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Bald französische Verhältnisse in Deutschland? Islamforscher warnt vor Antisemitismus und der Hamas

© AP Photo / Michael SohnDemonstration zur Unterstützung von Palästina in Berlin
Demonstration zur Unterstützung von Palästina in Berlin - SNA, 1920, 20.05.2021
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Einhellig scharf verurteilt die deutsche Politik Raketenangriffe auf Israel und antisemitische Vorfälle. Die Position der Bundesregierung sei aber nicht ehrlich, beklagt Nahostexperte Ralph Ghadban. Im SNA-Interview erklärt er, welche Gefahr vom islamischen Antisemitismus und der Hamas seiner Ansicht nach ausgeht.
„Wir haben ein Problem mit dem islamischen Antisemitismus“, sagt Nahost- und Islamismus-Experte, Ralph Ghadban, im SNA-Interview. Er warnt vor einer Situation wie in Frankreich. Dort sei der Staat nicht mehr in der Lage, „seine Juden“ zu beschützen. „Deshalb wandern sie massiv nach Israel aus. Ich will nicht diese Situation hier bei uns in Deutschland“, so Ghadban. Die Proteste gegen die israelische Politik bundesweit, die teilweise zu Ausschreitungen führten, seien ein Anzeichen dafür. „Die Slogans, die dort gerufen werden, zeigen, in welche Richtung das geht“, meint der Politologe.
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Am Wochenende wurde in vielen deutschen Städten gegen die israelische Politik protestiert. Medien berichten von antisemitischen Parolen, wie „Freiheit für Palästina vom Jordan bis zum Meer“, „Israel bombardieren“ und „Intifada bis zum Sieg“. Kritik an der Politik der israelischen Regierung sei legitim. Mit solchen Losungen werde aber mindestens das Existenzrecht Israels in Frage gestellt. „Das ist Antisemitismus“, betont Ghadban.

Antisemitismus als Migrationsphänomen?

Antisemitismus sei, anders als es beispielsweise die AfD darstellt, nicht aus muslimisch geprägten Staaten importiert worden, unterstreicht der Islamkritiker, sondern sei als politische Bewegung in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts entstanden.
Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg habe es immer wieder ein rechtsradikales und judenfeindliches Potential in Deutschland und Europa gegeben. Mit dem Aufkommen der AfD nehme dieser Trend zu. Das sei aber ein Problem, das die Sicherheitsbehörden genau verfolgen würden.
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Allerdings sieht der Islamforscher durchaus auch Problem, das mit der Zuwanderung von „vielen Arabern und Muslimen“ in die Bundesrepublik einhergeht.

„Weil diese Leute ihren Antisemitismus religiös begründen. Und das macht es schärfer. Man kann mit denen nicht reden, wenn sie den Koran zitieren. Denn: ‚Man diskutiert nicht mit Gott!‘“

Ralph Ghadban
Islamforscher und Islamismusexperte
Der historische Hintergrund sei, dass Mohamad eine massive Auseinandersetzung mit Juden und Christen gehabt hatte. Im Koran würden beide Religionsgruppen beschimpft und es werde dazu aufgerufen, sie zu unterwerfen.
Juden würden in den Schriften als Tiere, Vertragsbrüchige und als Schweine bezeichnet. Islamisten würden aber diese Aussagen oft wortwörtlich nehmen, so Ghadban.

Die Hamas und der politische Islam

Er schreibt auch dem sogenannten politischen Islam (eine religiös-politische Bewegung, deren Ideologie vom Verfassungsschutz als legalistischer Islamismus beschrieben wird – Anm. d. Red.) bei dem Thema eine wichtige Rolle zu. So würden die Muslimbrüder, die wichtigsten Vertreter der Bewegung, den Antisemitismus ausgehend von den Zitaten im Koran und der Sunna propagieren. „Damit legitimieren sie ihren Kampf gegen Israel. Und das tut die Hamas“, meint der Experte. Die islamistische Organisation sei eine Filiale der Muslimbruderschaft unter den Palästinensern. „Das sind alte Sachen, die sind nicht neu, aber mit der Migration haben wir sie hier“, sagt der Nahostexperte.
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Er ist überzeugt: Die Hamas nutze die Zivilbevölkerung des Gaza-Streifens für ihre Politik aus.
„Jedes Mal, wenn sie Israel angreifen, wissen sie, dass Israel heftig reagieren wird. Und sie nehmen in Kauf, dass ihre eigenen Leute sterben. Sie nutzen das weltweit publizistisch, um Israel zu diskreditieren. Hamas hat mit Raketenangriffen angefangen. Jetzt versucht man, die Schuld Israel in die Schuhe zu schieben. Das kann man nicht akzeptieren!“
Ralph Ghadban
Islamforscher und Islamismusexperte
Zudem sei die Hamas in Gaza ein verlängerter Arm des Iran - „genauso wie die Hisbollah im Libanon“, betont der Wissenschaftler.

„Keine ehrliche Position der Bundesregierung"

So seien die parteiübergreifenden harschen Reaktionen aus der deutschen Politik auf die Raketenangriffe der Hamas zwar richtig. Die Deutschen seien Ghadban zufolge in dieser Hinsicht jedoch nicht ehrlich. „Trotz der Lippenbekenntnisse unserer historischen Schuld kommt aus Deutschland als Mitglied der EU jede Menge materielle Unterstützung für die Hamas.“ Gemeint sind finanzielle Mittel für Palästina, die über das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen für die Palästinenser (UNRWA) teilweise auch an Personen oder Organisationen geflossen sein sollen, die wiederum mit Terroristen in Verbindung stünden.

„Widerbelebung von Netanjahu"

Gleichzeitig vermisst Ghadban auch eine deutliche Kritik gegenüber der israelischen Besatzungspolitik, die aus seiner Sicht von der Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu befeuert werde. „Doch durch diese Aktion der Hamas wird Netanjahu wiederbelebt. Das ist eine Katastrophe! Wir standen kurz davor, dass Araber an der Regierung beteiligt werden. Und Hamas hat alles kaputtgemacht“, glaubt der Forscher.
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Aus seiner Sicht sei die Hamas mehr eine Katastrophe für die Palästinenser, als für die Israeli. Die radikalen Kräfte in Israel hätten die Politik von Hamas ausgenutzt, um an der Macht zu bleiben.
„Europa hat sich längst aus der Nahost-Politik zurückgezogen. Europa spielt keine Rolle dort - vor allem Deutschland.“
Ralph Ghadban
Islamforscher und Islamismusexperte
Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern spitzte sich Mitte April zu. Militante Palästinenser feuerten Hunderte Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel ab. Das israelische Militär reagierte mit Luftangriffen auf Ziele in dem Küstengebiet direkt am Mittelmeer. Auf beiden Seiten gab es Tote.
In Deutschland hat es vor diesem Hintergrund pro-palästinensische Demonstranten in Berlin und anderen Städten gegeben.
Das Interview mit Dr. Ralph Ghadban zum Nachhören:



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