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Eskalation in Nahost: „Es ist unser Konflikt“ – Historiker fordert Sanktionen gegen Israel

© SNA / Alexej Kudenko / Zur BilddatenbankIsraelische Flagge (Archiv)
Israelische Flagge (Archiv) - SNA, 1920, 18.05.2021
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Die derzeitige Eskalation der Gewalt zwischen Israel und der islamistischen Organisation Hamas sei auch ein europäischer Konflikt, sagt der Historiker und Nahostexperte Fritz Edlinger im SNA-Interview. Er beklagt die einseitige Unterstützung Israels durch Deutschland und führt dies auf ein „historisches Missverständnis“ zurück.
„Es gibt zwei Sichten: Für Israel ist Jerusalem die vereinigte unteilbare Hauptstadt Israels. Für die Palästinenser ist mit Deckung des Völkerrechts und sämtlicher UNO-Beschlüsse Ost-Jerusalem nach wie vor ein Bestandteil der sogenannten Zwei-Staaten-Lösung - die einzige Lösung, die völkerrechtlich fundiert ist“, sagt der österreichische Nahostexperte Fritz Edlinger im SNA-Interview.
Aus seiner Sicht sei die israelische Politik gewillt, mit Macht gegen das Völkerrecht, gegen den Willen des palästinensischen Volkes ihren Anspruch und ihre Sicht der Geschichte durchzusetzen.

Historisches Missverständnis?

Auf die Frage eines Journalisten in der Regierungspressekonferenz, wie die Bundesregierung die Zerstörung eines Gebäudes im Gaza-Streifen durch einen israelischen Angriff bewerte, in dem sich auch Büros von „Al Jazeera“ und der Nachrichtenagentur „AP“ befanden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag:
„Der Raketenbeschuss der Hamas muss aufhören. Das ist Terror, der darauf ausgerichtet ist, willkürlich Menschen zu töten. Wenn die israelische Luftabwehr nicht so viele Geschosse abfinge und wenn nicht so viele Geschosse schon auf dem Territorium von Gaza niedergingen, dann wäre die Zahl der Opfer in den israelischen Städten noch höher, und genau das ist ja auch die Absicht der Hamas. In dieser Situation steht die Bundesregierung zu Israel und zu seinem Recht, seine Bevölkerung zu schützen und sich selbst zu verteidigen.“
Steffen Seibert
Staatssekretär, Sprecher der Bundesregierung, am 17. Mai 2021
Die Bundesregierung stehe hinter dem Selbstverteidigungsrecht Israels und vertraue darauf, dass Israel hierbei mit Augenmaß und im Rahmen der Verhältnismäßigkeit agiere, so Seibert.
Kritik an der völkerrechtswidrigen Besatzung palästinensischer Gebiete blieb in dem Zusammenhang unerwähnt.
Hinter der einseitigen Kritik der deutschen Politik an den Angriffen der islamistischen Organisation Hamas auf Israel vermutet Edlinger ein „absolutes Missverständnis der Geschichte“.
„Dieses Problem ist ein Erbe der europäischen Geschichte. Dieses Problem ist in Wirklichkeit in Europa entstanden und zwar schon lange vor dem Holocaust und der Nazi-Barbarei. Das heißt, es ist unser Konflikt“, betont der Historiker.
Israelische Sicherheitskräfte nehmen einen Demonstranten während einer Demonstration fest, 18. Mai 2021 - SNA, 1920, 18.05.2021
Israelische Angriffe auf palästinensische Medien sind Kriegsverbrechen - Reporter ohne Grenzen
Dabei vermisst er die richtigen Konsequenzen aus der deutschen und österreichischen Geschichte: „Es sollte weltweit für Menschenrecht, Völkerrecht, Fairness eine Chance geben. Und nicht nur für jene, die jeweils die Mächtigen sind“, meint Edlinger mit Blick auf die „Zwei-Staaten-Lösung“, die von Israel seit Jahren ignoriert werde.
Die Europäer seien in der Frage „lendenlahm“, „weil sie natürlich wissen, dass sie an diesem ganzen Problem wesentlich mitschuldig und mitbeteiligt sind.“
„Wir haben einen bedeutenden Rucksack mit uns mitzuschleppen. Aber das ist ein Kapitel. Wir sind längst in einem weiteren Kapitel der Geschichte“, sagt der Generalsekretär der „Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“.

Sanktionen gegen Israel

Die „hilflosen Erklärungen der EU“, die seit Jahren abgegeben würden, seien nicht ausreichend. So fordert er, dass die internationale Gemeinschaft zu härteren Methoden greifen müsse – zum Beispiel Wirtschaftssanktionen.
„Bei bestimmten Leuten und Ländern überschlägt man sich mit den Sanktionen. Die haben noch nicht einmal etwas angestellt, und die Sanktionen sind schon da. Dann gibt es internationale Übeltäter. Die könne sich erlauben, was sie wollen und sie kriegen einen drohenden Zeigfinger. Darüber lachen die Leute in Israel, weil die genau wissen, sie kriegen jedes Jahr Milliarden von US-Dollars entweder staatlich oder von der US-Regierung oder von ihren Fundraising-Agenturen privat aus den USA“, beklagt der Nahostexperte.
Fritz Edlinger
Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen
Der Historiker und Publizist Fritz Edlinger ist im Jahr 1948 in Wien geboren (im Gründungsjahr des Staates Israel, wie er selbst unterstreicht). Er ist auch Generalsekretär der „Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“. Unter seiner Herausgeberschaft sind mehrere Bücher zum Thema erschienen: „Mit Pinsel und Spraydose gegen die Besatzung. Graffiti in Palästina“ (2016), „Syrien. Ein Land im Krieg“ (2015), „Der Nahe Osten brennt. Zwischen syrischem Bürgerkrieg und Weltkrieg“ (2016) sowie zuletzt 2020 das Buch „Krise am Golf – Hintergründe, Analysen, Berichte“.
Das Interview mit Fritz Edlinger zum Nachhören:
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