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Fast jeder Vierte in Deutschland für Abschaffung von Kurzstreckenflügen

© AFP 2021 / TOBIAS SCHWARZFlugzeuge im Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (Archibbild)
Flugzeuge im Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (Archibbild) - SNA, 1920, 28.05.2021
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58 Prozent der Deutschen würden Kurzstreckenflüge gerne abschaffen oder zumindest verteuern. Dies berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Verweis auf eine Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov.
Demnach befürwortet knapp jeder Vierte (24 Prozent) eine Abschaffung von Kurzstreckenflügen, mehr als ein Drittel der Befragten (34 Prozent) möchte Kurzstreckenflüge etwa durch eine Steuer verteuern, um sie unattraktiver zu machen.
Ein weiteres Viertel der Befragten (26 Prozent) sprach sich gegen jegliche Veränderung bei Kurzstreckenflügen aus. Der Rest war unentschieden oder lehnte alle drei Möglichkeiten ab.
Die designierte Kanzlerkandidatin und Parteichefin der Grünen, Annalena Baerbock, hatte Mitte Mai der „Bild am Sonntag“ gesagt: „Kurzstreckenflüge sollte es perspektivisch nicht mehr geben.“ Auch Billigpreise wie 29 Euro für Mallorca-Flüge dürfe es nicht mehr geben, wenn man es mit der Klimapolitik ernst meine.
Zuvor hatte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz dem Sender ProSieben gesagt, er sei dafür, gegen Billigflüge vorzugehen und eine Preisuntergrenze zu setzen. Baerbock betonte, dass gleichzeitig das Bahnnetz ausgebaut werden müsse und sie Kurzstreckenflüge nicht verbieten wolle.

Jeder Zweite würde Tempobegrenzung von 130 Kilometern pro Stunde oder weniger begrüßen

Außerdem ergab die im Auftrag der DPA abgehaltene Umfrage, dass die Hälfte der Befragten ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern oder weniger begrüßen würde: 43 Prozent sprachen sich für eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen aus, sieben Prozent befürworten ein Tempolimit, das noch darunter läge.
17 Prozent wären für eine Begrenzung bei einem Wert von mehr als 130 Stundenkilometern. Lediglich 27 Prozent der Befragten lehnen eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung ab.
Die SPD setzt sich in ihrem Wahlprogramm für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern ein, ebenso die Grünen in ihrem noch nicht vom Parteitag verabschiedeten Programmentwurf.

Diskussion über mögliche Abschaffung von Kurzstreckenflügen

Mit ihrem Vorstoß war Baerbock jedoch mit Widerspruch von der Union und der FDP konfrontiert worden. Der Vizechef der Unions-Bundestagsfraktion, Ulrich Lange (CSU), sagte in diesem Zusammenhang, ein Verbot von Kurzstreckenflügen und massive Preiserhöhungen im Flugverkehr seien ein falscher Ansatz in der Klimaschutzpolitik. „Es wäre unsozial, wenn der Flug in den Urlaub ein Privileg für Wohlhabende würde. Das ist mit der CDU/CSU nicht zu machen“, äußerte er gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner äußerte sich skeptisch in Bezug auf eine Abschaffung von Kurzflügen und verwies auf marktwirtschaftliche Lösungen: „Wir sagen, wenn es ein CO2-Deckel ist, dann lassen wir einfach die Marktwirtschaft, den Unternehmergeist, den Gründergeist diese Ziele erreichen“, sagte er in der ARD. Es könne auch „sauberes Benzin“ geben, wenn man Wasserstoff vor den Küsten mit Windkraft günstig produzieren könne.
Grünen-Chefin Annalena Baerbock (Archivbild) - SNA, 1920, 21.05.2021
Wer hat Angst vor Annalena Baerbock? – „Öko-Diktatur“ und Klima-Krise als neue Plage
Der CSU-Chef Markus Söder schließt ein Verbot von Kurzstreckenflügen in Deutschland aus Klimaschutzgründen aus: „Das Verbot von Kurzstreckenflügen wäre Unsinn und auch wirtschaftlich ein Problem für unser Land“, sagte Söder gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“. Es sei richtig, davon wegzukommen, kurze Strecken ohne Not zu fliegen. Dafür müsse der Bahnverkehr attraktiver werden.
Die SPD-Umweltministerin Svenja Schulze betonte, extreme Kurzstreckenflüge wie in anderen Ländern gebe es in Deutschland ohnehin kaum noch: „Was es gibt, sind Zubringerflüge und die werden zum Teil auch weiterhin notwendig sein“. Die SPD unterstütze den Ausbau der Bahn und setze sich für einen reellen Mindestpreis für Flüge ein, fügte die Ministerin hinzu.
Zudem stieß Baerbock auf Kritik aus eigenen Reihen: Es sei maßlos übertrieben, die gesamte klimapolitische Debatte auf Kurzstreckenflüge zu konzentrieren, sagte der Grünen-Chef Robert Habeck der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Klimaschutz dürfe nicht zu einer „Lebensstilfrage“ gemacht werden, hob Habeck hervor. „Nur wenn wir Klimaschutz sozial gestalten, wird der gesellschaftliche Konsens dafür 25 Jahre lang halten“.
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