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„Nicht zu viel Planen und einfach mal losgehen“: Schweizer wandert mit Einkaufswagen nach Moskau

© Foto : Die WeltentdeckerReisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann
Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann - SNA, 1920, 25.05.2021
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Im Jahr 2019 startete der Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann mit seinem Einkaufswagen „Mrs. Molly“ eine lange Reise durch acht europäische Länder. Von Flumenthal nach Moskau – 3392 Kilometer hat der Schweizer in 111 Tagen bewältigt.
Sein Abenteuer beschreibt Christian Zimmermann im Buch „Wanderfieber - 3392 Kilometer zu Fuss von Flumenthal nach Moskau“, das am 25. August 2020 im „tredition“-Verlag erschienen ist. Seine Zielgruppe seien alle Leseratten, die den Autor auf diesem außergewöhnlichen Trip vom Sofa aus begleiten möchten. Über das Buch und die eigentliche Reise haben wir Christian Zimmermann in einem exklusiven SNA-Interview befragt.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit einem Einkaufswagen lange Strecken zurückzulegen?
Mich fasziniert generell das Vorwärtskommen mit eigener Muskelkraft. 2016 marschierte ich mit meinem Einkaufswagen „Mrs. Molly“ bereits durch Australien (Buch „TransAustralia“). Dort musste ich bis zu 30 Liter Trinkwasser transportieren, da kam also Wandern nur mit Rucksack nicht in Frage. Während der Vorbereitungsphase auf diesen Trip, hatte irgendwann mein Bruder Andreas die glorreiche Idee: "Nimm doch einen Einkaufswagen, da hast du genügend Platz und die Dinger kannst du überall für 1 Euro 'mieten'". In Darwin angekommen, organisierte ich dann mein Wägelchen selbstverständlich ganz legal!
Haben Sie auf dem Weg etwas Lustiges oder Kurioses erlebt? Welchen Reaktionen sind Sie auf dem Weg begegnet?
Es verging fast kein Tag, an dem ich nicht auf mein Abenteuer angesprochen wurde. Auch wurde ich immer wieder reichlich beschenkt, vielfach mit Gemüse und Früchten aus den Gärten der Spender. In Litauen wollte mir ein verzweifeltes, älteres Ehepaar doch tatsächlich einen riesigen Korb voller Gurken andrehen, weil sie selber viel zu viele der grünen Dinger hatten. Als sie aber mein Transportmittel mit beschränkter Ladekapazität sahen, mussten sie einfach nur lachen.
Die Menschen konnten meistens nicht glauben, was sie da sahen. Da kam ihnen doch tatsächlich ein Mann mit Einkaufswagen entgegen. Auf dem Land wurde ich immer interessiert ausgefragt und die Gesprächspartner fanden mein Abenteuer einfach nur toll. In größeren Städten änderten sich aber die Blicke der Neugierigen. Da wurde ich wohl eher als Obdachloser eingestuft.
Wie fühlt man sich, wenn man 111 Tage einen Einkaufswagen schiebt und endlich ans Ziel kommt?
Auf dem Roten Platz in Moskau angekommen, fühlte ich mich zuallererst, wegen der vielen Touristen restlos überfordert. Das Glücksgefühl wollte im ersten Moment nicht aufkommen. Ich setzte mich neben Mrs. Molly auf den Bürgersteig und ließ für einen Augenblick meine verrückte Reise Revue passieren. Ja, ich hatte es tatsächlich geschafft. Unglaublich! Und dann entdeckte ich in den Menschenmassen zwei Personen mit Schweizer Fähnchen. Das war also mein kleines Empfangskomitee von der Schweizer Botschaft – wie sympathisch! Erst da kam die große Freude über meine Leistung und während der nächsten drei Tage brachte ich das zufriedene Lächeln fast nicht mehr aus meinem Gesicht. Aber es beschlich mich auch eine gewisse Leere, denn mein cooles Abenteuer war ja nun zu Ende … Und übrigens, am letzten Tag meines Aufenthaltes in Moskau, wurden Mrs. Molly und ich noch ganz offiziell in der Residenz der Schweizer Botschaft empfangen!
