„Deutschlandjahre“ in den USA und Russland im Vergleich

© AP Photo / Michael ProbstDie Flagge der Bundesrepublik Deutschland (Symbolbild)
Die Flagge der Bundesrepublik Deutschland (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.05.2021
Die Bundesregierung führt regelmäßig sogenannte „Deutschlandjahre“ in verschiedenen Ländern durch, um das Image der Bundesrepublik im Ausland aufzupolieren. Gerade läuft das Deutschlandjahr in Russland. Von der finanziellen Unterstützung her stellt aber bisher das Deutschlandjahr 2018/2019 in den USA alles in den Schatten.
Die Linksfraktion im Bundestag hat eine sogenannte „Kleine Anfrage“ an die Bundesregierung gestellt zu dem Thema „Deutschlandjahre als Instrument friedlicher Kooperation“. Heraus kam, dass das Deutschlandjahr 2018/2019 in den USA um ein Vielfaches mehr gefördert wurde als entsprechende Projekte in anderen Ländern.

„Ein realistisches, modernes und facettenreiches Bild Deutschlands“

Die sogenannten Deutschlandjahre sind von diversen bilateralen Projekten im Partnerland geprägt, die der zivilen Verständigung, dem Austausch und letztlich dem Stärken der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen diesen Ländern dienen. In der Selbstbeschreibung der Bundesregierung heißt es:

„Mit Deutschlandjahren vermittelt die Bundesregierung gemeinsam mit zahlreichen Projektpartnern ein realistisches, modernes und facettenreiches Bild Deutschlands in den jeweiligen Partnerländern. Dabei werden relevante Themen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft, Bildung, Wissenschaft, Technologie und Lebensart aufgegriffen.“

In dem Antwortschreiben der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Linksfraktion, die SNA News exklusiv vorliegt, heißt es außerdem: „Sie orientieren sich geographisch und inhaltlich an den langfristigen Zielen und aktuellen Schwerpunkten der deutschen Außenpolitik.“
Der Rote Platz in Moskau - SNA, 1920, 15.03.2021
Woher rührt die wachsende Entfremdung zwischen Russen und Deutschen?

Ungleiche Förderung

Seit 2010 haben Deutschlandjahre in Vietnam, Japan, Indien, Russland, Brasilien, Mexiko und in den USA stattgefunden. Darüber hinaus veranstaltet die Bundesregierung sogenannte „Kreuzjahre“, in denen das Partnerland parallel zum Deutschlandjahr im Zuge der Gegenseitigkeit ein Projektjahr in Deutschland durchführt.
Aus der Antwort der Bundesregierung geht hervor, dass das Deutschlandjahr 2018/2019 in den USA durch die Bundesregierung mit insgesamt 21,3 Mio. Euro gefördert wurde. Damit war dies das umfangreichste Projekt dieser Art. 500 Partnerorganisationen waren an dem Projekt unter dem Motto „Wunderbar Together“ beteiligt. Das Deutschlandjahr USA 2018/2019 war mit 2800 Veranstaltungen (physisch und online) an 560 Orten und etwa zwei Millionen Teilnehmern sowie weit über neun Millionen Besuchern auf den digitalen Kanälen „ein großer Erfolg“, wie die Bundesregierung mitteilt. Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts „Pew Research Center“ erhöhte sich zum Ende der Kampagne der Anteil der Amerikaner, die das bilaterale Verhältnis positiv bewerteten, von 70 auf 75 Prozent.
Deutsche Unternehmen beteiligten sich über den Bundesverband der Deutschen Industrie außerdem insgesamt „mit einem niedrigen siebenstelligen Betrag“, also mit auf jeden Fall mehr als einer Millionen Euro am Deutschlandjahr USA 2018/2019.
Die Förderungen der Deutschlandjahre in anderen Ländern nehmen sich dagegen wie Peanuts aus:
Die Förderungen der Deutschlandjahre in anderen Ländern

Zeitraum________Zielland________Eingesetzte Bundesmittel

2010___________Vietnam______________0,6 Mio. Euro

2011____________Japan_______________0,3 Mio. Euro

2011/2012________Indien_______________4,6 Mio. Euro

2012/2013_______Russland_____________2,2 Mio. Euro

2013/2014_______Brasilien______________1,2 Mio. Euro

2016/2017________Mexiko______________2,3 Mio. Euro

2018/2019________USA_______________15,8 Mio. Euro*

2020/2021_______Russland_____________4,4 Mio. Euro

*Das Goethe-Institut stellte aus seiner institutionellen Förderung, die es aus Mitteln des Auswärtigen Amtes erhält, 2019 zusätzlich 5,3 Mio. Euro für das Gesamtvorhaben bereit, womit sich das Gesamtbudget für das Deutschlandjahr in den USA auf 21.3 Millionen Euro belief.

ExpandierenMinimieren

Russland wichtigstes Partnerland nach dem USA?

Zumindest für das aktuell stattfindende Deutschlandjahr in Russland hat die Bundesregierung mehr Mittel bereitgestellt, als für die meisten anderen Deutschlandjahre, wenn auch bedeutend weniger als für die Kampagne in den USA. Eine Intention ist hier sicher auch, trotz politischer Reibereien die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit zu stärken. Während die Veranstaltungen des Deutschlandjahres 2020/2021 bisher unter den Einschränkungen durch die Coronapandemie zu leiden hatten, ist für dieses Jahr noch einiges geplant. So wird am 19. Mai eine deutsch-russische Jugendkonferenz im Rahmen des Deutschlandjahres stattfinden. Darüber hinaus ist ein Jugendforum der Deutsch-Russischen Städtepartnerschaften in Kaluga (Russland) geplant mit dem Ziel, den Jugendaustausch auch im Rahmen von Städtepartnerschaften zu stärken und neue Projektpartnerschaften zu initiieren.
Die Bundesregierung hat auch entschieden, das Deutschlandjahr in Russland um viereinhalb Monate, bis November 2021, zu verlängern, um so die nachträgliche Umsetzung möglichst vieler Projekte zu ermöglichen.
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