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„So viel Mies wie möglich“ – Sanierungsende in Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie in Berlin

© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinDie Neue Nationalgalerie Berlin
Die Neue Nationalgalerie Berlin - SNA, 1920, 02.05.2021
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Am 29. April fand in Berlin nach sechs Jahren Bauarbeiten die Schlüsselübergabe für eines der weltweit wichtigsten Bauwerke der jüngeren Architekturgeschichte statt. Die Neue Nationalgalerie von Bauhaus-Meister Mies van der Rohe ist nicht nur grundsaniert, sondern technisch auf den neuesten Stand gebracht worden. Im August soll sie wieder öffnen.
Schon normalgroße Kunstwerke wie Gemälde oder Bücher zu restaurieren, kann ziemlich aufwendig sein, besonders, wenn es sich um Meisterwerke weltbekannter Künstler oder Schlüsselwerke einer Epoche oder Stilrichtung handelt. Wenn das Kunstwerk aber aus mehr als 35.000 Einzelteilen aus tonnenschwerem Stahl, Spezialglas, Beton, Steinplatten, Holz und vielen anderen Materialien besteht, dann ist das eine Mammutaufgabe.
Die Neue Nationalgalerie im Kulturforum Berlin ist das letzte Projekt, das der letzte Direktor des legendären Bauhauses, Mies van der Rohe, noch persönlich, obwohl schon von Krankheit geplagt, intensiv betreute. Auch wenn de facto sein Enkel, Dirk Lohan, selbst Architekt und Assistent seines Großvaters, in Berlin das Zepter schwang und van der Rohe die Grundsteinlegung, aber nicht mehr die Eröffnung selbst erleben sollte. Auch wenn nach dem Tod van der Rohes noch Gebäude eingeweiht wurden, die nach seinen Entwürfen entstanden, der ebenso monumentale wie transparente Berliner Bau gilt unter Architekten und Architekturkritikern als eine Art phänomenaler Schlussstein im Lebenswerk van der Rohes. Weil er in einer Art und Weise nicht nur seine lebenslange Vision vom Universalraum auf die Spitze getrieben, sondern ganz generell seine Maxime des „Weniger ist mehr“ auf den Punkt gebracht hat, wie es nur selten im Alterswerk von bedeutenden Künstlern beobachtet werden kann.

Mies van der Rohe – Ausnahmekünstler mit ambivalentem Lebenslauf

Dass Ludwig Mies van der Rohe überhaupt in Berlin dazu Gelegenheit erhielt, dass Berlin dieser Geniestreich gelang – das ist einer Reihe besonderer Umstände zu verdanken. Van der Rohe hatte 1938 Deutschland in Richtung USA verlassen, nachdem er 1937 von den Nazis mehr oder weniger aus der Preußischen Akademie der Künste geworfen worden war. Mies van der Rohes Verhalten im Nationalsozialismus wird bis heute durchaus kontrovers diskutiert, was vor allem an seiner Unterschrift unter dem berühmt-berüchtigten, von Joseph Goebbels formulierten und am 18. August 1934 im „Völkischen Beobachter“ veröffentlichten „Aufruf der Kulturschaffenden“ liegt, mit dem am Vorabend für die Volksabstimmung über das „Gesetz über das Staatsoberhaupt“ die Zusammenlegung der Ämter von Reichspräsident und Reichskanzler in der Person Adolf Hitlers legitimiert werden sollte.
Botschafter der Russischen Föderation in der Republik Österreich Dmitriy Lyubinskiy und Landeshauptmann Wilfried Haslauer bei der Übergabe - SNA, 1920, 26.01.2021
Österreich
Von Nazis geraubte und von Salzburg Museum zurückgegebene Kunstgegenstände in Russland ausgestellt
Letztlich aber gaben wohl zwei Stationen im Leben Ludwig Mies van der Rohes den Ausschlag dafür, dass dieser in der Zusammenarbeit nicht unbedingt einfache – und politisch möglicherweise sehr naive – Ausnahmekünstler den Nazis als zu unsicherer Kantonist galt und er praktisch kaltgestellt wurde, obwohl er sich in durchaus zweifelhafter Weise um Anpassung bemühte, wie die besagte Unterschrift oder etwa sein Entwurf für den deutschen Pavillon zur Brüsseler Weltausstellung 1935 zeigen.
Mies van der Rohe konnte oder wollte wohl nicht wahrhaben, dass die Nazis ihn schon lange als „Kulturbolschewisten“ eingeordnet hatten und er deshalb boykottiert wurde. Zum einen hatte van der Rohe 1926 das erste Denkmal für die ermordeten KPD-Gründer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht errichtet, er war sogar in die „Gesellschaft der Freunde des neuen Russland“ eingetreten – was ihm in der unseligen McCarthy-Ära in den USA noch auf die Füße fallen sollte. Zum anderen propagierte van der Rohe als letzter Direktor des legendenumwobenen Bauhauses eine Auffassung von Kunst und Kultur, die im Widerspruch zu den Vorstellungen der Nazis stand, obwohl überliefert ist, dass Mies van der Rohe das Bauhaus „entpolitisieren“ wollte, was ihm in Fachkreisen durchaus als negativ angelastet wurde.