© Foto : Die WeltentdeckerChristian Zimmermann wandert durch ein Rapsfeld
Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann - SNA
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Christian Zimmermann wandert durch ein Rapsfeld
© Foto : Die WeltentdeckerAn der Grenze zu Lettland
Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann - SNA
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An der Grenze zu Lettland
© Foto : Die WeltentdeckerAn der Bushaltestelle in Russland
Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann - SNA
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An der Bushaltestelle in Russland
© Foto : Die WeltentdeckerRussischer Bärenverkauf
Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann - SNA
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Russischer Bärenverkauf
© Foto : Die WeltentdeckerEin Selfie mit den russischen Polizisten
Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann - SNA
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Ein Selfie mit den russischen Polizisten
© Foto : Die WeltentdeckerChristian Zimmermann in Moskau
Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann - SNA
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Christian Zimmermann in Moskau
© Foto : Die WeltentdeckerChristian Zimmermann mit dem Empfangskomitee der Schweizer Botschaft in Moskau
Reisefotograf, Vortragsreferent und Autor Christian Zimmermann - SNA
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Christian Zimmermann mit dem Empfangskomitee der Schweizer Botschaft in Moskau
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Christian Zimmermann wandert durch ein Rapsfeld
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An der Grenze zu Lettland
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An der Bushaltestelle in Russland
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Russischer Bärenverkauf
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Ein Selfie mit den russischen Polizisten
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Christian Zimmermann in Moskau
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Christian Zimmermann mit dem Empfangskomitee der Schweizer Botschaft in Moskau
Inwieweit unterscheidet sich die Reise nach Moskau von Ihrer vorherigen Reise quer durch Australien?
In Australien marschierte ich auf dem Stuart Highway von Darwin nach Adelaide. In 105 Tagen schaffte ich so 3059 km. Da benötigte ich nicht einmal eine Landkarte. Einfach nirgendwo abbiegen und ich komme ans Ziel! Die immensen Distanzen Down Under waren die eigentlichen Herausforderungen. Bis zu acht Tage Marsch hatte ich teilweise von einem Roadhouse zum anderen. Da hieß es genügend Wasser und Lebensmittel zu bunkern und sehr haushälterisch mit dem Proviant umzugehen. Körperlich war der Moskautrip aber viel anstrengender, da ich über 30 000 Höhenmeter absolvieren musste. Auf beiden Trips verlor ich ziemlich genau 10 kg Körpergewicht, obschon ich versuchte so viel zu essen wie nur möglich.
Was nehmen Sie von Ihrer Reise nach Moskau mit?
Das Eindrücklichste einer solchen Reise sind die Begegnungen mit den Menschen unterwegs. Als einsamer Wandersmann begegnen einem die Einheimischen fast ausnahmslos offen, freundlich und sehr hilfsbereit. Und je weiter ich in den Osten Europas kam, desto gastfreundlicher wurde ich empfangen.
Sie haben einen Bruder, Andreas, der Ihre Leidenschaft für das Reisen teilt. Hat er auch mitgemacht?
Wir schreiben beide Bücher und halten Vorträge. So wechseln wir uns beim Reisen ab, damit immer einer zuhause das Büro hüten kann. Aus diesem Grund sind wir auf unseren Trips alleine unterwegs. Andreas macht auch ganz verrückte Dinge: Er absolvierte zum Beispiel mit seiner Partnerin an der Ostküste der USA den längsten markierten Wanderweg der Welt. Da waren sie zu Fuß über sechs Monate für die 3487 km unterwegs (Buch „Der Appalachian Trail“). Sein neustes Abenteuer führte ihn mit seinem Rapid-Einachser-Traktor von der Schweiz bis ans Nordkap und zurück. Mit 17 km/h Höchstgeschwindigkeit holperte er durch 11 Länder und erlebte so manches Abenteuer (Buch „Total abgefahren“).
Haben Sie vor, eine neue Reise mit Ihrem Einkaufswagen zu unternehmen?
Ja klar. Mrs. Molly ist mit mir wieder zurück in die Schweiz gekommen. Der Rückflug, respektive das Einchecken mit Aeroflot war übrigens eine extrem nervenaufreibende Sache und fast das größte Abenteuer der gesamten Reise. Sie können sich ja vorstellen wie die Security am Flughafen reagiert hat, als ich und Mrs. Molly auftauchten … Doch schlussendlich hat alles geklappt und nun wartet mein treues Einkaufswägelchen sehnsüchtig auf die nächste Reise.
Ihre Geschichte wird sicherlich jemanden inspirieren, zu Fuß durch ganz Europa zu wandern. Welchen Rat würden Sie ihm geben?
Nicht zu viel Planen und einfach mal losgehen. Alles andere ergibt sich!
Touristen in Spanien - SNA, 1920, 21.05.2021
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