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„Aerosol Control“: Online-Anwendung soll Infektionsrisiko berechnen

© CC0 / lukgehr / PixabayHomeoffice (Symbolbild)
Homeoffice (Symbolbild) - SNA, 1920, 19.05.2021
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Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in einem geschlossenen Raum? Durch welche Maßnahmen wird sie niedrig gehalten, wann ist sie am höchsten? Eine Online-Anwendung namens „Aerosol Control“ bietet Nutzern die Möglichkeit, das Risiko in Beispielräumen auszurechnen. SNA hat sie ausprobiert.
Eigentlich beschäftigt sich die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln mit Fragen rund um die Sicherheit von Kernreaktoren und Entsorgung von radioaktiven Abfällen. Nun hat die Institution aber auch zum Corona-Management beigetragen. Mit der Web-Anwendung „Aerosol Control“ sollen Nutzer in wenigen Schritten das Infektionsrisiko in geschlossenen Räumen ausrechnen können.
Die Anwendung baut auf einer Software der GRS auf, mit der eigentlich die Ausbreitung von Aerosolen oder Gasen in Kernkraftwerken berechnet wird. Sie wurde im Forschungsprojekt „Aero-Cov“ auf das Coronavirus zugeschnitten. SNA hat die Funktionen ausprobiert.
Die Software bietet eine Oberfläche mit den folgenden Eingabefeldern:
Wie viele infizierte Personen sich in einem geschlossenen Raum aufhalten,
mit welcher Virusvariante diese infiziert sind,
ob und welche Masken sie tragen,
was sie machen und wie sie sich miteinander unterhalten.
Als Räume können die Nutzer verschiedene Transportmittel auswählen: Auto, Bus, Flugzeug sowie Klassenräume oder Zimmer. Aber auch maßgeschneiderte Zimmer können entworfen werden. Ebenfalls kann angegeben werden, ob Fenster geöffnet, gekippt oder geschlossen sind.
Dann wird eine Kurve ausgespuckt, die anzeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass sich jemand in einem bestimmten Zeitraum mit dem Virus infiziert. Diese Wahrscheinlichkeit hängt von den angegebenen Parametern direkt ab. Strömungsprofile von Aerosolen in Räumen, wie sie mancher Nutzer sich beim Titel „Aerosol Control“ erhoffen würde, erzeugt die Software nicht.
Pfannen (Symbolbild) - SNA, 1920, 19.05.2021
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Leider nicht für Büro

Die Simulation eignet sich aber generell nicht dafür, eine reale Situation, etwa in einem Büro, einzuschätzen. Es kann hier nämlich weder die Zahl der Fenster noch die Lage der Arbeitsplätze im Raum festgelegt werden. Auch ist nicht ganz klar, wieso die Zahl der infizierten Menschen im Raum festlegt werden soll – diese ist ja unbekannt. Für solche Einschätzungen wäre es wohl besser, die Simulation an das aktuelle Infektionsgeschehen in der Region zu koppeln und nicht willkürlich eine Zahl infizierter Personen festzulegen.
Auch ist die Auswahl zwischen dem Wildtyp des Virus und der britischen Variante als Erreger eventuell zu eng bemessen – obgleich gegenwärtig die britische Variante laut Statisitik das deutsche Infektionsgeschehen ganz klar dominiert. Für Nutzer, die sich etwa über Infektionsgefahren in Indien oder bei Kontakt mit der eingeschleppten indischen Variante informieren möchten, taugt die Anwendung dann nicht.

Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung

Laut GRS ist dies allerdings auch nicht die Funktion der Software, sondern es geht darum, „die Bevölkerung für die Gefahr in Innenräumen“ zu sensibilisieren. Tatsächlich kommt man hier schnell zu interessanten Ergebnissen. So würde die Ansteckungswahrscheinlichkeit mit einem infizierten Redaktionsmitglied im Raum an einem Acht-Stunden-Arbeitstag bei 20 Prozent liegen, wenn alle Redakteure nur atmen, aber keine Masken tragen. Wenn alle sprechen dagegen, würde sie auf 98 Prozent steigen – wobei auch hier nicht klar ist, ob gemeint ist, dass sie die ganzen acht Stunden lang sprechen. Tragen dagegen alle FPP2-Masken in der Redaktion, fällt die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Sars-Cov-2 auf zehn Prozent.
Fazit: Die Software ist sicherlich gut geeignet, um die Ansteckungswahrscheinlichkeit bei Fahrten mit Bahn und Bus zu ermitteln. Für Szenarien in Büroräumen ist sie weniger tauglich. Schade ist auch, dass sie nur Kurven anzeigt und der Nutzer keine visuellen Simulationen in Räumen durchführen kann.
Hier kann jeder und jede sich selbst an „Aerosol Control“ versuchen.
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