„Äußerst befremdlich“: Jüdische Gemeinden kritisieren Luisa Neubauer nach Maaßen-Vorwurf

© AFP 2022 / JOHN MACDOUGALLDie deutsche Klimaaktivistin der Bewegung "Freitags für die Zukunft" Luisa Neubauer hält während einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin am 25. September 2020 ein Mikrofon nach vorne.
Die deutsche Klimaaktivistin der Bewegung Freitags für die Zukunft Luisa Neubauer hält während einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin am 25. September 2020 ein Mikrofon nach vorne. - SNA, 1920, 11.05.2021
Nach dem Antisemtismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, bemängeln nun auch die jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen die Behauptung der Klimaaktivistin Luisa Neubauer bei „Anne Will“, der Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen (CDU) verbreite antisemitische Inhalte von Dritten.
„Es ist äußerst befremdlich, wie der Vorwurf des Antisemitismus hier strategisch eingesetzt wird“, zitiert das ZDF-Landesstudio in Düsseldorf einen örtlichen Gemeindevertreter. „Als jüdische Gemeinschaft erwarten wir von der Politik, dass Antisemitismus entschieden und mit allen Mitteln des demokratischen Rechtsstaates bekämpft wird.“ Wer Antisemitismus nutze, um im Wahlkampf zu punkten, verhöhne dessen tägliche Opfer, so der Vertreter.
Die 25-jährige Neubauer ist Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und Grüne Jugend und ist vor allem als deutsche Sprecherin der klimapolitischen Bewegung „Fridays for Future“ bekannt. Mit ihrer Äußerung in Richtung von Maaßen, der neulich als Bundestagskandidat für die CDU in Südthüringen nominiert wurde, löste sie aber seit Sonntagabend eine breite Debatte um den angeblichen Antisemitismus von Maaßen aus. Belege für ihre Behauptung hat sie dabei nicht geliefert. Maaßen selbst wies die Vorwürfe als haltlos zurück.

„Antisemitismus-Vorwurf ist ein scharfes Schwert“

Zu dem Vorfall hatte sich zuvor ebenfalls der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein geäußert und Neubauer vor pauschalen Vorwürfen der Judenfeindlichkeit gewarnt. „Der Antisemitismus-Vorwurf ist ein scharfes Schwert und erfordert klare und eindeutige Belege“, sagte Klein der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Wer diesen Vorwurf anführe, sollte sich seiner Verantwortung für die deutsche Geschichte bewusst sein, so Klein.
Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer und die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg sprechen am Rande ihrer Gespräche mit der deutschen Bundeskanzlerin in Berlin, den 20. August 2020. - SNA, 1920, 11.05.2021
Nach Antisemitismus-Debatte um Maaßen: Greta Thunberg „antiisraelischer“ Beiträge überführt
In den sozialen Netzwerken wird jedoch weitgehend thematisiert, inwiefern Menschen mit rechter bis rechtsradikaler Gesinnung die alle aktuellen antisemitischen Codes der Szene kennen. Maaßen, dem seit den Ereignissen in Chemnitz im September 2018 Nähe zu extrem rechten Ideologien vorgeworfen wird, soll diese Codes als ehemaliger verfassungsschutzchef kennen, meint etwa die bekannte deutsch-ukrainische Publizistin Marina Weisband auf Twitter. Darauf wird etwa entgegengehalten, dass die Nutzung von bestimmten Wörtern wie „Globalismus“ nicht unbedingt antisemitisch konnotiert werde.
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