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„Langzeit-Strategien der USA“: Herrschaft über Eurasien

© SNA / Igor MichaljowWeißes Haus in Washington (Archivbild)
Weißes Haus in Washington (Archivbild) - SNA, 1920, 15.05.2021
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Die Konfrontation zwischen Washington und Moskau folgt alten geostrategischen Interessen, die noch aus dem britischen Weltreich stammen. Das sagt der Publizist Wolfgang Bittner im SNA-Interview. Die Geopolitik der USA ist jahrhundertealt und soll Russland bis heute international einkreisen und isolieren.
„Den Begriff 'Langzeit-Strategie der USA' habe ich geprägt. Sie unterhalten schon seit langem die stärkste Armee der Welt und können deswegen überall auf dem Globus intervenieren. Nach Auffassung der US-Machteliten sind sie dazu berufen, die Welt zu beherrschen. Und dieser Hybris folgte auch die Politik des immer mit einem gewinnenden Lächeln daherkommenden US-Präsidenten Barack Obama, mit dem sich auch Angela Merkel befreundet fühlte.“
Das sagte der Publizist und Russland-Experte Wolfgang Bittner im Gespräch mit der SNA-Redaktion zu seinem Buch „Der neue West-Ost-Konflikt“. Darin beleuchtet er in mehreren Kapiteln langfristige Strategien Washingtons.

„Führung und Anpackmentalität“

Auch der aktuelle Amtsinhaber Joe Biden verfolge eine solche US-Außenpolitik, sagte Bittner. Obama drückte sich im Jahre 2016 – damals war Biden noch Vize-Präsident im Weißen Haus – in einem Interview sinngemäß so aus: „Wir müssen hin und wieder Ländern den Arm umdrehen, wenn sie nicht das machen, was wir von ihnen verlangen.“ Darunter verstehe Washington die US-amerikanische „Führung und Anpackmentalität“. Laut dem früheren Präsidenten seien die Vereinigten Staaten militärisch gesehen „exzeptionell und unangreifbar“, das heißt, weltweit außergewöhnlich und einzigartig.
US-Präsident Joe Biden - SNA, 1920, 05.05.2021
US-Präsident Biden in den Fängen des „Tiefen Staates“?

„Monroe-Doktrin“: Weltmacht Nummer eins

„Diese Mentalität“, so Bittner weiter, „zeigte sich schon in den Indianer-Kriegen und dann 1823, als Präsident James Monroe die Hand auf Mittel- und Südamerika legte. Das war damals die sogenannte ‚Monroe-Doktrin‘. Und 1904 ermächtige Theodore Roosevelt die USA pauschal zur Ausübung einer internationalen Polizeigewalt, zur kompromisslosen Durchsetzung wirtschaftlicher und strategischer Interessen.“
Hinzu kam Woodrow Wilson, als er 1907 sagte, „dem US-Handel verschlossene Türen anderer Länder müssten eingetreten werden, selbst wenn dabei die Souveränität der widerspenstigen Nationen verletzt würde“.
Das Ziel, „Weltmacht Nummer eins zu sein, erreichten die USA wohl endgültig nach dem Zweiten Weltkrieg unter Harry S. Truman“, fuhr Bittner fort. In jener Zeit fielen die ersten US-Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki auf den schon besiegten Kriegsgegner Japan. „Damit knüpften die USA an strategische Überlegungen aus Großbritannien an.“
Passanten vor einem Stück der Berliner Maier (Archivbild) - SNA, 1920, 08.05.2021
Neuer Kalter Krieg: „Jahrhundert-Fehler westlicher Politik“

„Herzland“-Geostrategie: Russland in der Mitte

Im Jahre 1904, als Roosevelt die Vereinigten Staaten zur internationalen „Polizei“ formte, hielt der britische Geograf Halford Mackkinder vor der Königlichen Geografischen Gesellschaft (Royal Society) in London eine mittlerweile weltbekannte Rede. Darin entwickelte er die sogenannte „Herzland“-Geostrategie.
Nach dieser befindet sich der Drehpunkt der Welt in Asien, Europa und Afrika. Russland liegt dabei als Herz im Zentrum. Wer diese Kontinental-Platte beherrscht, beherrscht damit die ganze Welt. Dies sei das „Schachbrett der globalen Vorherrschaft. Und das merken wir ja zurzeit ganz deutlich, dass die USA alles unternehmen, um ihre Stellung ‚Weltmacht-Nummer-Eins‘ zu behalten. Russland soll international isoliert werden“, so der Publizist weiter.
CDU-Spitzenpolitiker Willy Wimmer beschreibt das auch in seinem Buch „Der Schlüssel zur Weltherrschaft: Die Heartland-Theorie mit einem Lagebericht“ (Westend Verlag). Wimmer kritisierte 2019 in einem Gespräch mit der Redaktion historische Militär-Strategien aus Großbritannien in Hinblick auf aktuelle Krisenherde dieser Erde. Denn bis heute spiele in London, Washington und der Nato-Allianz das britische „Heartland“-Strategiekonzept eine entscheidende Rolle, ist Wimmers überzeugt.
„Diese Idee hat später Brzezinski in seinem Buch 'Die einzige Weltmacht' von 1997 wieder aufgegriffen“, fügte Bittner hinzu. „Darin vertritt er die Auffassung, die USA müssten das Aufkommen einer dominierenden gegnerischen Macht auf dem eurasischen Kontinent verhindern, um ihre Vormachtstellung zu behalten.“
Der US-Politikberater und „Anti-Russland-Stratege“ Zbigniew Brzezinski beriet im Weißen Haus mehrere US-Präsidenten, darunter Jimmy Carter.
Russischen und Amerikanische Flaggen  - SNA, 1920, 03.05.2021
„An den Grenzen Russlands fliegen Atom-Bomber der USA“ – Autor Bittner zum „Brandherd Ost-Ukraine“

Russland einkreisen

Bis zum heutigen Tage verfolge die US-geführte Nato auf diesen Grundlagen strategische Interessen in Osteuropa – auch unter dem Stichwort „Intermarium“, das etwa osteuropäische Länder wie Polen, Litauen und Estland umfasst.
„Die Nato hat einen eisernen Riegel vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee errichtet. Damit soll Russland von Westeuropa abgeschnitten werden“, fügte der Autor hinzu.
„Seit einigen Jahren versuchen die USA mit Hilfe der Anrainerstaaten Russlands die sogenannte ‚Drei-Meere-Initiative‘, auch genannt ‚Intermarium‘, wiederzubeleben. Das war ursprünglich ein Großmacht-Projekt des polnischen Marschalls Józef Piłsudski, der 1919 bis 1921 einen Angriffskrieg gegen die damalige Sowjetunion und andere europäische Länder geführt hat. Das ist heute vergessen. Vor allem bei deutschen Politikern.“
Der Jurist warnte vor diesem Hintergrund vor einer heutigen Spaltung der Europäischen Union (EU) und einem neuen heißen Krieg des Westens gegen Moskau, ausgelöst durch US-Langzeitstrategien.
Wolfgang Bittner: „Der neue West-Ost-Konflikt“, Verlag „Zeitgeist“, Höhr-Grenzhausen, 2. Auflage, November 2019, 320 Seiten, 19,90 Euro. Das Buch ist im Handel oder direkt beim Verlag erhältlich.
Das gesamte Radio-Interview mit Dr. Wolfgang Bittner zum Nachhören:
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