In den Fußstapfen der „Ufa“ gestartet und eigene Spuren hinterlassen – 75. Gründungstag der „Defa“

© DEFA-StiftungJubiläumslogo 75 Jahre DEFA
Jubiläumslogo 75 Jahre DEFA - SNA, 1920, 19.05.2021
Die frühere staatliche Filmgesellschaft der DDR, die „Defa“ wurde am 17. Mai 1946 gegründet. Bis 1995 produzierte sie rund 700 Spielfilme, 750 Animationsfilme, 2250 Dokumentar- und Kurzfilme, sowie mehr als 600 Filme für das Fernsehen der DDR. Darüber hinaus wurden von der „Defa“ rund 8000 Filme synchronisiert. Bis heute eine beeindruckende Bilanz.
Die Geschichte der „Deutschen Film Aktiengesellschaft – Defa“ begann eigentlich schon vor dem 17. Mai 1946. Diese ersten Jahre der „Defa“ spiegeln auch die nicht unkomplizierten politischen, ökonomischen und juristischen Verhältnisse in Deutschland wieder, in denen die Gesellschaft arbeiten und auch Kompromisse schließen musste. Schon im Moskauer Exil, im September 1944, plante die KPD bei einem Treffen mit dem späteren DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck im berühmt-berüchtigten Hotel „Lux“ ihre Kulturpolitik für die Nachkriegszeit.
Kino Chudoschestwenny in Moskau - SNA, 1920, 09.04.2021
Moskaus ältestes Kino nach Sanierung wiedereröffnet
Im Januar 1945 wurde dazu eine Arbeitskommission gegründet, deren Mitglieder, die Partei-Funktionäre Paul Wandel, Anton Ackermann und Sepp Schwab, nicht nur für die spätere „Defa“-Gründung von entscheidender Bedeutung sein sollten, sondern ganz grundsätzlich großen Einfluss auf die Filmbranche in der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR hatten.

Sowjetische Militäradministration in Deutschland machte Tempo in punkto Film

Davor aber lag zunächst noch die Gründung einer „Filmaktiv“ genannten Arbeitsgruppe der KPD, unmittelbar nach Kriegsende. Dieses „Filmaktiv“ wurde Teil der Abteilung Kunst und Literatur innerhalb der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung, die wiederum der Sowjetischen Militäradministration – SMAD unterstand. Und die SMAD machte von Anfang an enormes Tempo in Sachen Kultur. Schon drei Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands wurde am 28. Mai 1945 der Befehl erteilt, so schnell wie möglich in Berlin wieder Theater und Kinos zu eröffnen.
© Bundesarchiv/BArch DR 117/53060Vorschläge zur Gründung der DEFA
Vorschläge zur Gründung der DEFA  - SNA, 1920, 19.05.2021
Vorschläge zur Gründung der DEFA
Dazu ordnete die SMAD unter anderem auch am 6. Juni 1945 die deutsche Synchronisation des Films „Iwan der Schreckliche“ von Sergej Eisenstein an, Textfassung und Regie Wolfgang Staudte. Die Synchronisation fand in den ehemaligen Ateliers der Tobis Filmkunst GmbH in Berlin-Johannistal statt. Der in der DDR überaus beliebte sowjetische Märchenfilm „Die Steinerne Blume“ wurde am 14. Juni 1945 in den Afifa-Kopierwerken in Köpenick (in der DDR später als Fotochemische Werke Köpenick vor allem Produzent von Röntgenfilmen) unter sowjetischer Anleitung in rund 1000 Farbkopien produziert, für die Auslieferung in die Kinos Berlins und der Sowjetischen Besatzungszone, wozu eigens das Originalnegativ des Films von Moskau nach Berlin herangeschafft wurde. Am 4. Juli 1945 beschlagnahmte die SMAD alle Kinos des früheren „Ufa“-Konzerns und machte sie innerhalb kürzester Zeit wieder bespielbar.

