„Köche, hört die Signale“: Für eine Revolution in der Küche – Video

In seinem „kulinarischen Manifest“ fordert der ehemalige Koch und Entwicklungshelfer David Höner alle Bürger auf, sich Gedanken über ihre Ernährung zu machen. Vor allem richtet er sich damit an professionelle Köche, die für ein großes Publikum kochen.
Der Schweizer David Höner hat 15 Jahre lang als Koch gearbeitet. Er hat sich dann zwar nicht von seinem Beruf abgewandt, aber neue Wege gesucht, um das Kulinarische mit dem Politischen zu verbinden. Er lebt einen großen Teil des Jahres in Ecuador und gründete 2005 die Hilfsorganisation „Cuisine sans frontières“ – Küche ohne Grenzen. Mit ihr sammelt er Geld für Projekte wie den Aufbau einer selbstverwalteten Cafeteria für Bedürftige im Libanon.
Nun hat er ein kulinarisches Manifest geschrieben. Es trägt den Titel „Köche, hört die Signale“ und ist im Westend-Verlag erschienen. Für ihn ist die Gastronomie nicht einfach nur ein Esstempel, sondern auch ein wichtiger Punkt um die Leute untereinander zu verbinden, erklärt Höner im SNA-Interview.
Maden (Symbolbild) - SNA, 1920, 28.04.2021
Top-9 einzigartiger Süßigkeiten auf der Welt

„Passt verdammt noch mal besser auf!“

In seinem Buch gehe es ihm um ganz elementare Angelegenheiten:
„Essen, Trinken, sich ernähren, sich ernähren lassen – Produzente, Landwirte, Köche. Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, umso wütender bin ich geworden.“
Sein neues Buch sollte eine Mischform werden: zwar ein Manifest, aber zehn Thesen kombiniert jeweils mit persönlichen Erfahrungen oder Erlebnissen, so sei es leichter zu lesen. Das Ergebnis wurde ein Aufruf, „verdammt noch mal ein bisschen besser aufzupassen!“
Natürlich richtet es sich an Köche, aber nicht nur, sondern an jeden Menschen der kocht, so Höner:
„Die Köche, in meinem Verständnis, dass sind wir alle. Ohne Essen und ohne Sex gäbe es den Menschen nicht.“

Verbraucher sollten industrielle Produkte verweigern

Doch was kritisiert Höner an der Art wie wir uns ernähren? In der Einleitung schreibt er:
„Der urbane Mensch erkennt einen reifen Apfel nicht mehr am Geruch, weiß kaum, dass Käse aus Milch hergestellt wird und wie viele Eier ein Huhn in einer Woche legen kann.“
Den großen Unterschied zwischen einem selbstgemachten Brot und einem Brot aus dem Aldi erkenne jeder. Professionelle Köche hätten aber eine größere Verantwortung, Produzenten eine noch größere. Er sagt:
„Diese ständige Mahnung, dass der mündige Bürger genau weiß, und selber frei entscheiden kann, was er essen und trinken möchte, die stimmt einfach nicht. Auch der professionelle Koch ist nicht mehr in der Lage zu überblicken, was da alles mit unseren Nahrungsmitteln getrieben wird. Die Eigenverantwortung spielt sicher auch eine Rolle, aber die große Verantwortung liegt bei den Produzenten.“
Für Höner ist die ganze Landwirtschafts- oder Agrarpolitik, die in der EU betrieben wird, eine reine neoliberale Angelegenheit. Dort würde nur geguckt, „wie man noch mehr Kohle aus allen, die da irgendwie beteiligt sind, rausholen kann“. Eine einfache Lösung für den Anfang ist, als Verbraucher industrielle Produkte zu verweigern. Gefragt ist dabei laut Höner aber jeder, denn:
„Es kann nur eine Graswurzelbewegung sein. Von oben wird niemand eingreifen. Man muss die kleinen Produzenten fördern indem man in seiner eigenen Küche für Ordnung sorgt.“
Das Buch „Köche, hört die Signale – Ein kulinarisches Manifest“ von David Höner ist im Westend-Verlag erschienen.
Das komplette Interview mit David Höner zum Nachhören:
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала