Kinder rasch impfen gegen indische Mutante: Kanzlerin Merkel will mit Impfgipfel Vorstoß machen

© AFP 2022 / DAVID RYDEREin 12-jähriger Junge erhält eine erste Dosis des Biontech-Pfizer-Impfstoffs im Harborview Medical Center am 13. Mai 2021 in Seattle, Washington.
Ein 12-jähriger Junge erhält eine erste Dosis des Biontech-Pfizer-Impfstoffs im Harborview Medical Center am 13. Mai 2021 in Seattle, Washington. - SNA, 1920, 19.05.2021
Am 27. Mai wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs auf einem neuen Impfgipfel über Weiteres bei Corona-Impfungen beraten. Vordergründig sollen dabei die Impfungen für Kinder und Schüler werden. Diese Impfgruppe rückt in der Politik nun verstärkt in den Focus, es bleiben aber Fragen.
Je näher die indische Mutante an Deutschland ist, desto mehr warnen einige Experten vor den eventuellen Folgen. Ganz vorne ist der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der in einem ntv-Interview neulich davor gewarnt hat, dass die Mutation nach einigen Daten „ungefähr 50 Prozent ansteckender“ als andere Virusvarianten sei. Ob es wirklich so ist, bleibt unklar. Nach den letzten RKI-Angaben liegt deren Anteil in Deutschland bei nur zwei Prozent. Lauterbach betont jedoch, ein schnelles Impfen von Schülern sei das beste Mittel, um weitere Schulschließungen zu verhindern. Nach den aktuellen Impfempfehlungen dürfen mit den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen nur Menschen über 16 Jahren geimpft werden.
Oskar Lafontaine (Archivbild) - SNA, 1920, 19.05.2021
Lafontaine warnt vor Corona-Impfung bei Kindern
Auch Bund und Länder wollen sich jetzt offenbar mit den Impfungen für Kinder beeilen. Auf dem Gipfel am 27. Mai soll es nach Informationen der DPA um das Impfen von Schülern und Studenten, den geplanten digitalen Impfnachweis sowie die Impflogistik im Sommer gehen.
Merkel selbst betonte laut übereinstimmenden Medienberichten in einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Dienstag, je aggressiver eine neue Virus-Variante sei, desto mehr Menschen müssten geimpft sein, um eine Herdenimmunität zu bekommen.

Müssen Kinder unbedingt geimpft werden?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sowie weiteren Experten und Forschern tragen Kinder aktuell nicht überproportional zum Infektionsgeschehen bei. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass Kinder und Jugendliche sogar weniger ansteckend sind als Erwachsene. Dabei sind sie bekanntlich am wenigstens von Covid-19-Erkrankungen betroffen. Bis Ende April wurden dem RKI insgesamt elf Todesfälle bei unter 20-Jährigen übermittelt, die meisten Fälle traten bei den 15- bis 19-Jährigen auf.
Schon öfter werden bei Kindern jedoch Langzeitfolgen von Long-Covid dokumentiert, also Fälle von Müdigkeit und Schwäche lange nach der Corona-Infektion. Umfangreiche Daten aus Deutschland zu dem Thema gibt es bislang jedoch nicht.
Ob man Kinder mit Blick auf diese Informationen wirklich impfen lassen muss, ist sich die Öffentlichkeit nicht einig. Bei dem Thema gibt es sowohl Hoffnungen als auch Kritik. Während die inzwischen zurückgetretene Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) Kinder und Jugendliche etwa vorrangig impfen lassen will, hält etwa der Präsident der Ärztekammer Hamburg „politische Vorstöße, eine regelhafte Impfung von Kindern und Jugendlichen zu fordern oder gar die Teilnahme am Präsenzunterricht vom Impfstatus gegen Covid-19 abhängig zu machen“, zum jetzigen Zeitpunkt und nach allen bekannten Fakten für nicht angemessen. Andere Experten und Politiker weisen darauf hin, dass die Langzeitfolgen nach einer Covid-19-Impfung nocht nicht bekannt sind.

Ema prüft Impfstoffzulassungen des Biontech/Pfizer-Impfstoffes für zwölf- bis 15-Jährige

In den USA wurde der Biontech/Pfizer-Stoff für die zwischen zwölf- und 15-Jährigen bereits zugelassen, in der EU könnte es in Kürze auch der Fall sein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass die Über-12-Jährigen schon im Sommer geimpft werden könnten – die Zulassung vorausgesetzt. Jüngere Kinder könnten auch bald folgen. Im Übrigen will Spahn allen Kindern über zwölf Jahren bis August ein Impfangebot machen. Am 7. Juni will Spahn die Impfpriotisierung abgeschafft haben.

Bundesschülerkonferenz fordert bevorzugte Impfung von Schülern

Vor dem Hintergrund einer baldigen Zulassung fordert die Bundesschülerkonferenz bereits eine bevorzugte Impfung von Jugendlichen mit dem Biontech/Pfizer-Stoff. „Für ab Zwölfjährige gibt es mit Biontech nur einen einzigen Impfstoff, der rasch zugelassen wird“, sagte Generalsekretär Dario Schramm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Dienstag. Dafür müssten Impfmobile an die Schulen kommen, sagte Schramm. Das sei der einfachste Weg zu einer schnellen Umsetzung.
Aktuell haben viele Schulen in Deutschland abwechslungsweise Präsenz- und Fernunterricht mit einer halbwegs funktionierenden Testpflicht. Wie es für sie weitergeht, ist ebenfalls unklar. Mit Blick auf die Kollateralschäden der Corona-Maßnahmen sprechen der Verband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in der „Rheinischen Post“ sogar von einer „Triage“ in der Art: Wer nicht suizidgefährdet sei und „nur“ eine Depression habe, werde von den Psychiatern gar nicht mehr aufgenommen. Kinder- und Jugendmediziner fordern, jungen Menschen schnell „wieder ein normales soziales Leben zu ermöglichen, damit sie sich normal entwickeln können.“ Sie dürften keine Nachteile davon haben, dass sie noch nicht geimpft werden können, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).
Vitamin D (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.05.2021
Nach Patzer mit Faktencheck: Tagesschau löscht neuen Beitrag über Vitamin D bei Covid-19
Parallel wird die Frage aufgeworfen, ob es letztendlich dazu kommen könnte, dass nur geimpfte Kinder Zugang zum Präsenzunterricht bekämen. Entsprechende Ängste löste im Netz eine Äußerung aus der Hauptversammlung der Bundesärztekammer Anfang Mai aus. Die Hauptversammlung forderte eine umfassende Covid-19-Impfung von Kindern und Jugendlichen und legte nach: „Das Recht auf Bildung mit Kita- und Schulbesuch kann im Winter 2021/2022 nur mit einer rechtzeitigen Covid-19-Impfung gesichert werden.“
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