetraf, war doch eine Sympathie da, die bis heute wirkt, denke ich.“

Helmut Domke im Interview mit SNA News im Sommer 2019

Nato-Osterweiterung als Vertrauensbruch

Im Zuge der Regierungsbildung nach den Volkskammerwahlen am 18. März 1990 wird Helmut Domke zum Staatssekretär im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten ernannt und hat international die deutsche Wiedervereinigung mitbestimmt. Bei den berühmten Zwei-plus-Vier-Verhandlungen war er Leiter der DDR-Delegation.
Die spätere Nato-Osterweiterung sah Domke als Vertrauensbruch zu den damaligen Verhandlungen:
„Das waren alles Schritte der Vertrauensbildung und auch Brücken für die Sowjetunion, dass sie der Nato-Mitgliedschaft des vereinten Deutschlands eher zustimmen konnte. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde dem dann noch Rechnung getragen durch den Punkt, dass keine ausländischen Truppen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stationiert werden dürfen. Damit war das Thema für alle Beteiligten erst einmal erledigt. Denn die Option, dass osteuropäische Staaten der Nato beitreten würden, stand noch nicht auf der Tagesordnung. Aber es gab ja zumindest die mündlichen Aussagen von Genscher (Hans-Dietrich Genscher, von 1982 bis 1992 Außenminister der Bundesrepublik, Anm. d. Red.) und Baker (James Baker, von 1989 bis 1992 Außenminister der Vereinigten Staaten, Anm. d. Red.) in Moskau, auf die man sich verlassen hatte. Die Osterweiterung der Nato war also kein Vertragsbruch, aber ein Wortbruch. Das wirkt für die osteuropäische Mentalität manchmal schwerer als ein formeller Vertragsbruch“, so Domke 2019 im Interview.

Mit Respekt und Anerkennung

Nach der deutschen Einheit arbeitete der Ex-Diplomat von 1990 bis 1994 als Bevollmächtigter des Ministerpräsidenten von Brandenburg für Fragen des Abzugs der sowjetischen/russischen Streitkräfte. Seit ihrer Gründung 1994 engagierte sich Domke in der „Stiftung West-Östliche Begegnungen“, dem Hauptnachfolger der DDR-Organisation DSF („Deutsch-Sowjetische Freundschaft“), deren Vorstandsvorsitzender er von 2004 bis 2017 war.
Das Deutsch-Russische Forum e.V. schreibt in seinem Nachruf auf Domke:

„Helmut Domke hat sich aus innerer Überzeugung und tief empfundener Verantwortung für ein freundschaftliches Verhältnis der Menschen in Russland und Deutschland eingesetzt. Im Deutsch-Russischen Forum werden wir seiner mit Respekt und Anerkennung gedenken und uns auch künftig nach Kräften für das Miteinander unserer Gesellschaften einsetzen, das ihm so am Herzen lag.“

Helmut Domke ist überraschend am 16. Mai 2021 im Alter von 77 Jahren verstorben.
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