„Filmaktiv“ als Vorläufer der „Defa“

Am 25. August 1945 wurde dann die schon erwähnte Zentralverwaltung für Volksbildung ins Leben gerufen, deren Leiter, der ebenfalls schon erwähnte Paul Wandel wurde. Der Leiter der Abteilung Kunst und Literatur, dem das schon erwähnte „Filmaktiv“ im Januar 1946 als rechtlich eigenständige Gesellschaft zugeordnet worden und die für alles zuständig war, was das Filmgeschäft anging, war Herbert Volkmann, der später einer der drei Gesellschafter des ersten Vorläufers der „Defa“ wurde. Die anderen Mitglieder des „Filmaktivs“ waren die beiden Szenenbildner Carl Haacker und Willy Schiller, der Regisseur Kurt Maetzig, der Beleuchter und Kaufmann Alfred Lindemann und die beiden Schauspieler Adolf Fischer und Hans Klering. Alles Vertreter des Proletarischen Kinos der 20er und 30er Jahre bzw. in Kunst- und Kultureinrichtungen, die der KPD nahestanden. Allerdings auch mit Brüchen in den Biographien während des Dritten Reiches.

Auch das „Defa“-Personal hatte Lebensläufe mit Brüchen

Carl Haacker etwa arbeitete vor 1933 für Unternehmen, die entweder direkt oder indirekt mit der KPD oder dem Münzenberg-Konzern, dem linken Gegenstück zum rechtskonservativen Hugenberg-Konzern und damals das zweitgrößte Medienunternehmen der Weimarer Republik, in Verbindung standen. Im Dritten Reich arbeitete er für den von den Nazis gleichgeschaltenen Tobis-Konzern, nach der „Ufa“ die zweitgrößte Filmgesellschaft und nicht mit der heutigen Tobis Film verwandt. Haacker kam im Dezember 1945 bei einem Autounfall ums Leben, sodass er bei der späteren „Defa“-Gründung keine Rolle mehr spielte.
Willy Schiller überstand als SPD-Mitglied die Nazizeit in der „Ufa“ mit Arbeiten für politisch unverfängliche Filmprojekte, die im Dritten Reich vor allem der Ablenkung dienen sollten.
© Bundesarchiv/BArch DR 2/8256Schreiben "Neuorganisierung der Filmproduktion" vom 3. Dezember 1945
Schreiben Neuorganisierung der Filmproduktion vom 3. Dezember 1945 - SNA, 1920, 19.05.2021
Schreiben "Neuorganisierung der Filmproduktion" vom 3. Dezember 1945
Adolf Fischer wirkte vor 1933 in einem Klassiker des Proletarischen Films mit, „Kuhle Wampe“. Nach 1933 sah das Publikum ihn in Propaganda- und Durchhaltefilmen wie „Kampfgeschwader Lützow“, „Achtung! Feind hört mit!“ oder „Stukas“. Von Adolf Fischer kam die Idee für den Kurznamen „Defa“, aber an der Leitung der „Defa“ war er nicht mehr beteiligt.
Gebrochene Biographien hatten viele „Ufa“-Stars, die sich irgendwie mit dem Nazi-System zu arrangieren versuchten, ohne sich zu sehr in Richtung NSDAP oder Propagandaminister Josef Goebbels zu exponieren, was nicht allen gelang. Besonders tragisch und umstritten war beispielsweise die Rolle von Ferdinand Marian, Hauptdarsteller im antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß“. Während Marian sich vergeblich versuchte, sich dem Willen von Goebbels zu entziehen und an der Verachtung, die ihm wegen dieser Rolle entgegenschlug, Zeit seines Lebens litt, während der „Ufa“-Superstar Heinrich George wegen seiner Beteiligung an „Jud Süß“ keine Gnade von der sowjetischen Besatzungsmacht erfuhr, konnten Kameramann Bruno Mondi und Schnittmeister Wolfgang Schleif relativ unbehelligt bei der „Defa“ reüssieren, obwohl beide mit Veit Harlan nicht nur „Jud Süß“, sondern unter anderen auch den Durchhaltefilm „Kolberg“ gedreht hatten.

Der 17. Mai 1946 – Der Geburtstag der „Defa“

Zurück zum eigentlichen Geburtstag der „Defa“, dem 17. Mai 1946. An diesem Tag wurde während eines Festaktes in Potsdam-Babelsberg vom Leiter der politischen Abteilung der SMAD, Oberst Sergej Tjulpanow, die Lizenzurkunde für die Gründung der „Defa“ überreicht. Allerdings nicht auf dem Gelände der legendären Babelsberger Ufa-Studios, die dem deutschen Stumm- und Ton-Film Weltgeltung verschafften und wo Meisterwerke der Filmkunst produziert wurden, die bis heute in ihrer Ästhetik und handwerklichen Meisterschaft Generationen von Filmschaffenden inspirieren. Doch die berühmten Babelsberger Studios waren von der SMAD konfisziert worden und deshalb – abgesehen von Kriegsschäden – nicht für Filmarbeiten nutzbar.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekÜbergabe der Lizenzurkunde der SMAD für die DEFA am 17. Mai 1946 im Studiosaal der Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg. Von links nach rechts: Oberst Sergej Tulpanow, Hans Klering, Alfred Lindemann, Willy Schiller, Karl Hans Bergmann, Kurt Maetzig.
Übergabe der Lizenzurkunde für die DEFA - SNA
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Übergabe der Lizenzurkunde der SMAD für die DEFA am 17. Mai 1946 im Studiosaal der Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg. Von links nach rechts: Oberst Sergej Tulpanow, Hans Klering, Alfred Lindemann, Willy Schiller, Karl Hans Bergmann, Kurt Maetzig.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekOberst Sergej Tjulpanow, Leiter der Politischen Abteilung der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland), beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
Oberst Sergej Tjulpanow von der SMAD beim Festakt zur Gründung der DEFA - SNA
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Oberst Sergej Tjulpanow, Leiter der Politischen Abteilung der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland), beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekPaul Wandel, Leiter der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung und später erster Volksbildungsminister der DDR, beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
Paul Wandel während des Festaktes zur DEFA-Gründung - SNA
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Paul Wandel, Leiter der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung und später erster Volksbildungsminister der DDR, beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekHans Klering (Gründungsmitglied und einer der Direktoren der DEFA) beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
Hans Klering, Gründungsmitglied der DEFA während des Festaktes zur DEFA-Gründung - SNA
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Hans Klering (Gründungsmitglied und einer der Direktoren der DEFA) beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekWalter Paul (SED), Oberbürgermeister von Potsdam, beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
Walter Paul (SED), Oberbürgermeister von Potsdam, beim Festakt zur DEFA-Gründung - SNA
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Walter Paul (SED), Oberbürgermeister von Potsdam, beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekBlick in den Großen Saal der Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg während des Festaktes zur DEFA-Gründung am 17. Mai 1946. (am Rednerpult neben dem Klavier, Paul Wandel, Leiter der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung und später erster DDR-Volksbildungsminister)
Festakt zur DEFA-Gründung im Studio der Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg am 17. Mai 1946 - SNA
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Blick in den Großen Saal der Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg während des Festaktes zur DEFA-Gründung am 17. Mai 1946. (am Rednerpult neben dem Klavier, Paul Wandel, Leiter der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung und später erster DDR-Volksbildungsminister)
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekOberst Sergej Tjulpanow (links), Sowjetischer Kulturpolitiker und Chef der Informationsverwaltung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) und Major Alexander Dymschitz (Leiter der Kulturabteilung der SMAD) während des Festaktes zur Gründung der DEFA am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
Sergej Tjulpanow (links) und Alexander Dymschitz (Leiter der Kulturabteilung der SMAD) - SNA
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Oberst Sergej Tjulpanow (links), Sowjetischer Kulturpolitiker und Chef der Informationsverwaltung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) und Major Alexander Dymschitz (Leiter der Kulturabteilung der SMAD) während des Festaktes zur Gründung der DEFA am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekErnst Legal (Intendant der Deutschen Staatsoper und Regisseur am Deutschen Theater in Berlin) trägt sich ins Gästebuch zur DEFA-Gründung am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg ein.
Ernst Legal (Intendant der Deutschen Staatsoper und Regisseur am Deutschen Theater in Berlin) - SNA
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Ernst Legal (Intendant der Deutschen Staatsoper und Regisseur am Deutschen Theater in Berlin) trägt sich ins Gästebuch zur DEFA-Gründung am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg ein.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekDie Schauspielerin Agathe Poschmann im Gespräch mit Regisseur Kurt Maetzig während des Festaktes zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
