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Neuer Kalter Krieg: „Jahrhundert-Fehler westlicher Politik“

© SNA / Alexej WitwizkijPassanten vor einem Stück der Berliner Maier (Archivbild)
Passanten vor einem Stück der Berliner Maier (Archivbild) - SNA, 1920, 08.05.2021
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Das Buch „Der Neue West-Ost-Konflikt“ von dem Russland-Experten und Publizisten Wolfgang Bittner ist zwei Jahre alt, aber weiterhin hochaktuell. Darin beleuchtet der Autor die Neuauflage des Kalten Krieges: die Konfrontation seitens des Westens durch die Nato gegenüber Moskau. Im SNA-Gespräch erklärt er die Hintergründe.
„Mein Buch heißt ‚Der neue West-Ost-Konflikt: Inszenierung einer Krise‘“, sagte der Schriftsteller und Publizist Wolfgang Bittner im SNA-Interview. „Diese Umkehrung habe ich vorgenommen, weil die Aggression ja vom Westen ausgeht. Und nicht vom Osten.“ Er glaubt, die Welt befinde sich schon längst in einem neuen Kalten Krieg.
Dies hätte jedoch nicht so kommen müssen. Wie auch andere Experten und Beobachter weist der Autor darauf hin, dass Russland und Präsident Wladimir Putin den westlichen Staaten, allen voran Deutschland, immer wieder die Hand gereicht habe. „Er wurde immer wieder abgewiesen, vor allem durch Angela Merkel.“
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Die scheidende Kanzlerin nähme sich dabei „mit einer unglaublichen Dreistigkeit Frechheiten heraus“.

„Putin handelt außenpolitisch sachlich“

Außerdem unterstütze sie die von den USA ausgehenden Sanktionen gegen Moskau, sagte Bittner.
„Putin verhält sich demgegenüber verhältnismäßig sachlich und staatsmännisch, so sehe ich das“, erklärte Wolfgang Bittner weiter. „Ich habe mehrere Reden von ihm gelesen. Das ist alles sehr intelligent. Dass Russland aufgrund der Bedrohung durch die USA und die Nato seine Raketenabwehr aufrüstet, ist nur verständlich.“ Dass es so weit gekommen sei, halte er für „einen Jahrhundertfehler“ der westlichen Diplomatie.
Ebenso wichtig sei für Moskau die Annährung zu China, betonte Bittner. Im Oktober 2020 sprach der russische Präsident erstmals öffentlich „von einem Militärbündnis Moskau-Peking“, schrieb das Politik-Magazin „WeltTrends“ kürzlich, „als Gegengewicht zur Nato“.
Im Zuge von Militarisierung und meist negativer Berichterstattung über den Kreml innerhalb der Europäischen Union (EU) und bei den europäischen Nato-Mitgliedern – siehe Pesco – wurde laut Bittner in den letzten Jahren deutlich, dass der Westen Russland ausschließe.

„Russland gehört zu Europa“

Denn kulturell und historisch gehöre die Russische Föderation zum europäischen Kulturkreis, betonte Bittner. Nur die politischen Entscheider in Brüssel und den wichtigen Hauptstädten Europas würden dies anders handhaben.
Er sprach weiter über die „sich auflösende Souveränität Deutschlands“, angesichts in der Bundesrepublik stationierter US-Atomwaffen und -Truppen. Diese hätten „weiterhin Sonderbefugnisse, was sich aus dem Zusatzabkommen zum Nato-Truppenstatut von 1993 ergibt“.
Berlin mache sich zu oft zum „Erfüllungsgehilfen von aggressiver US-Außenpolitik“, wenn es um Moskau geht, sagte Bittner. „Das scheint den deutschen Politikern nicht klar zu sein. Damit rückt die Gefahr eines Krieges immer näher. Und EU-Nachbarland Frankreich macht dabei mit.“
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US-Netzwerke in der deutschen Politik

Bittner kritisiert, dass die transatlantischen Netzwerke und Lobbys wie die „Atlantik-Brücke“, deren aktueller Vorsitzender der frühere Minister Sigmar Gabriel (SPD) ist, die deutschen Politiker stets beeinflussen. Das erkläre die Nato-Linie Berlins. „Die USA haben bereits seit Ende des Zweiten Weltkrieges die ganze Welt und insbesondere Deutschland mit ihren Think-Tanks überzogen. Dazu gehört auch die Münchner Sicherheitskonferenz. Führende Politiker und einflussreiche Journalisten wie Claus Kleber sind Mitglieder dieser Organisationen. So wird Politik im Sinne Washingtons gemacht.“
Bittners Buch ist auch in russischer Übersetzung in Russland erhältlich. Dies kam über einen Kontakt zu einem dortigen Internet-Portal zustande. Dieser Info-Anbieter mit über einer halben Million Abonnenten setzt sich für Völkerverständigung zwischen Deutschland und der Russischen Föderation ein und greift immer wieder Publikationen aus Europa auf. Das Portal heißt übersetzt „Stimme Deutschlands“, ähnlich wie der frühere staatliche sowjetische bzw. russische Auslandsrundfunkdienst „Stimme Russlands“.
Wolfgang Bittner: „Der neue West-Ost-Konflikt“, Verlag „Zeitgeist“, Höhr-Grenzhausen, 2. Auflage, November 2019, 320 Seiten, 19,90 Euro. Das Buch ist im Handel oder direkt beim Verlag erhältlich.
Das gesamte Radio-Interview mit Dr. Wolfgang Bittner zum Nachhören:
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