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Afrika und Europa: „Kampf“ um den Kontinent oder doch „strategisches Bündnis“ mit China?

© AFP 2021 / ISSOUF SANOGOEröffnungszeremonie eines neuen Stadions in Abidjan (Archivbild)
Eröffnungszeremonie eines neuen Stadions in Abidjan (Archivbild) - SNA, 1920, 22.05.2021
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Wie steht es um das Verhältnis zwischen Afrika und Europa? Welche Rolle spielen europäische Waffenexporte und Auslandseinsätze auf dem afrikanischen Kontinent? Braucht es neue Kooperationen und Partnerschaften zwischen beiden? Diese und andere Fragen will das aktuelle „Welttrends“-Magazin beantworten.
Kommt es zu „einem strategischen Bündnis“ zwischen Afrika und Europa, fragen die Herausgeber des außenpolitischen Journals „Welt-Trends“ in der aktuellen Ausgabe. Das Weltpolitik-Magazin erscheint monatlich in Potsdam und widmet sich gegenwärtig dem Kontinent, der nicht nur in Pandemie-Zeiten häufig in Vergessenheit gerät.
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Gegenwärtig gebe es eine neue Initiative der EU – die „Europäische Friedensfazilität“ – mit der im Umfang von fünf Milliarden Euro „internationale Stabilität und Sicherheit“ gestärkt werden sollen: „Durch Auslandseinsätze und Waffenexporte.“

„Vergiftete Angebote“ der Europäischen Union an Afrika

Für Gastherausgeber Robert Kappel gehört das in die Liste der „vergifteten Angebote“, die Brüssel den afrikanischen Staaten seit Jahren unterbreitet. Der emeritierte Professor am Institut für Afrikastudien der Universität Leipzig schreibt:

„Europa hat mit sich selbst zu tun. In Brüssel, Paris und Berlin schert man sich nicht um Afrika. Vielleicht ist das sogar gut, denn was jüngst an Initiativen aus der EU kam, verhieß nichts Gutes.“

Die Handelsstruktur zwischen beiden Akteuren sei nach wie vor unverhältnismäßig. „Afrika exportiert unverarbeitete Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte, während die EU Investitions- und Konsumgüter nach Afrika ausführt.“

Wettlauf gegen Afrika-Partner China

Böse Zungen würden das wohl „Neo-Kolonialismus“ nennen, so ein Einwurf der SNA-Redaktion. Die frühere Kolonialmacht Frankreich handelt laut Kappel „immer noch als geostrategische Macht in West- und Zentralafrika“; er kritisiert, dass Brüssel nicht wirklich etwas dagegen unternehme.

„In den letzten Jahren haben die EU-Mitgliedstaaten zahlreiche neue Strategien für Afrika entwickelt. Mit dem Cotonou-Abkommen (2000) und der Gemeinsamen Strategie (2007) begann sich ein Wandel in den Beziehungen zwischen der EU und Afrika abzuzeichnen.“

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Nachhaltig gefruchtet habe keine dieser europäisch-afrikanischen Projekte. Letztlich sei Brüssel auch getrieben von der Furcht, China könne den Kontinent wirtschaftlich und politisch dominieren. Peking vergibt schon seit Jahren Direktinvestitionen und Aufbauhilfen an afrikanische Staaten, ohne – wie der Westen meist – diese an „menschenrechtliche Debatten“ zu knüpfen.