Die Schauspielerin Agathe Poschmann im Gespräch mit Regisseur Kurt Maetzig - SNA
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Die Schauspielerin Agathe Poschmann im Gespräch mit Regisseur Kurt Maetzig während des Festaktes zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekDr. Marion Keller (Erfinderin des Titels "Der Augenzeuge" für die DEFA-Wochenschau) mit Kurt Maetzig und Hans Klering (Mitte), während des Festaktes zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
Dr. Marion Keller mit Kurt Maetzig und Hans Klering (Mitte) - SNA
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Dr. Marion Keller (Erfinderin des Titels "Der Augenzeuge" für die DEFA-Wochenschau) mit Kurt Maetzig und Hans Klering (Mitte), während des Festaktes zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
© Abraham Pisarek/Deutsche FotothekHildegard Knef an der Seite von Wolfgang Staudte (links) und Herbert Uhlich (Produzent), alle am ersten DEFA-Film "Die Mörder sind unter uns" beteiligt, beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
Hildegard Knef an der Seite von Regisseur Wolfgang Staudte (links) und Produzent Herbert Uhlich - SNA
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Hildegard Knef an der Seite von Wolfgang Staudte (links) und Herbert Uhlich (Produzent), alle am ersten DEFA-Film "Die Mörder sind unter uns" beteiligt, beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
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Übergabe der Lizenzurkunde der SMAD für die DEFA am 17. Mai 1946 im Studiosaal der Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg. Von links nach rechts: Oberst Sergej Tulpanow, Hans Klering, Alfred Lindemann, Willy Schiller, Karl Hans Bergmann, Kurt Maetzig.
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Oberst Sergej Tjulpanow, Leiter der Politischen Abteilung der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland), beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
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Paul Wandel, Leiter der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung und später erster Volksbildungsminister der DDR, beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
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Hans Klering (Gründungsmitglied und einer der Direktoren der DEFA) beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
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Walter Paul (SED), Oberbürgermeister von Potsdam, beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
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Blick in den Großen Saal der Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg während des Festaktes zur DEFA-Gründung am 17. Mai 1946. (am Rednerpult neben dem Klavier, Paul Wandel, Leiter der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung und später erster DDR-Volksbildungsminister)
7/11
Oberst Sergej Tjulpanow (links), Sowjetischer Kulturpolitiker und Chef der Informationsverwaltung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) und Major Alexander Dymschitz (Leiter der Kulturabteilung der SMAD) während des Festaktes zur Gründung der DEFA am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
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Ernst Legal (Intendant der Deutschen Staatsoper und Regisseur am Deutschen Theater in Berlin) trägt sich ins Gästebuch zur DEFA-Gründung am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg ein.
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Die Schauspielerin Agathe Poschmann im Gespräch mit Regisseur Kurt Maetzig während des Festaktes zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
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Dr. Marion Keller (Erfinderin des Titels "Der Augenzeuge" für die DEFA-Wochenschau) mit Kurt Maetzig und Hans Klering (Mitte), während des Festaktes zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
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Hildegard Knef an der Seite von Wolfgang Staudte (links) und Herbert Uhlich (Produzent), alle am ersten DEFA-Film "Die Mörder sind unter uns" beteiligt, beim Festakt zur Gründung der DEFA, am 17. Mai 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg.
Die „Defa“ wurde stattdessen auf dem Gelände der weithin unbekannten Althoff-Ateliers gegründet, deren frühere Produktionsstudios heute immer noch in der Wollestraße, direkt am Park Babelsberg gelegen, zu erkennen sind, weil die Dokumentarfilmabteilung der „Defa“ dort bis 1990 arbeitete. Da die Firma Althoff nicht zum Ufa-Konzern gehörte, wurden die Ateliers auch so gut wie gar nicht vom Krieg in Mitleidenschaft gezogen, waren also bei Kriegsende voll funktionstüchtig. Deshalb war das Studio auch das erste, das von der Sowjetischen Militäradministration – SMAD schon 1945 die Genehmigung für Filmproduktionen erhielt und unter anderem mit der Synchronisierung von sowjetischen Filmen begann. Schon am 16. März 1946, nur einen Tag nach Unterzeichnung eines Drehbuchvertrages, starteten dort dann die Dreharbeiten für den Wolfgang Staudte-Klassiker „Die Mörder sind unter uns“, mit der legendären Hildegard Knef in der Hauptrolle, der nicht nur zum ersten „Defa“-Film, sondern zum ersten deutschen Nachkriegsfilm überhaupt werden sollte.

