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Wie bringt man den „Spiegel“ dazu, seriös über Wissenschaft zu berichten?

© AP Photo / Joerg SarbachSpiegel-Standort in Hamburg (Archivbild)
Spiegel-Standort in Hamburg (Archivbild) - SNA, 1920, 18.05.2021
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Eine frühere „Spiegel“-Wissenschaftsressort-Leiterin fragt in einem Artikel , wie Politiker dazu gebracht werden könnten, auf seriöse Wissenschaftler zu hören. Das ist insofern anmaßend, als der „Spiegel“ im Februar bereits Experten in „gut“ und „schlecht“ einteilte. Neutrale Berichterstattung sieht anders aus, meint unser Kommentator.
Wer hat die Wahrheit gepachtet? Geht es nach dem „Spiegel“, dann haben dies anscheinend eine bestimmte Art von Wissenschaftlern: „seriöse Wissenschaftler“. Die Wissenschaftsredakteurin Rafaela von Bredow fragt nun in einem Artikel „Wie bringt man Politiker dazu, auf seriöse Wissenschaftler zu hören?“. Garniert wird diese „schöne“ Überschrift mit der Anmerkung „Zehntausende Coronatote hätten verhindert werden können“.
So unterstellt die ehemalige Leiterin des Spiegel-Wissenschaftsressorts (bis Mai 2020) der Politik, man höre anscheinend auf „unseriöse“ Wissenschaftler und nehme so viele Tote in Kauf. Die Stoßrichtung wird klar, wie so oft in den „linken“ Medien werden die zu schwachen und zu spät umgesetzten Anti-Corona-Maßnahmen kritisiert. Das System ließ sich schon länger beobachten: Je härter die geforderten Maßnahmen, umso „seriöser“ die Maßnahmen. Die Krönung der „Seriosität“ scheint insofern die konsequente Forderung nach der „No-Covid-Strategie“ zu sein.

Je härter die Maßnahmen, umso „seriöser“?

Besonders anmaßend wird der Ruf nach „seriösen Wissenschaftlern“ in Kombination mit einem „Spiegel“-Leitartikel aus dem Februar, in dem Experten zum Thema Corona anhand scheinbar willkürlich gewählter Zitate zu dem Thema bewertet wurden: „Wo lagen die Experten richtig – und wo falsch?“. Wer dort gut benotet wird, also „seriös“ zu sein scheint, und wer schlecht, lässt sich auch anhand der Formel: je lauter der Ruf nach harten Maßnahmen umso „seriöser“ vorhersagen. Brinkmann, Drosten, Meyer-Hermann: hui – Schrappe, Stöhr, Streeck: pfui. Um zu zeigen, wie seriös das Ansinnen dieser Hitliste ist, hier ein Ratespiel am Rande. Von wem ist folgendes Zitat?

„Nach all den Daten, die ich kenne, bin ich überzeugt davon, dass dieses Virus den Einzelbürger nicht so stark befassen muss wie zum Beispiel das Sars-Virus.“

Genau, Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, hat dies im Februar 2020 gesagt. Das ist auch legitim, damals hatte er noch nicht alle Infos. So funktioniert Wissenschaft, und niemand würde Herrn Drosten deswegen als „unseriös“ einstufen. Den ersten Platz in der Kategorie „Unseriösität“ würden „evidence addict“ (so die Twitter-Vorstellung) Rafaela von Bredow und ihre Kollegin Veronika Hackenbroch („committed to evidence based medicine“) womöglich dem Wirtschaftswissenschaftler Douglas W. Allen verleihen.
Lockdown in Deutschland (Symbolbild) - SNA, 1920, 27.04.2021
Wenig Nutzen, kolossale Schäden: Studie zweifelt Lockdown-Politik an
Der kanadische Professor für Wirtschaftswissenschaften hat nämlich errechnet, wieviel Lebenszeit Corona-Lockdowns retten und wieviel sie kosten. Er kam zu dem Ergebnis, dass die extremen Corona-Maßnahmen im besten Fall 3,6 Lebensjahre mehr kosten als sie retten, im schlimmsten Fall 282 Jahre. Das ist nämlich das Problem, wenn man seine evidenzbasierte Berichterstattung nur auf die Zahlenmodelle der Virologen, Physiker oder Informatiker basiert, die sich auf das Verhalten der Viren fokussieren. Die Senioren in den Altersheimen, welche im Lockdown vereinsamt sterben, die Kinder, welche im Homeschooling verfetten und deren Bewegungsdrang unterdrückt wird, oder die Selbstständigen, deren Existenz vernichtet wurde, werden dort nicht erwähnt. Sind alle die Pädiater, Psychologen und Soziologen, welche davor warnen, nicht „seriös“ genug?
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