Währungspolitik: Wie Frankreich immer noch Einfluss in Afrika hat

Weitere deutsche und afrikanische Autorinnen und Autoren „diskutieren die Notwendigkeit einer Partnerschaft, aber auch die ihr entgegenstehenden Hindernisse“. Darunter ist Akouavi Dela Apedjinou, Wirtschaftswissenschaftlerin und Beraterin im Präsidialamt von Togo. Sie beschäftigt sich mit dem ökonomischen und monetären Erbe Frankreichs im frankophonen Teil Afrikas. „Heute bezeichnet der CFA-Franc zwei Währungen, die mit gleichem Wechselkurs an den Euro gebunden sind“, schreibt die Ökonomin.
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Diese „waren bis zur Einführung des Euro an den französischen Franc gebunden. Die feste Kopplung an den Euro verteuert Exporte der afrikanischen Länder.“ Zum einen ist das „der Franc de la Coopération Financière en Afrique“, den die zentralafrikanische BEAC („Banque Centrale des États de l’Afrique Centrale“) ausgibt und der in Äquatorialguinea, Gabun, Kamerun, Republik Kongo, Tschad und der Zentralafrikanischen Republik) im Umlauf ist. Der Hauptsitz der Zentralbank ist in Jaunde (Kamerun). Zweitens: Der westafrikanische CFA-Franc („Franc de la Communauté Financière Africaine“) mit der BCEAO (Banque Centrale des États de l’Afrique de l’Ouest) als Zentralbank. Die Mitglieder sind Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Togo, Senegal.“ Der Hauptsitz befindet sich in Dakar (Senegal). Apedjinou kritisiert die beiden französisch bestimmten Währungen, weil sie den Kontinent bis heute spalten würden:

„Diese Währungen sind nicht untereinander konvertierbar. Jeder Austausch zwischen den Währungsräumen und innerhalb der Währungsräume bedarf der Genehmigung der Banque de France.“

Die finnische Professorin für Entwicklung und internationale Zusammenarbeit, Liisa Laakso, betrachtet im Magazin das afrikanisch-europäische Verhältnis seit der Kolonialzeit und erinnert an die Folgen, unter den die afrikanischen Nationen bis heute litten:

„Für Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Belgien, Portugal, Spanien und Italien, also jene Mächte, die Afrika kolonialisierten, war der erste und wichtigste Grund für ihr Handeln der Reichtum an Ressourcen und Arbeitskräften auf diesem Kontinent.“

Beispiel Mosambik: Früher portugiesische Kolonie

Theo Rauch, Honorarprofessor an der FU Berlin, fordert im Heft dementsprechend „einen Migrations- und Beschäftigungspakt mit Afrika“, um dort wirtschaftlichen und sozialen Strukturwandel nachhaltig zu fördern.
Afrika-Forscher und Geograph Andreas Bohne nimmt die frühere Kolonialmacht Portugal genauer unter die Lupe. Wie steht es um die Beziehungen Lissabons zu Mosambik?

Westliche Interventionen in Afrika: „Humanitär“? Oder Machtpolitik?

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„Gewinn strategischer Tiefe“: Russland als heimlicher Sieger des Bergkarabach-Konflikts – Magazin
Weitere Themen im Potsdamer außenpolitischen Journal sind die Hintergründe des Militärputsches in Myanmar, der bis heute die Welt in Atem hält. Außerdem Kampf gegen Korruption in China, christliche Kritik an der Doktrin und ein klares Nein gegen Atomwaffen. Russlands Rolle im globalen Geschehen betrachten die Politik-Experten Wilfried Schreiber und Wulf Lapins näher. Moskaus Innen- und Außenpolitik war bereits Themenschwerpunkt der vorangegangenen Ausgaben.
In einem weiteren Beitrag warnt Hans-Heinrich Nolte, Professor für osteuropäische Geschichte, die Regeln des Völkerrechts nicht weiter durch unklare Konzepte – darunter „humanitäre Interventionen“ – zu untergraben. „Gerade das geschieht aber heute in Afrika, und mit der neuen EU-Initiative wird das wohl noch zunehmen“, mahnen die Macher des Weltpolitik-Magazins abschließend.
Mehr dazu in der Mai-Ausgabe des außenpolitischen Journals „WeltTrends“. Dieses kann als Heft oder e-book direkt beim Verlag bestellt werden bzw. ist im Handel erhältlich.
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