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WHO-Experten üben schonungslose Kritik am Umgang mit Corona

© REUTERS / ALESSIA COCCAImpfstelle in Berlin
Impfstelle in Berlin  - SNA, 1920, 12.05.2021
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Experten der „Unabhängigen Kommission für Vorbereitung und Reaktion auf Pandemien“ kritisieren heftig den Umgang mit Corona: Die Weltgesundheitsorganisation, aber auch viele Staatsregierungen seien viel zu langsam gewesen, als es darum ging, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Sie zeigen zudem, was künftig verbessert werden muss.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe im vergangenen Jahr zu langsam auf erste Alarmzeichen einer möglichen Gesundheitsbedrohung reagiert. Zu diesem Schluss kommen Experten der „Unabhängigen Kommission für Vorbereitung und Reaktion auf Pandemien“ (Englische Bezeichnung: The Independent Panel for Pandemic Preparedness and Response – Anm. d. Red.), eines Gremiums, das von der WHO ins Leben gerufen wurde. In ihrem Bericht, der am Mittwoch in Genf vorgestellt wurde, kommen aber auch Regierungen vieler Staaten nicht gut weg. So hätten viele Länder den Monat Februar 2020 nicht genutzt, um Vorkehrungen gegen die Ausbreitung des Virus Sars-Cov-2 zu treffen, die eine internationale Gesundheits- und Wirtschaftskrise ausgelöst hat.
„Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass das System, wie es zurzeit besteht, nicht dazu geeignet ist zu verhindern, dass sich mit einem neuen und hochansteckenden Erreger, der jeden Augenblick auftauchen könnte, eine Pandemie entwickelt“, schreiben die Autoren des Berichts.
Ende Dezember 2019 hatte China bereits über die Häufung einer unbekannten Lungenkrankheit in Wuhan berichtet. Die WHO erklärte aber erst am 30. Januar eine „Notlage von internationaler Tragweite“, die höchstmögliche Alarmstufe, die Länder verpflichtet, Vorkehrungen zu treffen. Von einer Pandemie sprach die WHO aber erst am 11. März. Doch das Ausrufen einer Pandemie sei rückblickend ein psychologisch notwendiger Schub gewesen, um Regierungen in Alarmbereitschaft zu versetzen.
„Zu viele Länder, darunter einige der reichsten, haben die aufkommende Wissenschaft abgewertet, die Schwere der Krankheit geleugnet, ihre Reaktion verzögert und schließlich Misstrauen unter den Bürgern mit tödlichen Folgen hervorgerufen“, sagte die Leiterin der Kommission und Ex-Regierungschefin Neuseelands, Helen Clark.

Verbesserungsvorschläge

Die Experten stellen drei Forderungen auf, um die bereits laufende Pandemie schneller und schärfer zu bekämpfen: Reiche Länder mit genügend Impfstoff sollen bis September zusammen eine Milliarde Impfdosen für 92 ärmere Länder zur Verfügung stellen. Pharmafirmen sollen freiwillig mehr Lizenzen zur Impfstoffherstellung vergeben. Wenn die Produktion damit in den nächsten drei Monaten nicht angekurbelt wird, sollen die Patente unmittelbar aufgehoben werden. Außerdem sollen die G7-Staaten sofort 60 Prozent der fehlenden 19 Milliarden Dollar für das Programm „Accelerator“ (ATC) bereitstellen, das die Erforschung und globale Verteilung von Impfstoffen, Medikamenten und Tests organisieren soll.
Die WHO-Mitgliedsländer hatten die Expertenkommission 2020 unter Leitung von Clark und der Ex-Premierministerin Liberia Ellen Johnson Sirleaf einberufen. Das Gremium sollte Erfahrungen aus dem Umgang mit der Pandemie zusammentragen und Vorschläge für Verbesserungen machen.
Um auf neue Pandemien besser vorbereitet zu sein, schlägt die Kommission unter anderem einen Rat für Globale Gesundheitsbedrohungen vor. Mitglieder sollen Staats- und Regierungschefs sein, die das Thema Pandemievorbereitung im weltweiten Fokus halten. Ein neues globales Überwachungssystem von Krankheiten soll der WHO die Möglichkeit geben, bei Bedarf sofort und ohne Rücksprache mit betroffenen Ländern Alarm zu schlagen. Statt bei der Erforschung etwa von Impfstoffen und Medikamenten auf Marktkräfte zu vertrauen sei ein Programm notwendig, das globale öffentliche Güter schafft, zu denen alle Länder Zugang haben. Schließlich schlägt die Kommission einen Pandemie-Fonds vor, der pro Jahr fünf bis zehn Milliarden Dollar (bis 8,2 Milliarden Euro) einsammelt, um Vorkehrungen gegen eine neue Pandemie zu finanzieren.
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