Corona-Mutanten: Fünf Gründe, warum man sich nicht verrückt machen sollte

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Südafrika, Brasilien, Großbritannien, Indien: Besorgniserregende Varianten bilden sich allerorten und werden auch von der Wissenschaftsgemeinde aufmerksam verfolgt. Aber besorgniserregend heißt nicht, dass die Mutanten ein Grund zur Panik sind.
Seit Montag letzter Woche ist die indische Variante auf der Liste der „global besorgniserregenden Varianten“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zu dieser Liste gehören ebenfalls: die britische, die südafrikanische sowie die brasilianische Variante. Den Hintergrund bildet dabei die wahrscheinlich höhere Ansteckungsrate.
Doch das ist kein Grund, sich verrückt zu machen, betont das „MIT Technology Review“. Das Fachmedium führt dabei fünf Gründe an, warum bislang alles im grünen Bereich ist.

1. Impfstoffe wirken auch gegen schwierige Varianten

Als die südafrikanische Variante B.1.351 aufkam, gab es die Sorge, dass die gegenwärtigen Impfstoffe nicht gegen diese helfen könnten. Im Laborversuch konnten Antikörper von geimpften Personen tatsächlich nicht so gut die Variante neutralisieren. Daten zu Biontech-Impfungen aus Katar zeigen aber, dass auch gegen die südafrikanische Mutante ein Impfschutz von immerhin 75 Prozent besteht. Ähnliches gilt für die indische Variante B.1.617. Auch diese soll sich hartnäckiger gegen Antikörper verhalten. Allerdings soll, einer kleine vorab veröffentlichten Studie zufolge, auch gegen diese der Immunschutz ausreichen.

2. T-Zell-Antwort: Antikörper sind nicht alles!

Die Immunabwehr besteht nicht nur aus Antikörpern, die Virenpartikel davon abhalten, Zellen zu befallen. Daneben gibt es auch die T-Zell-Abwehr, die sich gegen infizierte Zellen im Körper richtet. Dadurch kann die Infektion in Schach gehalten und schwere Verlaufsformen abgefedert werden, bis die Antikörperproduktion wieder angelaufen ist. Daten von Personen, die Covid-19 überstanden haben, legen nahe, dass die T-Zell-Abwehr einen guten Schutz gegen die meisten Varianten bietent sollte.
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3. Impfung schützt bei Infektion gegen schwere Verläufe

Auch wenn die Impfung nicht vor einer Infektion durch eine Variante schützt, so senkt sie doch schwere Verläufe stark und damit auch Krankenhausaufenthalte und Todesfälle. Als Beispiel führt „MIT Technology Review“ die Impfung mit Johnson & Johnson an. Diese soll in Südafrika in einer Zeit, als die südafrikanische Variante dort bereits das dominierende Virus gewesen war, einen 85-prozentigen Schutz gegen schwere Verläufe geboten haben. In Israel soll der Biontech-Impfstoff sogar zu 97 Prozent gegen die zu dem Zeitpunkt dominierende britische Variante geschützt haben – kurioserweise sogar besser als gegen den Wildtypus, auf den die Impfung ausgerichtet war.

4. Es sind immer dieselben Mutationen

Bei seiner Vermehrung wird das Virus gelegentlich falsch kopiert – Mutanten entstehen. Nur in seltenen Fällen sind diese besser für weitere Infektionen gewappnet als das ursprüngliche Virus. Im Fall des Corona-Virus gibt es einige wenige Mutationen, die ihm Vorteile bei der Infektion oder der Umgehung des Immunsystems verleihen. Es sind bezeichnenderweise immer wieder dieselben Mutationen, die an verschiedenen Orten auf der Welt, unabhängig voneinander entstehen. Das gibt Anlass zu der Hoffnung, dass die Möglichkeiten des Virus beschränkt sind. Allerdings der Virologe Kartik Chandran gegenüber „MIT Technology Review“, dass die gegenwärtige Situation in Indien dem Virus großen Mutationsspielraum bietet und es dort zu einem unerwarteten „evolutionären Jackpot“ kommen könnte, bei dem eine seltene Mutation auftritt, die besorgniserregender sein wird.
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5. Impfstoffe können „nachgebessert“ werden

Wenn die Impfstoffe mit der Zeit an Wirksamkeit verlieren sollten, besteht die Möglichkeit, Nachimpfungen zu entwickeln. Moderna etwa hat bereits eine solche Nachimpfung gegen die Südafrika-Variante in der zweiten Phase einer klinischen Studie erprobt.
Diese ersten Ergebnisse sind auch beruhigend, da es zu keiner „Antigen-Erbsünde“ zu kommen scheint. Bei diesem Phänomen richtet sich eine Immunantwort auch bei einem veränderten Erreger gegen die Bestandteile, die bereits aus einer früheren Infektion bekannt sind und nicht gegen die mutierten, eventuell deutlich gefährlicheren Stellen. Da bei einer Nachimpfung das Immunsystem ein verändertes Spike-Protein vorfindet, hätte es auch bei der Nachimpfung zu einer solchen „Antigen-Erbsünde“ kommen können.
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