Hat Berlin die Architektur-Ikone auch einem Gefühl von Melancholie von Mies van der Rohe zu verdanken?

In den USA erhielt Mies van der Rohe ein verlockendes Angebot, in Chicago in relativer Freiheit seine Vorstellungen von Architektur umsetzen zu können, was er ab 1938 auch tat und damit Weltruhm erlangte. Als Anfang der 60er Jahre der damalige Senat von Westberlin ihm das Angebot unterbreitete, sich aus drei möglichen öffentlichen Bauten eines auszuwählen, das er bauen möchte, weil durch die Teilung Berlins, in dem er 30 Jahre lang gelebt und gearbeitet hatte, auch die berühmten Kulturinstitutionen getrennt worden waren, griff van der Rohe zu. Er wollte ein Museum bauen.
Nicht nur die beinahe totale Freiheit, die ihm in Aussicht gestellt und auch gewährt wurde (immerhin gab es kein Ausschreibungsverfahren und die Westberliner Behörden guckten immer mal wieder gnädig zur Seite, wenn sich der große Mies nicht einhundertprozentig an die Bauvorschriften hielt), lockte den immer auf künstlerische Souveränität bedachten Architekten. Vielleicht war auch etwas Wehmut und Nostalgie dabei, denn eines der drei angebotenen Grundstücke lag keine 500 Meter von seiner früheren Berliner Wohnung, Am Karlsbad 24, entfernt.
Bauhaus Museum Dessau (Archivbild) - SNA, 1920, 26.01.2021
Neubau in „gesichtsloser Einkaufsstraße“: Bauhaus Museum Dessau ist „Museum des Jahres“
Der von Mies van der Rohe präferierte heutige Standort der Neuen Nationalgalerie erwies sich als eine Art Glücksfall, vis-à-vis zu Scharouns Philharmonie, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Stülers Matthäus-Kirche entstand ein Architektur-Ensemble, das schnell Liebhaber in aller Welt finden sollte, auch wenn van der Rohes Nationalgalerie mit ihrem zur Potsdamer Straße blickenden Eingang bewusst nicht Bezug auf Scharoun und Stüler nahm, was immer wieder für Diskussionen sorgt, ob das nicht geändert werden sollte.
Mit der Nationalgalerie perfektionierte van der Rohe seinen Traum vom sogenannten Universalraum, was sich vor allem an dem gewaltigen und dennoch leicht wirkenden oberirdischen Pavillon ablesen lässt, der immer wieder Besucher und Passanten verwirrt, weil sie sich beim Anblick oder besser gesagt Durchblick durch die Halle fragen, wo denn eigentlich nun das Museum ist.

Das Werk eines Meisters, das andere Meister ihres Faches vor große Herausforderungen stellte

Nicht nur die seinerzeitige Umsetzung der Ideen von Mies van der Rohe erforderte einigen technischen Aufwand. So wurde die mehr als 1200 Tonnen schwere Dachkonstruktion in einem Stück in die Höhe gehoben. Auch für die Generalsanierung und teilweise Restaurierung war der Ideenreichtum und die ingenieurtechnische Erfahrung von Meistern ihres Faches erforderlich, wie Joachim Jäger, Leiter der Neuen Nationalgalerie, dem Autoren dieses Artikels während einer Führung im noch leeren Gebäude eine Woche vor der Schlüsselübergabe an verschiedenen Beispielen erklärte.
© Landesarchiv Berlin, Foto: Ludwig EhlersBauaufnahme, Hydraulische Anhebung des Stahldachs, 5. April 1967
Die Neue Nationalgalerie Berlin - SNA
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Bauaufnahme, Hydraulische Anhebung des Stahldachs, 5. April 1967
© Archiv Neue Nationalgalerie, Nationalgalerie,Staatliche Museen zu Berlin, Reinhard Friedrich

