Nach Tötung von irakischem Aktivisten: Protestierende setzen iranisches Konsulat in Brand

© AFP 2022 / MOHAMMED SAWAFDie Beerdigung des getöteten irakischen Aktivisten Ihab Jauad al-Wasni in Kerbela
Die Beerdigung des getöteten irakischen Aktivisten Ihab Jauad al-Wasni in Kerbela  - SNA, 1920, 10.05.2021
Wütende Demonstranten haben in der irakischen Stadt Kerbela das iranische Konsulat zu stürmen versucht und dabei mehrere Kontrollposten in Brand gesetzt. Dies berichtet die Deutsche Presse-Agentur.
Sicherheitskräfte setzten laut Augenzeugen scharfe Munition ein, um die Demonstranten am Sonntagabend auseinanderzutreiben. Mindestens zehn Menschen seien verletzt worden. In sozialen Medien war auf Videos zu sehen, wie Teile des Eingangsbereichs der diplomatischen Vertretung in Flammen stehen. Eine Stellungnahme von Behördenseite zu dem Angriff gab es am Sonntag zunächst nicht.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP versammelten sich Dutzende von Demonstranten am Sonntagabend vor dem iranischen Konsulat, verbrannten Reifen vor dem Gebäude und setzten mehrere dem iranischen Konsulat gehörende Anhänger in Brand, die vor dem Gebäude geparkt waren.
Hintergrund der Proteste ist die Tötung des bekannten irakischen Aktivisten Ihab Jauad al-Wasni, der sich aktiv an der Organisation von Anti-Regierungs-Protesten 2019 beteiligt hatte. Nach Angaben der Sicherheitskreise wurde der Aktivist in der Nacht zum Sonntag vor seinem Haus in Kerbela erschossen. Der Tod des Aktivisten löste tagelange Proteste in Kerbela aus: Die Demonstranten zündeten Autoreifen an und blockierten Straßen und Brücken.
Schon zuvor hatte es eine Reihe von Angriffen auf Aktivisten im Irak gegeben, für die Demonstranten treu zum Iran haltende Milizen im Land verantwortlich machen.
Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi sagte in einer Kabinettssitzung, die Verantwortlichen würden dem „Griff der Gerechtigkeit“ nicht entkommen. „Wir werden die Mörder verfolgen“, versprach Al-Kasimi laut einem Bericht der Staatsagentur INA.
Die US-Botschaft in Bagdad verurteilte den Mord an Al-Wasni aufs Schärfste. In einer Twitter-Mitteilung äußerte sie Beileid mit den Angehörigen des Aktivisten und ihre Solidarität mit all denen, die „eine friedliche und blühende Zukunft für den Irak anstreben“. Auch der britische Botschafter im Irak, Stephen Hickey, verurteilte die Tötung und forderte die Behörden des Landes auf, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Proteste im Irak

Seit Oktober 2019 kommt es im Irak immer wieder zu Protesten mit teils gewaltsamen Zusammenstößen. Die Demonstranten fordern dabei immer wieder eine umfassende Reform des politischen Systems und ein Ende der grassierenden Korruption. Widerstand kommt dabei unter anderem von den pro-iranischen Milizen im Land.
Flagge des Irak - SNA, 1920, 02.05.2021
Hunderte protestieren im Irak gegen hohe Arbeitslosigkeit
Seit Beginn der Proteste wurden mehrfach Aktivisten und prominente Figuren getötet, darunter die Menschenrechtlerin Riham Jakub und der anerkannte Historiker und Terrorismusexperte Hischam al-Haschimi. Im Juli entführten Unbekannte zudem die deutsche Kuratorin und Kulturvermittlerin Hella Mewis in Bagdad, die einige Tage später befreit wurde. Al-Wasni war eine treibende Kraft bei den Protesten und hatte laut dem Nachrichtenkanal Al-Arabija im Dezember 2019 ein Attentat überlebt.
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