Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Ende der Minijobs, mehr Homeoffice und Weiterbildung – Expertenrat stellt Bericht vor

© CC0 / lukgehr / PixabayHomeoffice (Symbolbild)
Homeoffice (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.05.2021
Abonnieren
Mehr Homeoffice, ein Ende der Minijobs und ein deutlicher Akzent auf der Weiterbildung: Die neuen Vorschläge des Expertenrats für das Arbeitsministerium sorgen für Unmut bei den Arbeitgebern. Arbeitsminister Heil verteidigt die Pläne.
Die Kernforderungen des unabhängigen „Rats der Arbeitswelt“, der letztes Jahr vom Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eingesetzt wurde, sind unter anderem: Neue Regeln für mehr Homeoffice, Abschaffen der Minijobs, Aufwerten der Pflege und mehr Weiterbildung. In der Präsentation seines Berichts sprach sich Heil am Dienstag in Berlin dafür aus, Deutschland zur „Weiterbildungsrepublik“ zu machen.
„Wir werden in den 20er Jahren einen unglaublichen Umbruch am deutschen Arbeitsmarkt erleben.“ Denn nach der Covid-19-Pandemie bestehe aus seiner Sicht die Gefahr eines „tief gespaltenen Arbeitsmarkts“. „Bei den sozialen Dienstleistungsberufen wird die Nachfrage nach menschlicher Arbeit im Bereich Gesundheit, Bildung, Pflege massiv zunehmen.“ Viele Unternehmen würden dann händeringend Fachkräfte suchen - während viele anderen Menschen den Anschluss verlieren könnten, warnte er.

Reform der Arbeitswelt

In seinem Bericht stellte der Expertenrat fest, dass sich Wirtschaft und Gesellschaft noch im Griff der Corona-Pandemie befinde. Wie sich die Krise auf unterschiedliche Personengruppen auswirke, sei allerdings noch offen. Folgende Weichenstellungen seien aus Sicht der Experten notwendig:
So empfiehlt der Rat eine stufenweise Abschaffung der sogenannten Minijobs. „Denn die Hoffnung, dass die Minijobs, wie politisch erwartet, eine Brückenfunktion ausüben, hat sich nicht erfüllt“, so die Autoren des Berichts. Außerdem berge die geringfügige Beschäftigung das große Risiko, dass das Arbeitskräftepotenzial nicht adäquat ausgeschöpft und der Wettbewerb zwischen den Unternehmen im gewerblichen Bereich erheblich verzerrt werde.
Zudem verlangen die Experten neue Regeln für das Arbeiten aus dem Homeoffice: „Mobiles Arbeiten birgt die Gefahr einer wachsenden Entgrenzung zwischen Arbeitszeit und Freizeit“, heißt es in dem Bericht. Die Einhaltung von Regeln für die Arbeitszeit beuge Überlastung vor – dafür müsse die Arbeitszeit erfasst werden. „Das gilt selbstverständlich auch für mobile Arbeit oder Arbeit im Homeoffice“. Ein permanentes Arbeiten im Homeoffice soll dem Bericht zufolge aber pandemiebedingte Ausnahme bleiben.

„Weiterbildungsrepublik“

Zum „zentralen Prinzip“ der künftigen Arbeitswelt will Heil die Weiterbildungen und Umschulungen machen. Die Bundesrepublik müsse zu einer Weiterbildungsrepublik werden, betonte er.
So soll es auch dem Bericht zufolge mehr Ansprache und Aktivierung im Betrieb und individuelle Unterstützung für Weiterbildung geben. Es sollen Gruppen finanziell gefördert werden, die seltener durch Weiterbildung erreicht werden. Dabei nannte der Minister Geringqualifizierte und Beschäftigte kleiner Unternehmen. Auch die Altersgrenze im Bafög soll laut dem Rat für das Nachholen von Abschlüssen stark angehoben werden. Heil sprach sich zudem deutlich für staatlich geförderte Bildungszeiten aus. „Diese Bildungszeiten müssen in Deutschland so selbstverständlich werden wie die Elternzeit“, so der SPD-Politiker.
Staatlich geförderte Bildungszeiten sollten selbstbestimmte berufliche Neuanfänge und Branchenwechsel im Strukturwandel erleichtern. "Diese Bildungszeiten müssen in Deutschland so selbstverständlich werden wie die Elternzeit", sagte Heil. Wer den eigenen Job als Bankberaterin beispielsweise wegen der Automatisierung bedroht sehe, solle sich leicht etwa zu einer Gesundheitsberaterin weiterbilden können.
Weiterhin schlägt Heil eine neue Absicherung für Soloselbstständige mit tragfähigem Geschäftsmodell vor. Dies solle ein Sicherungsgeld unter dem Dach der Bundesagentur für Arbeit (BA) sein – vergleichbar der Arbeitslosenversicherung. Diese Leistung solle dann freiwillig, aber eigenständig sein.

Widerstand der Arbeitgeber

Laut der Deutschen Presse-Agentur (DPA) reagierte der Präsident des Arbeitgeberverbandes (BDA), Rainer Dulger, verärgert auf die Ergebnisse des Rats. „Sie werden Verständnis dafür haben, dass ich sie A nicht kommentieren möchte, sondern B auch für relativ wertlos halte“, bemängelte Dulger. So würde der Rat großen Regulierungsbedarf in Deutschland sehe – anders als der Arbeitgeberverband. Die Arbeitgebervertreter seien zu Recht aus dem Rat ausgetreten.
Heil beteuerte dagegen: „Vielleicht stört manchen Verband, dass wir diesmal nicht so viele Verbände dabeihatten, sondern eher Praktiker.“ BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter erklärte gegenüber der DPA, dass Unternehmen und Beschäftigte Freiheiten und Flexibilität einfordern. Den Gesetzgeber brauche es da nicht.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала