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Theater in London will Shakespeares Werke „dekolonisieren“ und setzt antirassistische Webinare an

© AP Photo / Kirsty WigglesworthEin Porträt von William Shakespeare
Ein Porträt von William Shakespeare - SNA, 1920, 24.05.2021
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Das „Globe“ Theater in London hat eine Serie von antirassistischen Webinaren angekündigt, um berühmte Stücke des großen Dramatikers William Shakespeare von „problematischen rassifizierten Dynamiken“ zu befreien. Darüber informiert die britische Zeitung „The Telegraph“.
Bei der ersten Veranstaltung der Serie, die am Donnerstag stattfand, diskutierten Podiumssprecher über die Komödie „Ein Sommernachtstraum“ und untersuchten die Begriffe wie „Mohr“, „Tartar“ und „Äthiope“ als rassistische Epitheta.
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Laut „The Telegraph“ argumentierte Dr. Vanessa Corredera, die Komödie enthalte Elemente von „Orientalismus“ und „Kolonialismus“, insbesondere bei einem Streit zwischen dem Elfenkönig Oberon und seiner Gattin Titania über einen stimmlosen indischen Jungen. Die assoziierte Professorin für Englisch an der Andrews University in Michigan vertritt zudem die Meinung, jedes Shakespeare-Stück sei ein „Rassestück“, da das „Weißsein“ in allen Werken vorhanden sei. Sie erklärte:
„Im Zusammenhang mit anderen Stücken und sogar den Sonetten ist diese Sprache überall, diese Sprache von Dunkelheit und Licht ... es gibt diese rassifizierenden Elemente.“
Laut dem Professor für Theaterkunst an der Santa Clara University, Aldo Billingslea, soll die erste Zeile des Stücks von 1595 „problematische" Verbindungen zwischen Weißsein und Schönheit aufweisen. Diese befürworte die Ansicht, dass „weiß schön ist, hell ist schön, dunkel ist unattraktiv“. Auch Lysanders Frage „Wer würde nicht einen Raben gegen eine Taube eintauschen?“ interpretierte Billingslea so, als wäre der „Wert der Vögel“ durch „ihre Farbe“ bestimmt.
Beide Sprecher stimmten überein, die Besetzung „mit Personen der Farbe“ könnte einigen der verwendeten Sprachen eine neue Bedeutung verleihen.

Kritik

Der Shakespeare-Experte Sir Stanley Wells meinte gegenüber „The Telegraph“, er würde Shakespeare „nicht“ als Rassist darstellen. Sir Wells geht davon aus, der „Kontrast von hell und dunkel“ könne sich nicht auf das Aussehen beziehen, sondern auf das Verhalten.
„Es gibt einen Unterschied zwischen dem Rassismus einer Figur und dem Rassismus eines Schriftstellers“, betonte er.

Globe erklärt sich

Das Theater, das mit dem Namen des englischen Barden eng verbunden ist, will Shakespeare „für alle zugänglich“ machen. Die Moderation des Webinars, Professorin Farah Karim-Cooper, meinte, es wäre „vereinfachend“ zu behaupten, man wolle Shakespeare dabei „angreifen“ oder „abschaffen“; der Dramatiker sei „robust“ und „belastbar“ genug, um das aushalten zu können. Zudem sei von Shakespeare selbst nur wenig bekannt. Das „Globe“ diskutiere lediglich über Rasse und Vielfalt.
„Er wird nirgendwo hingehen. Wir lieben ihn auch, und nein, wir sagen nicht, dass er ein Rassist war“, betonte Karim-Cooper gegenüber der „Daily Mail“.
Einige Akademiker wollen Shakespeare an US-amerikanischen Schulen nicht mehr unterrichten. Sie argumentieren, der Barde fördere Rassismus, weiße Vorherrschaft und Intoleranz.
Im Januar hatte die in Minnesota ansässige Bibliothekarin, Buchhändlerin und Journalistin Amanda MacGregor in einem Artikel seine Werke als „voller problematischer, veralteter Ideen, mit viel Misogynie, Rassismus, Homophobie, Klassismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit“ kritisiert. Sie stellte somit infrage, ob Shakespeare weiterhin in die Schule gehöre. Nach Angaben des Magazins „New York Post“ behauptete MacGregor zudem, dass immer mehr Lehrer zu dem Schluss kommen, dass es an der Zeit sei, „Shakespeare beiseite zu legen“, um Platz für „moderne, vielfältige und integrative Stimmen“ zu schaffen.
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