Blick von der Potsdamer Straße, 1968

Blick von der Potsdamer Straße, 1968 - SNA
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Blick von der Potsdamer Straße, 1968

© Staatliche Museen zu Berlin, Zentralarchiv, Reinhard FriedrichAusstellungshalle, Außenaufnahme bei Nacht, 1968
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Ausstellungshalle, Außenaufnahme bei Nacht, 1968
© Staatliche Museen zu Berlin, Zentralarchiv, Reinhard FriedrichUntergeschoss, Treppenhalle, 1968
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Untergeschoss, Treppenhalle, 1968
© Landesarchiv Berlin, Foto: Horst SiegmannUntergeschoss, Eröffnungsausstellung, September 1968
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Untergeschoss, Eröffnungsausstellung, September 1968
© Landesarchiv Berlin, Foto: Horst SiegmannAusstellungshalle, Eröffnungsausstellung, September 1968
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Ausstellungshalle, Eröffnungsausstellung, September 1968
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Bauaufnahme, Hydraulische Anhebung des Stahldachs, 5. April 1967
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Blick von der Potsdamer Straße, 1968

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Ausstellungshalle, Außenaufnahme bei Nacht, 1968
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Untergeschoss, Treppenhalle, 1968
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Untergeschoss, Eröffnungsausstellung, September 1968
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Ausstellungshalle, Eröffnungsausstellung, September 1968
So war ein Diktum, dass „so viel Mies wie möglich“ erhalten bleiben sollte, aber gleichzeitig alle heute üblichen Standards für Barrierefreiheit und Brandschutz und dergleichen untergebracht werden mussten. Der Bau wurde praktisch entkernt, alle Fußbodenplatten dabei durchnummeriert, eine Fußbodenheizung eingebaut, Steckdosen gleichzeitig auch zu WLAN-Stationen umfunktioniert; die Deckenbeleuchtung sieht noch so aus wie von Mies van der Rohe gewollt, aber ist moderne LED-Technik; nach einem Lieferanten, der Lichtschalter liefern konnte, die den originalen ähneln, wurde intensiv gesucht; in den Räumen der Direktion wurde die ursprüngliche Idee van der Rohes aufgegriffen, der eigentlich alle Wände mit Raufasertapete verkleiden wollte; originale Lederapplikationen von Büromöbeln wurden restauriert usw. usf. Der Aufwand, der betrieben wurde, reichte so weit, dass eine Mitarbeiterin ein Jahr lang mit nichts anderem als Provenienzforschung befasst war, was sich unter anderem bei der Auswahl von Fußbodenbelag und Vorhängen als sehr hilfreich herausstellen sollte.

Die Neue Nationalgalerie ist eigentlich ein riesiges Gewächshaus – mit entsprechenden Problemen

