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Gendersensibilität: Fast zwei Drittel der Deutschen lehnen gendergerechte Sprache ab – Umfrage

© AP Photo / Peter Dejong"Turn the tide for Gender Equality" ["Wenden Sie das Blatt für die Gleichstellung der Geschlechter"] (Symbolbild)
Turn the tide for Gender Equality [Wenden Sie das Blatt für die Gleichstellung der Geschlechter] (Symbolbild) - SNA, 1920, 23.05.2021
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Die Mehrheit in der deutschen Gesellschaft will keine stärkere Berücksichtigung unterschiedlicher Geschlechter in der Sprache. Die ablehnende Stimmung nahm im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu, ergibt eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap.
Die Formulierungen wie „Zuhörende“ statt „Zuhörer“, die Nutzung des großen Binnen-I („WählerInnen“) oder des Gendersternchens gehören nicht in die schriftliche Sprache. Genauso wie eine Kunstpause vor der zweiten Worthälfte („Pendler_innen“) beim Sprechen. Das glauben gegenwärtig 65 Prozent der deutschen Bevölkerung, geht aus der Erhebung im Auftrag der Zeitung „Welt am Sonntag“ hervor. Noch vor einem Jahr waren es 56 Prozent.
Student (Symbolbild) - SNA, 1920, 01.04.2021
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Obwohl Frauen grundsätzlich weniger Vorbehalte gegenüber gendersensibler Sprache haben als Männer, stimmten auch in dieser Gruppe 59 Prozent der Befragten gegen die Gendersprache. Die Ablehnung stieg auch unter Frauen bemerkenswert an – um sieben Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2020, berichtet „Welt am Sonntag“.
Die Wählerschaft der Grünen erwies sich in der Gendering-Frage polarisiert. 48 Prozent der Grünen-Anhänger stellten sich laut der Umfrage gegen diese Gendersprache, während 47 Prozent dafür waren. Bei den anderen Parteien herrschte eine klare kritische Einstellung gegenüber gendergerechter Sprache. Die Ablehnung unter den AfD-Wählern betrug 83 Prozent, gefolgt von der FDP und den Linken mit 77 und 72 Prozent entsprechend. 68 Prozent der Union-Anhänger und 57 Prozent der SPD-Wähler stimmten ebenfalls dagegen.

Meinungen aus der Politik

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, zeigte sich gegenüber der „Welt am Sonntag“ davon überzeugt, dass Worte große Macht hätten und beeinflussten, wie man die Welt sehe. Wenn also ausschließlich von „Politikern“, „Richtern“ oder „Ärzten“ gesprochen wird, zeichne sich das Bild einer Welt von Männern ab, in denen Frauen oder nicht-binäre Menschen nicht vorkämen, betont Göring-Eckardt.
„Wir sind aber Teil dieser Welt – die Hälfte aller Menschen einfach nur mitzumeinen, reicht nicht mehr aus.“
Der Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht wundert es hingegen nicht, dass die geschlechtsneutrale Sprache weitgehend abgelehnt wird. Im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ wies sie darauf hin, dass es bei der Gender-Pause in erster Linie nicht um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen gehe, sondern eher um „die Abbildung einer verschwindend kleinen Zahl von Menschen“ mit einem selbst definierten dritten Geschlecht. Wagenknecht gehe davon aus, die gesellschaftliche Mehrheit sei absolut bereit, diese Minderheit zu akzeptieren.
„Aber die Mehrheit hat eben auch das Gefühl, dass ihre wirklichen Probleme nicht mehr gesehen werden, dass es hier eine gewaltige Unwucht gibt“, unterstrich die Politikerin.

Geschlechtssensible Sprache in Deutschland

Die Gendersprache sorgt vermehrt für Debatten in Deutschland. Um die Gleichstellung von Geschlechtern sicherzustellen, werden in Behörden und Unternehmen entsprechende Vorschriften eingeführt, die den Mitarbeiter zur Verweiblichung der deutschen Sprache verpflichten. Auch die Journalisten der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gendern seit etwa einem Jahr in ihren Sendungen und Talkshow-Formaten.
Am Montag hatte ein Audi-Mitarbeiter das Unternehmen wegen des seit März geltenden Gender-Leitfadens angeklagt. Der Kläger fühle sich durch die Vorschriften diskriminiert, berichtet „Die Welt“. Seine Anwälte rechnen mit einem Grundsatzurteil zur Frage, ob ein Konzern seinen Mitarbeitern die Verwendung einer bestimmten Sprache vorgeben dürfe.
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