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„Habe mich tierisch geärgert“: Ist Baerbock-„Hype“ bald vorbei?

© REUTERS / Pool / Markus SchreiberGrünen-Chefin Annalena Baerbock
Grünen-Chefin Annalena Baerbock - SNA, 1920, 27.05.2021
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Bei dem ARD-Talk „Maischberger. Die Woche“ war die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bemüht, kritische Fragen nach Möglichkeit überzeugend abzuwehren. Ein ziemliches Stück Lack ging dabei dennoch ab, dem ursprünglichen „Baerbock-Hype“ scheint die Puste auszugehen.
„Der Höhenflug der Grünen in den Umfragen scheint gestoppt“, hieß es im Einspieler zur Sendung am Mittwoch im ARD. Und: „Die Kritik am Programm der Grünen und an Annalena Baerbock wächst.“
Kritisch war auch das Interview bei „Maischberger“ angelegt – angefangen bei der unschönen Geschichte mit der Nachmeldung der Einkünfte der Kanzlerkandidatin aus den Jahren 2018 bis 2020. Und fortgesetzt mit der Tatsache, dass die Grünen-Chefin den Corona-Bonus in Höhe von 1.500 Euro faktisch sich selbst „genehmigt“ hat. Dabei war dieser in erster Linie für Mediziner und Beschäftigte im Einzelhandel gedacht.

Bundeskanzlerin Baerbock wäre „eine Katastrophe“

Über die versäumte Anmeldung der Einkünfte hat sich Baerbock nach eigenen Worten rückwirkend „tierisch geärgert“. Die Wortkombination „tierisch geärgert“ wiederholte sie dreimal und es klang schon fast suspekt: Wird sie als Kanzlerin auf dies und jenes „tierisch“ reagieren, könnte das nicht gut enden.
IT-Unternehmer Frank Thelen, der in der Sendung die Rolle eines der „Kommentatoren“ spielte, sagte jedenfalls: Eine Bundeskanzlerin Baerbock wäre „eine Katastrophe“. Er meinte allerdings vor allem das aus seiner Sicht „inkompetent“ geschriebene Wahlprogramm der Grünen.
Im Zusammenhang mit dem „tierisch ärgerlichen“ Fehler bot er der Grünen-Politikerin an, das Bonus-Geld an die Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ zu spenden. In dem Fall würde er die gleiche Summe aus seinem Einkommen dazu steuern.
Die Politikerin roch darin wohl eine Falle und ging darauf nicht ein:

„Ich halte jetzt nichts davon – ich wasche mich rein, indem ich hier auf einen Deal einsteige“, entgegnete sie. „Ich stehe an dieser Stelle zu meinen Fehlern und spende weiterhin, so wie ich das auch in den vergangenen Jahren gemacht habe.“

„Tierisch ärgern“ müsse sich Baerbock auch darüber, was sie alles einstecken muss, seit sie Kanzlerkandidatin ist:

„Ich habe in den letzten vier Wochen, seit ich Kanzlerkandidatin bin, Heftigstes erlebt. Wir haben eigene Fehler gemacht, aber was ich krass finde, ist eine Art von Shitstorm, wo über Fake News Dinge behauptet werden.“

Dies betreffe die ihres Erachtens völlig verdrehten Behauptungen im Netz in Bezug auf das Programm der Grünen – ob es um den Bau von Autobahnen, den CO2-Preis oder eine Energiespeicherung im Netz geht.
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Baerbocks Joints: Wann hat sie zuletzt was geraucht?

Aber auch so manche Äußerungen ihrer Parteikollegen müsse Baerbock nun „geraderücken“, etwa die jüngste Erklärung von Robert Habeck: Eine Waffenlieferung an die Ukraine wäre „unter den jetzigen Umständen“ durchaus denkbar.
„Waffen zur Verteidigung, zur Selbstverteidigung kann man meiner Ansicht nach, Defensivwaffen, der Ukraine schwer verwehren“, sagte Habeck gegenüber dem „Deutschlandfunk“ wortwörtlich.
„Richtige Defensivwaffen“ habe Habeck nicht gemeint, behauptete nun Baerbock, sondern „Munitionsräumung, Bergung von verwundeten Personen, Zivilisten, mit gepanzerten Fahrzeugen“ und Ähnliches.
Dass die Kanzlerkandidatin eine entschiedene Gegnerin des Pipelineprojekts Nord Stream 2 ist, war schon früher bekannt. Das hat sie bei „Maischberger“ auch ein weiteres Mal bestätigt – allerdings mit einer erstaunlichen Begründung: Wladimir Putin habe „deutlich gemacht, dass er die EU als Feind sieht“. Diese steile Behauptung von ihr müsste nun entweder sie selbst, oder jemand sonst aus ihrer Partei ebenfalls dringend „gerade rücken“ – denn es handelt sich dabei schlicht und einfach um eine Diffamierung.
Wann Baerbock ihren ersten Joint geraucht habe, wollte die Moderatorin gegen Ende des Interviews wissen. „Irgendwann als Jugendliche", lautete die Antwort. Schade, dass nicht gefragt wurde, was die Kanzlerkandidatin jetzt so raucht. Angesichts ihrer Behauptung in Bezug auf Putin und seine Einstellung zur EU wäre eine solche Frage berechtigt.

Pandemie und Lauterbach nur noch als „Nachspeise“

Die Pandemie ist für die Medien mittlerweile so gut wie gegessen. Der SPD-„Gesundheitsexperte“ Karl Lauterbach, bis eben ein kaum wegzudenkender Teilnehmer aller Talkrunden, wurde nun bei „Maischberger“ in die Schlusssequenz der Sendung verdrängt. Zunächst musste er sich aber ein „Lamento“ der aus München zugeschalteten Violin-Virtuosin Anne-Sophie Mutter anhören:

„Man hat die Kunst 14 Monate lang erfolgreich totgeschwiegen“, erklärte sie. „Wir wünschen uns von der Politik, dass sie uns zutraut, verantwortungsvoll Konzerte zu veranstalten. Das Publikum ist ausgehungert!“

Das Ansteckungsrisiko im Konzertsaal liege „bei 0,5 Prozent, viel weniger als im Supermarkt“, betonte die Musikerin, „und 16-mal niedriger als im Großraumbüro.“ Lauterbach blieb aber seiner Rolle als Mahner treu und meinte, wo man die Kunst schon 14 Monate lang hatte aushungern lassen, würden zwei Wochen mehr nicht mehr ins Gewicht fallen.
„Abgerundet“ wurde die Sendung so, wie sie anfing: Wie die Grünen-Chefin hatte nämlich auch Lauterbach seine Nebeneinkünfte mit Verspätung angemeldet.

„Das hatte nichts mit Annelena Baerbock zu tun“, fügte er mit ironischem Lächeln hinzu. „Es war nicht so, dass wir gesagt haben, Annelena Baerbock ist aufgeflogen, jetzt gucken wir mal, was haben wir.“

Das zu glauben, steht nun jedem frei. Im Unterschied zu Baerbock hat aber Lauterbach die entsprechende Summe nach eigenen Worten bereits an die Corona-Hilfe für indische Kinder gespendet.
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