Die übergroßen Scheiben der Haupthalle stellten eines der größten Probleme dar. Denn schon beim Bau war das eine klimatechnische Frage. Mies van der Rohe war bewusst, dass sein Pavillon wegen der sogenannten Monoverglasung wie ein Gewächshaus reagieren würde, aber er wollte Glaswände und eine Gesamtkonstruktion, die so leicht und so transparent wie möglich wirkte. Schon bei seinem Barcelona-Pavillon von 1929 nervte er seinen Statiker, weil ihm die Pfosten gar nicht schmal genug sein konnten. Als das Büro Chipperfield nun überlegte, wie bei der Rekonstruktion vorzugehen sei, um Kondensatbildung an den Scheiben zu verhindern, wurde die Lösung der thermischen Trennung rasch verworfen, weil dafür dickere, mehrschichtige Scheiben nötig wären, die aber auch eine dickere Stahlkonstruktion erfordern und damit die einzigartige Wirkung des Baus zerstört hätten.
© Ute Zscharnt for David Chipperfield ArchitectsAusstellungshalle, Juni 2016
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Ausstellungshalle, Juni 2016
© Ute Zscharnt for David Chipperfield ArchitectsAusstellungshalle, September 2016
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Ausstellungshalle, September 2016
© Ute Zscharnt for David Chipperfield ArchitectsAusstellungshalle, September 2016
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Ausstellungshalle, September 2016
© Ute Zscharnt for David Chipperfield ArchitectsAusstellungshalle, Januar 2017
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Ausstellungshalle, Januar 2017
© Ute Zscharnt for David Chipperfield ArchitectsAusstellungshalle, Mai 2017
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Ausstellungshalle, Mai 2017
© CHRISTIAN MARTINDemontierte Natursteinplatten, Dezember 2016
Die Neue Nationalgalerie Berlin - SNA
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Demontierte Natursteinplatten, Dezember 2016
© Thomas BrunsNeue Nationalgalerie Berlin; Mies van der Rohe; Baubegleitende Dokumentation Grundinstandsetzung NNG; SMB; SPK; David Chipperfield Architects
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Neue Nationalgalerie Berlin; Mies van der Rohe; Baubegleitende Dokumentation Grundinstandsetzung NNG; SMB; SPK; David Chipperfield Architects
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Ausstellungshalle, Juni 2016
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Ausstellungshalle, September 2016
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Ausstellungshalle, September 2016
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Ausstellungshalle, Januar 2017
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Ausstellungshalle, Mai 2017
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Demontierte Natursteinplatten, Dezember 2016
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Neue Nationalgalerie Berlin; Mies van der Rohe; Baubegleitende Dokumentation Grundinstandsetzung NNG; SMB; SPK; David Chipperfield Architects
Letztlich entschied sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), unter deren Dach die Nationalgalerie besteht, dafür, der Wahrung der Ikonenhaftigkeit des Bauwerkes den Vorrang zu geben, baulich also nichts zu ändern, sondern beispielsweise durch eine besondere Organisation des Ausstellungsbetriebes so wenig wie möglich für die Bildung von Kondensierung an den Scheiben zu sorgen.

Nur ein chinesischer Glashersteller war in der Lage, die benötigten Glasscheiben zu liefern

Bei der Sanierung stellte sich auch heraus, dass die alten Scheiben nicht so sehr durch äußere Einwirkungen, wie Steinschlag (obwohl bei Demonstrationen in den Westberliner Jahren auch schon Scheiben durch Steinwürfe zu Bruch gegangen waren) oder Erschütterungen durch den Straßenverkehr in Mitleidenschaft gezogen worden waren, sondern dadurch, dass die Metallkonstruktion durch Temperaturschwankungen die Glasscheiben so großer Spannung aussetzte, dass diese rissen. Die einfachste Lösung sind Pfosten mit Dehnungsfugen, aber die waren in der Konstruktion von Mies van der Rohe nur zum Preis der Entkopplung der Wandkonstruktion von der Dachkonstruktion zu haben.
Bei der Neubeschaffung der übergroßen Scheiben offenbarte sich ein Problem, mit dem niemand gerechnet hatte. Denn durch die seit den 60er Jahren umgestellte Glasproduktion auf die sogenannte Floatglas-Technologie konnten industriell zwar Scheiben mit extrem glatter Oberfläche hergestellt werden, aber ihre Breite war auf 3,20 Meter begrenzt. Die benötigten Scheiben in der großen Halle der Neuen Nationalgalerie haben aber Abmessungen von 3,43 x 5,60 Metern. Die Suche endete schließlich bei einem Hersteller in China. Zum Glück für alle lieferte dieses Unternehmen derart exzellente Qualität, dass nicht nur Jäger hellauf begeistert ist von der außergewöhnlichen Raumwirkung, die die neue Verglasung ermöglicht.

