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Sportausschuss beschäftigt sich mit psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt

© CC0 / StockSnap / PixabayFechten (Symbolbild)
Fechten (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.05.2021
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Leistungsdruck und ein sehr enges Verhältnis zwischen Sportlerinnen und Sportlern mit dem Trainer- und Bertreuerstab sind offenbar ein Nährboden für psychische, physische und sexualisierte Gewalt. Athletenverbände fordern unabhängige Anlaufstellen.
Zuletzt haben mehrere deutsche Athletinnen bei der Turn-EM in Basel für Furore gesorgt: Erstmalig traten die Turnerinnen in Ganzkörperanzügen bei den Wettkämpfen an. Dies sollte nicht nur für mehr Wohlbefinden bei denen sorgen, die sich in den bisher üblichen, knappen Turnanzügen unwohl fühlten, sondern auch auf die Sexualisierung in ihrer Sportart hinweisen.
Schikane, Missbrauch und Gewalt scheinen ein Problem zu sein, das sportartenübergreifend präsent ist. So berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA), dass es entsprechende Vorwürfe gegen Trainer nicht nur im Turnen gab, wo am Olympia-Stützpunkt Sachsen in Chemnitz Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer zusammen mit anderen Turnerinnen der Trainerin Gabriele Frehse vorwarf, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben.
Auch beim Deutschen Schwimm-Verband hat es Missbrauchsvorwürfe gegen den langjährigen Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz gegeben, die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt. Weitere Verdachtsfälle von sexualisierter Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen soll es in den Bereichen Boxen, Nachwuchsfußball, Fechten und Judo gegeben haben.
Sarah Voss bei Turn-EM in Basel, 21. April 2021 - SNA, 1920, 21.04.2021
Im Ganzkörperanzug zur EM: Deutsche Turnerin setzt Zeichen gegen Sexualisierung

Hat die Gewalt im Sport zugenommen?

„Solche Fälle sind immer schockierend, ernüchternd und belasten auch emotional“, zitiert die DPA Bettina Rulofs, Professorin für Sportsoziologie an der Bergischen Universität Wuppertal und Expertin für die Erforschung von Gewalt und sexualisierter Gewalt im Sport. Sie könne nicht sagen, ob die Gewalt im Sport zugenommen habe, weil es dazu keine Längsschnitt-Daten gebe, so die 49-Jährige. Jedoch sei das Thema mehr in das öffentliche Bewusstsein gerückt, Verbände und Vereine hätten sich dessen angenommen und „schon tolle Schritte gemacht“.
Angesichts der jüngsten Vorfälle scheinen die bisher unternommenen Schritte aus Sicht der Spitzensportler aber nicht auszureichen. So forderten die „Athleten Deutschland“ Ende Februar in einem Impulspapier eine „Kultur des Hinsehens“ und eine unabhängige Anlaufstelle für Sportler, wie es sie bereits in den USA, Kanada oder Australien gibt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zweifelte am vergangenen Mittwoch in einer Stellungnahme daran, ob eine solche Stelle notwendig sei:
„Der Vorschlag für ein bundesweites, unabhängiges Zentrum für unterschiedliche Aufgaben in Prävention, Intervention und Aufarbeitung ist bei einer differenzierten Betrachtung unserer Ansicht nach nicht der Königsweg.“
Travis Tygart, Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur (Archivbild) - SNA, 1920, 21.04.2021
Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur fordert mehr Transparenz bei Dopingkontrollen

Turn-Trainerin Frehse lässt ihre Kündigung prüfen

Wie am Dienstag bekannt wurde, hat der Olympia-Stützpunkt Sachsen nun beschlossen, sich von Turn-Trainerin Frehse zu trennen. Laut DPA will Frehse aber ihre Kündigung nicht hinnehmen. „Ich bin überzeugt davon, dass diese Kündigung einer gerichtlichen Prüfung nicht standhalten wird und ich wieder eingestellt werden muss“, sagte Frehse dem Online-Portal „gymmedia.de“. „Das letzte Wort darüber wird also nicht der DTB oder der OSP, sondern das Arbeitsgericht haben.“
Am 5. Mai wird der Sportausschuss des Bundestages zehn Sachverständige öffentlich zu dem Thema „Psychische, physische oder sexualisierte Gewalt gegen Sportlerinnen und Sportler“ anhören. Im Vorfeld der Sitzung sagte Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) der „Rheinischen Post“: „Es zeigt sich, dass der Sport offenbar über lange Zeit die Risiken, die das enge Verhältnis von Athletinnen und Athleten mit Trainerinnen und Trainern bringen kann, unterschätzt, im schlimmsten Fall sogar ignoriert hat.“ Nach Freitags Worten existiert vor allem im Leistungssport ein Abhängigkeitsverhältnis. „Aber auch im Breitensport muss der Sportraum jederzeit transparent sein und Sporttreibende vor Übergriffen schützen.“
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