Der lange und verschlungene Weg von GmbH über AG bis zum VEB

Lizenznehmer der „Defa“ waren uns schon bekannte Namen aus dem „Filmaktiv“, Hans Klering (der auch das markante Logo der Firma, einen stilisierten Filmstreifen entwarf), Alfred Lindemann, Willy Schiller und Kurt Maetzig, der zu einem der wichtigsten „Defa“-Regisseure überhaupt werden sollte. In den Kreis der Lizenznehmer kam Karl Hans Bergmann. Eine weitere der gebrochenen Biographien jener Tage.
KPD-Mitglied seit 1931, Regieassistent an der Volksbühne, Mitglied im antifaschistischen Widerstand, Mitherausgeber einer illegalen Zeitschrift, zwischen 1935 und 1939 in mehreren Gefängnissen und den KZ Dachau und Sachsenhausen inhaftiert. Den Krieg überstand er im Exil in der Schweiz. Zurück in Deutschland Engagement für eine neue deutsche, linke Kulturpolitik. Lizenznehmer der „Defa“ und ihr Vorstandsmitglied. Im Zusammenhang mit der sogenannten Noel-Field-Affäre entkam er 1949 einer der damaligen absurden Säuberungswellen durch Flucht nach Westberlin und war dort unter anderem bis 1968 Geschäftsführer der Freien Volksbühne. 2002 blickte er in seiner Autobiografie auf sein Leben zwischen 1931 und 1949 zurück, bevor er 2007 im Alter von 97 Jahren starb.
© Bundesarchiv/BArch DR 117/21821DEFA Handelsregisterauszug
DEFA Handelsregisterauszug - SNA, 1920, 19.05.2021
DEFA Handelsregisterauszug
Im August 1946 wird zunächst die Deutsche Film GmbH – „Defa“ ins Handelsregister eingetragen, Gesellschafter sind nur noch Alfred Lindemann, Karl Hans Bergmann und der am Anfang erwähnte Herbert Volkmann, Abteilungsleiter Kunst und Literatur der Zentralverwaltung für Volksbildung. Die drei sind aber nichts weiter als Treuhänder. Das Sagen haben die Sowjetische Besatzungsmacht und die SED über ihre Parteifirma Zentrag. Aus der GmbH wird eine AG, doch ganz schnell wieder eine GmbH, aus steuerrechtlichen Gründen. Die Anteile werden mehrfach hin- und herübertragen. Der Sitz wechselt von Berlin nach Potsdam und wieder zurück.
Die Sowjetunion zieht sich 1950 aus der AG zurück, bis dahin mussten alle Drehbücher durch die sowjetische Seite genehmigt werden. Die „Defa“ wird wieder eine GmbH, aber 1952 aufgelöst. Die „Defa“ ist ab 1953 ein volkseigener Betrieb. Konkurrenz braucht sie nicht zu fürchten, denn die SMAD hat nach der „Defa“-Lizenz keine weiteren derartigen Genehmigungen für Filmunternehmen erteilt und die vor der „Defa“ gegründeten unabhängigen Firmen wie „Artis“, „Film-Union“ oder „Phoenix“ werden schrittweise in die „Defa“ integriert. Am längsten hält sich die „Phoenix-Film“, die sogar in der Festschrift zum fünfjährigen Jubiläum der „Defa“ erwähnt wird.

