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Hausärzteschaft widerspricht Spahn zur Impfung von Kindern: Risiko vielleicht größer als Nutzen

© REUTERS / AXEL SCHMIDTBundesgesundheitsminister Jens Spahn
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn - SNA, 1920, 27.05.2021
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Jens Spahn hofft, scheint es, bald alle Kinder und Jugendlichen durch zu impfen. Allerdings gibt es dazu noch nicht genügen Studien. Darauf macht auch ein neues Positionspapier der Hausärzte-Fachgesellschaft aufmerksam. Demnach hätten gesunde Kinder und Jugendliche ein minimales Risiko für schwere Verläufe durch Covid-19-Erkrankungen.
Warum ist die Impfung von Kindern wichtig? Das erklärt den Bürgern ein Video des Bundesgesundheitsministeriums. Demnach schütze die Impfung präventiv vor einer Covid-19-Erkrankung, vor einem schweren Erkrankungsverlauf und seltenen Langzeitschäden wie „Long Covid“ oder „Pims“ (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome, zu Deutsch: Multisystemisches Entzündungssyndrom bei Kindern). Auch würde eine Impfung die Weiterverbreitung des Virus verhindern. Aus diesen genannten Gründen will das Ministerium von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) so schnell wie möglich allen Kindern und Jugendlichen ein Impfangebot machen. Das selbst die Stiko (Ständige Impfkommission) aufgrund der aktuellen Datenlage keine Impfempfehlung aussprechen möchte, scheint da nicht sonderlich ins Gewicht zu fallen.
Nun hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (Degam) ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie alle die oben genannten Punkte hinterfragt. Die Degam vertritt die fachlichen und wissenschaftlichen Interessen der Allgemeinmedizin und damit der Hausärzteschaft in Deutschland. In ihrer Stellungnahme zu COVID-19-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen widerspricht die Fachgesellschaft in fast allen Punkten dem Bundesgesundheitsministerium. Gesunde Kinder und Jugendliche hätten demnach ein minimales Risiko für schwere Verläufe durch Erkrankungen mit SARS-COV 2 und selbst bei Vorerkrankungen sei das Risiko extrem niedrig. Dahingegen gebe es zum Nutzen einer Impfung bisher keine validen Daten wobei schwere Impf-Nebenwirkungen wesentlich häufiger als bei Erwachsenen seien.

Ist die Impfung von Kindern für den Eigen- oder Fremdschutz notwendig?

Laut den Hausärzten sind vor allem drei Fragen von Bedeutung: Ist eine flächendeckende Impfung für Kinder und Jugendliche im Interesse der Kinder und Jugendlichen selbst (Eigenschutz)? Wäre dies für die der Gesamtbevölkerung (Fremdschutz über „Herdenimmunität“) sinnvoll und notwendig und könnte man eine Impfung als Bedingung für Schulbesuch und gleichberechtigte soziale Teilhabe voraussetzen?
Allen drei Punkten widerspricht die Degam aufgrund der aktuellen Faktenlage. Bisher wurden in Deutschland 1487 Kinder und Jugendliche stationär wegen COVID-19 behandelt. Davon mussten 74 intensivmedizinisch betreut werden, von diesen hatten jedoch 66 Prozent relevante Vor- oder Begleiterkrankungen. 0,3 Prozent der erfassten Kinder (also fünf) starben mutmaßlich an COVID-19. So ist laut der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) ein schwerer oder gar tödlicher Verlauf von SARS-CoV-2 bei Kindern und Jugendlichen extrem selten. Das Argument des Eigenschutzes kann man also getrost außer Acht lassen, die Degam empfiehlt dann auch nur eine Impfung von Kindern und Jugendlichen bei schweren Vorerkrankungen im Rahmen von kontrollierten Studien. Denn aktuelle (noch nicht publizierte) Studien würden zeigen, dass bei 3,5 Prozent von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren schwere systemische Nebenwirkungen aufträten. Im Vergleich dazu: bei Erwachsenen (über 16 Jahren) sind laut Stiko 0,6 Prozent betroffen.
Zur Frage der Herdenimmunität zitiert die Degam die DGPI (Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie) mit den Worten:

„Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen nehmen am SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen teil, sind aber selbst keine Treiber der Pandemie“.

So kommt die Degam zu dem Schluss, dass die aktuelle Datenlage zu Impfungen bei Kindern „eine flächendeckende Anwendung oder Empfehlung auf der Grundlage einer Notfall- oder bedingten Zulassung“ ausschließe. Deswegen könne das „Recht auf den Besuch von Schule oder Kindertagesstätte oder der Anspruch auf gleichberechtigte soziale Teilhabe nicht an eine bestimmte Impfentscheidung geknüpft werden“.
Gesundheitsminister Spahn stellt Schülerinnen und Schülern in Aussicht, bis Ende August ein Impfangebot zu erhalten. Die Europäische Gesundheitsbehörde EMA prüft aktuell, ob sie den Impfstoff von Biontech für ältere Kinder ab zwölf Jahren empfiehlt. In den USA wurde das Biontech/Pfizer-Vakzin für die ab Zwölfjährigen bereits zugelassen.
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