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„Zu wenig Geld, zu viele Impfungen“ – Hausärzte kritisieren den Bund

© REUTERS / ANDREAS GEBERTImpfung in Deutschland (Symbolbild)
Impfung in Deutschland (Symbolbild) - SNA, 1920, 14.05.2021
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Je Patient und Spritze erhalten Hausärzte für eine Impfung gegen das Coronavirus Sars-Cov-2 pauschal 20 Euro. „Diese Vergütung ist zu gering“, kritisieren Ärzte aus Süddeutschland und Berlin. SNA entdeckt bei der Recherche ein kompliziertes Abrechnungsverfahren. Beim Bundesgesundheitsministerium war bis Redaktionsschluss niemand erreichbar.
In Baden-Württemberg kritisieren Hausärztinnen und Hausärzte „das Honorar für Impfungen gegen Covid-19. Seit Anfang April dürfen sie in ihren Praxen gegen das Coronavirus impfen. 20 Euro können sie dafür bei der Kassenärztlichen Vereinigung pro Patient und Spritze abrechnen.“ So ein Bericht des Südwestrundfunks (SWR) vom Freitag.
Die Hausärzte „halten das für zu wenig, weil damit nicht unbedingt die Kosten für die Mitarbeiter und die Praxisräume gedeckt werden könnten.“ Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg und das Stuttgarter Sozialministerium wissen demnach, „dass die Hausärzte unzufrieden sind.“
Zudem würden durch die aktuelle Lage Mitarbeiter in den Praxen gebunden, „wenn zum Beispiel vereinbarte Termine verschoben werden müssten, weil weniger Impfstoff geliefert wird als geplant.“

Erst der Stich, dann viel Bürokratie

Ein Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sagte am Freitag gegenüber SNA:

„Hausärzte erhalten für jede Corona-Schutzimpfung 20 Euro Vergütung. Dies ist in der Impfverordnung des Bundes geregelt.“

Jene „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus Sars-Cov-2“ vom 10. März besagt im Wortlaut folgendes. „Die Vergütung der nach § 6 Absatz 1 Satz 1 beauftragten Arztpraxen für die Leistungen nach § 1 Absatz 4 beträgt je Anspruchsberechtigten und je Impfung 20 Euro.“
Sie regelt auch die dazugehörige Abrechnung. Der KBV-Sprecher erklärte den bürokratischen Ablauf für Arztpraxen nach dem „Pieks“ mit einem Corona-Impfstoff:
„Nach der Impfung rechnen die Ärzte ab und reichen diese Abrechnung bei ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung ein.“
Hinzu käme eine Vereinbarung zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen und den jeweiligen Krankenkassen. Diese regele alles Weitere. Demnach können sich die Krankenkassen letztlich das den Hausärzten ausgezahlte Geld vom Bund „wieder zurückholen“.
Impfpass (Symbolbild) - SNA, 1920, 14.05.2021
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„Bund ist zuständig“

Das baden-württembergische Sozialministerium erklärte gegenüber SWR, „der Adressat für diese Beschwerden der Ärzte müsse der Bund sein, der die Vergütung der Impfungen durch die niedergelassenen Praxen und in der gleichen Höhe für die Betriebsärzte in der Corona-Impfverordnung festgelegt habe“. Der Bund habe dafür vorerst bis zu 1,5 Milliarden Euro eingeplant.
Bereits Ende April beschwerte sich ein Berliner Arzt mit einer Gemeinschaftspraxis im Raum Mitte und Prenzlauer Berg in einem Zeitungsinterview über das geringe „Impf-Honorar“:
„Finanziell lohnt sich das Impfen für uns nicht: Wir bekommen pro Impfung 20 Euro“, kritisierte der Mediziner gegenüber der „B.Z.“
Das große Problem in seiner Praxis sei, „dass sie nicht planen können, weil sie erst montags wüssten, welchen und wie viel Impfstoff sie für die Woche bekämen.

„Der organisatorische Aufwand ist viel höher: Wir müssen ständig umorganisieren, den Patienten die Verunsicherung nehmen und die Impf-Priorisierung diskutieren. Das bringt uns an den Rand unserer Kapazitäten.”

Corona-Impfung in Russland - SNA, 1920, 10.05.2021
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Deutschlandweit nur neun Prozent der Menschen voll geimpft

Die Situation in den bundesweit neu entstandenen Impfzentren ist laut Medienberichte eine andere, was Abrechnung und Impfstoff-Beschaffung angeht. Demnach hätten in Baden-Württemberg über zehn Prozent der dortigen Bevölkerung bereits beide Corona-Schutzimpfungen erhalten.
In ganz Deutschland liege diese Zahl bisher bei etwa 10,6 Prozent. In Berlin sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) momentan etwa neun Prozent der Bevölkerung voll geimpft.
Der SNA-Korrespondent musste sich in seiner Recherche durch mehrere Hotlines und Pressestellen telefonieren, wurde von Krankenkasse zu Krankenkasse geschickt. Bis Redaktionsschluss dieses Artikels konnte telefonisch beim Bundesministerium für Gesundheit kein Ansprechpartner erreicht werden.
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