Neben der „Defa“ existierte nur ein tatsächlich unabhängiges Studio in der DDR

Letztlich gibt es nur noch ein Unternehmen, dass tatsächlich rechtlich eigenständig neben der „Defa“ existiert, denn die eigenständigen Filmstudios von NVA, MfS, dem Werbekombinat Dewag oder von Kombinaten und Hochschulen sind an Ministerien angebunden. Nur das Studio der beiden Dokumentarfilmer Walter Heynowski und Gerhard Scheumann existiert als H & S OHG tatsächlich selbstständig und auf eigene Rechnung und wird erst 1982 aufgelöst und in die „Defa“ integriert.
Die hat inzwischen mehrere Abteilungen, für Spielfilm, Trickfilm, Dokumentarfilm, Synchronisation usw. Die „Defa“ machte zwischenzeitlich einen eigenen Vertrieb und eine eigene Zeitschrift auf, stellte beides aber wieder ein.
Sowjetische Verfilmungen von Tolkiens „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ - SNA, 1920, 06.04.2021
Sowjetische Verfilmungen von Tolkiens „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ aufgetaucht – Videos
1950 wird der Progress Film Verleih gegründet, durch Zusammenschluss der „Defa Film Distribution“ und der „Sovexportfilm“. 1955 wird der „Defa Außenhandel“ gegründet. Von nun an ist das Prozedere in der Theorie so: der „Defa Außenhandel“ kauft die „Defa“-Filme vom Progress Film Verleih mit zeitlich unbefristeten Weltvertriebsrechten an, um sie international weiterzuverkaufen. Umgekehrt kauft der „Defa Außenhandel“ auf dem Weltmarkt Filmproduktionen an und verkauft sie an den Progress Film Verleih zur weiteren Auswertung in der DDR. Wie gesagt, die Theorie, denn die Abteilung Spielfilm handelt immer wieder direkt mit dem "Defa Außenhandel", immer wieder sehr zum Mißfallen der Geschäftsleitung des Progress Film Verleih.

Die „Defa“ – Zwischen Mängeln und Gängeln

So entwickelte sich die „Defa“ schnell zu dem unangefochtenen Film-Monopol-Unternehmen in der DDR, das am Ende beinahe die Hälfte seiner Kapazitäten für das Fernsehen der DDR aufwenden muss, weil Kalkulationen ergaben, dass es viel zu teuer gewesen wäre, dem Fernsehen in Adlershof adäquate Studiokapazitäten zu beschaffen. Rund 600 Produktionen für das DDR-Fernsehen werden durch die „Defa“ hergestellt. Dem ewig chronischen Geld- und Ressourcenmangel konnte auch die „Defa“ nicht entfliehen, aber immer wieder gelangen dem Unternehmen international durchaus bedeutende Erfolge. So galt die Tonabteilung zeitweilig als international führend, das Trickfilmstudio war in den 70er Jahren, nach jahrelang immer wieder aufgeschobenen Modernisierungen für eine Weile das modernste in Europa.
Verbotene bzw. nicht aufgeführte Filme nach dem 11. Plenum des ZK der SED 1965

1. „Der Frühling braucht Zeit”, (1965) RE: Günter Stahnke, 26.11.1965. Wiederaufführung: 18.01.1990 im Berliner Filmtheater „International”

2. „Fräulein Schmetterling”, (1965/1966), Rohschnitt Abbruch, keine öffentliche Vorführung; RE: Kurt Barthel, BU: Christa u. Gerhard Wolf, KA: Hans - Jürgen Sasse, DA: Malania Jakubiskova, Christina Heiser, Lissy Tempelhof, Carola Braunbock

3. „Das Kaninchen bin ich”, (1965), zur Uraufführung zugelassen, dann zurückgezogen und verboten. Aufführung in der Akademie der Künste der DDR: 13.12.1989; PM: 08.03.1990 im Berliner Filmtheater „International”, RE: Kurt Maetzig, BU: Manfred Bieler, LV: n. d. Roman „Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich” v. Manfred Bieler, KA: Erich Gusko, DA: Angelika Waller, Alfred Müller, Ilse Voigt.

