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Russland und Deutschland tauschen Dokumente über Naziverbrechen 1941 bis 1943 in der Sowjetunion aus

© SNA / Anton Denisov / Zur BilddatenbankGedenkstätte für Nazi-Opfer
Gedenkstätte für Nazi-Opfer  - SNA, 1920, 07.05.2021
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Die zuständigen Behörden Deutschlands und Russlands haben laut Oberstaatsanwalt Thomas Will, dem Vizeleiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg, keine Angaben zu womöglich noch lebenden Teilnehmern an den Massenmorden im Dorf Schestjanaja Gorka 1941 bis 1943 gefunden.
Im Gespräch mit SNA sagte Will, dass das Ermittlungskomitee Russlands über die Generalstaatsanwaltschaft zahlreiche Dokumente zu den Verbrechen in Schestjanaja Gorka an die von ihm geleitete Behörde gesendet habe. Darin seien jedoch keinerlei neue Informationen zu Personen enthalten, die womöglich noch leben. Die Zentrale Stelle habe ebenfalls diesbezügliche Materialien nach Moskau geschickt.
Das Ermittlungskomitee Russlands hatte im Mai 2019 ein Strafverfahren wegen Völkermord im Gebiet Nowgorod eingeleitet. Im Zeitraum von 1941 bis 1943 wurden in den Dörfern Schestjanaja Gorka und Tschornoje Tausende Zivilisten erschossen. Kurz nach der Befreiung des Gebietes Nowgorod von den Besatzern im Jahr 1944 wurde damit begonnen, Zeugnisse von den Massenhinrichtungen zu sammeln. Bei einer wiederholten Exhumierung von Massengräbern wurden weitere rund 500 Leichen entdeckt. Es handelt sich vermutlich um insgesamt 5000 Opfer.
Wie der Abteilungsleiter des Ermittlungskomitees, Sergej Kilesso, gegenüber SNA sagte, könnten einige der Massenmörder noch leben.
Dank Anfragen von SNA an das Bundesamt für Justiz und die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg wird seit 2019 in Deutschland zu den Verbrechen der Nazis im Gebiet Nowgorod und in Jejsk ermittelt. Es wurde unter anderem bestätigt, dass deutsche Offiziere in Schestjanaja Gorka eine Einheit der Hilfspolizei beim Sicherheitsdienst des Reichsführers SS geleitet hatten.
Angeklagte beim Nürnberger Tribunal gegen Nazi-Verbrecher - SNA, 1920, 28.04.2021
Nazi-Verbrechen: Russland gibt Anstoß für gemeinsame Ermittlungen mit Deutschland
Will zufolge wird jetzt eine Anfrage an das Ermittlungskomitee über den Genozid in Jejsk vorbereitet. Der Oberstaatsanwalt fügte hinzu, dass vor mehreren Wochen im Zentralen Archiv des russischen Verteidigungsministeriums in Podolsk neue Dokumente, unter anderem zu Konzentrationslagern und Kriegsgefangenenlagern auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion, veröffentlicht worden seien.
Ende April hatte der Leiter der Verwaltung für Erziehungsarbeit des russischen Ermittlungskomitees, Sergej Petrow, auf die Möglichkeit verwiesen, zusammen mit Deutschland ein Ermittlungsteam zur Aufklärung von Naziverbrechen zu bilden. Diese Möglichkeit wird derzeit geprüft.
Laut Petrow arbeitet das Ermittlungskomitee mit Kollegen aus Kanada, Estland und Deutschland bei diesem Thema weiter zusammen. In den Jahren 2019 und 2020 seien insgesamt sechs rechtliche Anfragen im Rahmen der Aufklärung der Straftaten der Nazis im Großen Vaterländischen Krieg ins Ausland geschickt worden, so Petrow.
Im Oktober 2019 hatte die Verwaltung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in der Region Krasnodar erstmals Dokumente zur Ermordung von 214 Zöglingen eines Kinderheims 1942 in Jejsk offengelegt. Wie das russische Ermittlungskomitee mitteilte, ist zu dem Verbrechen ein Strafverfahren wegen Genozid eingeleitet worden.
Deutschland ermittelt seinerseits gegen den heute 96 Jahre alten Helmut Oberlander, einen in der Ukraine geborenen ethnischen Deutschen. Er war als Dolmetscher einer Nazi-Einheit eingesetzt gewesen, die im Süden der Sowjetunion agierte und den Mord an den Heimkindern und andere Verbrechen verübte. Oberlander steht auf der Fahndungsliste des Simon-Wiesentahl-Zentrums als einer der noch lebenden Naziverbrecher.
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