4. „Denk bloß nicht, ich heule”, (1964/1965), Testvorführungen, zahlreiche Änderungen, keine Zulassung, verboten. PM: 26.04.1990 im Berliner Filmtheater „International”; RE: Frank Vogel, BU: Manfred Freitag, Joachim Nestler, KA: Günter Ost, DA: Peter Reusse, Anne - Kathrein Kretzschmar, Helga Göring, Jutta Hoffmann.

5. „Karla”, (1965/1966), Abbruch, verboten. PM: rekonstruierte Fassung 14.06.1990, im Berliner Filmtheater „International”; RE: Herrmannn Zschoche, BU: Ulrich Plenzdorf, Herrmann Zschoche, KA: Günter Ost, DA: Jutta Hoffmann, Jürgen Hentsch, Hans Hardt - Hardtloff, Inge Keller.

6. „Jahrgang 45”, (1966), Rohschnittfassung abgebrochen, verboten, Uraufführung dieser Fassung Februar 1990, PM: 11.10.1990 im Berliner Filmtheater „Babylon”, RE: Jürgen Böttcher, BU: Klaus Poche, Jürgen Böttcher, KA: Roland Gräf, DA: Monika Hildebrand, Rolf Römer, Paul Eichbaum, Holger Mahlich, Gesine Rosenberg, Walter Stolp, Werner Kanitz.

7. „Wenn du groß bist, lieber Adam”, (1965), verboten, PM: 18.10.1990 im Berliner Filmtheater „Babylon”; RE: Egon Günther, BU: Helga Schütz, Egon Günther, KA: Helmut Grewald, DA: Stephan Jahnke, Gerry Wolf, Manfred Krug, Daisy Granados, Rolf Römer.

8. „Berlin um die Ecke”, (1965), Rohschnittfassung verboten, Uraufführung der Rohschnittfassung: 10.11.1987. PM: 10.05.1990 im Berliner Filmtheater „International”, RE: Gerhard Klein, BU: Wolfgang Kohlhaase, KA: Peter Krause, DA: Dieter Mann, Monika Gabriel, Kaspar Eichel, Erwin Geschonneck, Hans Hardt – Hardtloff.

ExpandierenMinimieren
Viel hinderlicher als materielle Nöte waren für die „Defa“ immer wieder staatliche Eingriffe, die aus ideologischen Gründen diverse Filmprojekte verhinderten, verzögerten oder nicht auf die Leinwand kommen ließen. Nach dem berühmt-berüchtigten 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 verschwanden 12 Filme der Produktionsjahrgänge 1965/66 in den Archiven und konnten erst nach dem Ende der DDR aufgeführt werden. Einige Regisseure erhielten de facto Berufsverbote. Viele große Namen kehrten über die Jahre der DDR den Rücken und schwächten damit die DDR-Filmkunst und –Filmindustrie. Die Namen sind bekannt, vor allem Schauspieler: Werner Peters, der Star aus „Der Untertan“, Ruth Maria Kubitschek, die später im bundesdeutschen Fernsehen große Karriere machte, Manfred Krug, der überragende Star in der DDR der 60er und 70er Jahre, Hilmar Thate und seine Lebensgefährtin Angelica Domröse, die zusammen mit ihrem Filmpartner aus „Paul und Paula“, Winfried Glatzeder, die DDR verließ, ein großer Verlust war auch die Ausreise von Armin-Müller Stahl, der in Hollywood eine Weltkarriere begründete, nicht zu vergessen Namen wie Eva- Maria Hagen, Jutta Hoffmann, Udo Schenk, Jurek Becker, Katharina Thalbach oder Sylvester Groth.

Die einzige „Oscar“-Nominierung für einen DDR-Film

Viele künstlerische und handwerkliche Leistungen der „Defa“-Beschäftigten galten trotz des hohen Anteils an ideologisch aufgeladenen und überladenen Stoffen international durchaus als anerkannt und gleichwertig, auch wenn nur eine einzige Oscar-Nominierung für einen „Defa“-Film verzeichnet werden konnte, 1977 „Jakob der Lügner“, in der Regie von Frank Beyer, nach dem Drehbuch von Jurek Becker. Allerdings erhielt Hauptdarsteller Vlastimil Brodsky auf der Berlinale den Silbernen Bären. Der Film war überhaupt der erste DDR-Film, der zum wichtigsten Publikumsfestival der Welt als offizieller Wettbewerbsbeitrag eingeladen worden war.
Oscar Statuette (Symbolbild) - SNA, 1920, 26.03.2021
Oscar-gekrönte deutsche Filme
Neben Frank Beyer waren es vor allem Namen wie Konrad Wolf, Wolfgang Kohlhaase, Ulrich Plenzdorf, Kurt Maetzig, Lothar Warneke oder Rainer Simon, die den internationalen Ruf der „Defa“ hochhielten. Nicht zu vergessen natürlich Wolfgang Staudte, den wir schon am Beginn erwähnten. Er hat nicht nur den ersten „Defa“-Film zu verantworten, sondern mit „Der Untertan“ und „Der kleine Muck“ zwei der wohl berühmtesten und bis heute verehrten „Defa“-Klassiker erschaffen, bevor auch er die DDR verließ. Bis heute hält sich die Geschichte, dass Staudte enttäuscht war, dass ihn sowohl die „Defa“ als auch die DDR-Staatsführung im Stich ließen, als Bertolt Brecht und Helene Weigel mit allen Mitteln die Verfilmung von „Mutter Courage“ nach den Vorstellungen Staudtes torpedierten, sodass das Projekt schließlich gestoppt wurde, obwohl die DDR für ihre Verhältnisse hohe Kosten auf sich nahm, um beispielsweise den französischen Filmstar Simone Signoret zu verpflichten.
Die „Defa“ hatte aus heutiger Sicht noch einen anderen Erfolg vorzuweisen. Ihre Indianerfilme werden von Filmkritikern in den USA gelobt, weil sie die nordamerikanischen Ureinwohner nicht als blutrünstige und gewalttätige Wilde darstellen, wie es lange Zeit in Hollywood üblich war.

Das Ende der DDR war auch das Ende der „Defa“

Letztlich ereilte aber auch die „Defa“ das gleiche Schicksal wie das Land, dass sie hervorgebracht hatte. Nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes wurde die Filmfirma durch die Treuhand rasch abgewickelt, 1992 an den französischen Mischkonzern Compagnie générale des eaux - CGE, die heutige Vivendi-Group verkauft und ging schließlich in der neuen Studio Babelsberg AG auf. Nicht so der Filmstock. Die letzte DDR-Regierung versuchte noch mit einer Defa-Stiftung den enormen Film-Schatz, der in Babelsberg lagerte, vor Privatisierung und Ausverkauf zu retten. Immerhin gehörten zur „Defa“ auch eine der größten Requisiten- und Kostümsammlungen weltweit, sowie das frühere Reichsfilmarchiv. Und das Archiv von Dokumentarfilmen, Wochenschauen und Filmen aus den Studios staatlicher Einrichtungen stellte nicht nur aus filmhistorischer Sicht eine Klasse für sich da, immerhin ist es ein seltener Glücksfall, dass das gesamte filmkünstlerische Schaffen eines untergegangenen Staates vollständig überliefert ist.
Doch schnell erwies sich, dass die letzte DDR-Regierung in der Eile juristisch ungenau gearbeitet hatte, die Stiftung nutzlos war und es Jahre dauerte, bis 1998 endlich eine neue, gemeinnützige Stiftung geschaffen werden konnte, die seither das Erbe der „Defa“ pflegt und verwaltet. Zusammen mit Firmen, die bei der Verwertung und wissenschaftlichen Auswertung des Filmschatzes helfen, wie etwa die Firmen Icestorm und Progress, das Filmarchiv des Bundesarchivs, die Deutsche Kinemathek oder die Murnau-Stiftung. Nicht zu vergessen natürlich der Filmpark Babelsberg, wo Besucher unter anderem die Originalkulisse des DEFA-Riesenerfolges "Der kleine Muck" besichtigen können. Und so lebt mit der „Defa-Stiftung“, deren Stiftungsvermögen der unveräußerliche Filmstock der „Defa“ ist, die DDR in einer Art und Weise weiter, wie es sicherlich viele nie erwartet hätten.
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