Der Erbe des Meisters als Berater der Generalsanierung war ein Segen

Die penible Sorgfalt der Projektleitung bei der Umsetzung des Konzeptes „So viel Mies wie möglich“ ging so weit, dass selbst unscheinbare Treppengeländer, die auf beiden Seiten der Halle hinter ins untere Sockelgeschoss führen, behandelt wurden, als handele es sich dabei um wertvolle Skulpturen. Wäre es nach Dirk Lohan gegangen, den schon erwähnten Enkel von Mies van der Rohe, dann hätte die Berliner Projektleitung wesentlich freizügiger mit dem Werk seines Großvaters umgehen und das besagte Treppengeländer einfach rausreißen und durch ein neues ersetzen können, wie Joachim Jäger etwas belustigt erzählt. Lohan, der wie eingangs erwähnt schon den Aufbau des Museums mitbegleitete, erwies sich als wertvoller Berater der Generalsanierung, auch weil er als Nachlassverwalter für das künstlerische Erbe seines berühmten Großvaters dennoch immer auch Erfordernisse der Jetztzeit mitberücksichtigte.
Doch auch noch so viel Großzügigkeit eines Erben kann bestimmte Dinge nicht lösen. Denn die umlaufende Terrasse rund um die Halle verträgt keine allzu großen Lasten, weil unter den Platten das Regenwasser ablaufen muss – eine besondere Konstruktion von Mies van der Rohe, die sich nicht mehr ändern lässt, ohne das Ziel einer restaurierenden Grundsanierung nicht zu gefährden.
Ändern ließ sich aber das Problem, wie die heutzutage erforderliche Barrierefreiheit gewährleistet werden kann. Und da war es interessant, so erzählte Joachim Jäger, dass alle Architekturbüros, die zur Unterbreitung eines Angebotes eingeladen worden waren, die Aufgabe, einen Personenfahrstuhl in den Pavillon zu bauen, auf die gleiche Weise lösten, nämlich durch die geschickte, von außen unsichtbare Integrierung in die Holzkonstruktionen, die als Garderobe dienen.
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinAnsicht von der Sigismundstraße
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Ansicht von der Sigismundstraße
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinBlick vom Landwehrkanal
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Blick vom Landwehrkanal
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinStahl-Glas-Fassade (im Hintergrund die Matthäus-Kirche und das Kulturforum)
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Stahl-Glas-Fassade (im Hintergrund die Matthäus-Kirche und das Kulturforum)
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinStahl-Glas-Fassade (von der Potsdamer Straße aus gesehen)
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Stahl-Glas-Fassade (von der Potsdamer Straße aus gesehen)
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinStahl-Glas-Fassade (im Hintergrund die Matthäus-Kirche und das Kulturforum)
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Stahl-Glas-Fassade (im Hintergrund die Matthäus-Kirche und das Kulturforum)
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinDetail der Stahl-Glas-Fassade
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Detail der Stahl-Glas-Fassade
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinSkulpturengarten
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Skulpturengarten
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinAusstellungshalle (Blick in Richtung Skulpturengarten)
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Ausstellungshalle (Blick in Richtung Skulpturengarten)
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinBlick in die Ausstellungshalle
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Blick in die Ausstellungshalle
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinBlick in die Ausstellungshalle
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Blick in die Ausstellungshalle
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinAusstellungshalle bei Nacht
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Ausstellungshalle bei Nacht
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinAusstellungshalle bei Nacht
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Ausstellungshalle bei Nacht
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinAusstellungshalle bei Nacht
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Ausstellungshalle bei Nacht
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinAusstellungshalle, einer der beiden massiven Stützpfeiler
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Ausstellungshalle, einer der beiden massiven Stützpfeiler
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinTreppenhalle, Untergeschoss
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Treppenhalle, Untergeschoss
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinGarderobe, Untergeschoss
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Garderobe, Untergeschoss
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinGarderobe, Untergeschoss
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Garderobe, Untergeschoss
© Simon Menges / David Chipperfield Architects / SPK BerlinMuseumsshop, Untergeschoss
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Museumsshop, Untergeschoss
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Ansicht von der Sigismundstraße
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Blick vom Landwehrkanal
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Stahl-Glas-Fassade (im Hintergrund die Matthäus-Kirche und das Kulturforum)
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Stahl-Glas-Fassade (von der Potsdamer Straße aus gesehen)
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Stahl-Glas-Fassade (im Hintergrund die Matthäus-Kirche und das Kulturforum)
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Detail der Stahl-Glas-Fassade
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Skulpturengarten
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Ausstellungshalle (Blick in Richtung Skulpturengarten)
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Blick in die Ausstellungshalle
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Blick in die Ausstellungshalle
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Ausstellungshalle bei Nacht
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Ausstellungshalle bei Nacht
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Ausstellungshalle bei Nacht
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Ausstellungshalle, einer der beiden massiven Stützpfeiler
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Treppenhalle, Untergeschoss
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Garderobe, Untergeschoss
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Garderobe, Untergeschoss
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Museumsshop, Untergeschoss
So löste es auch das Büro von David Chipperfield, das schließlich den Auftrag zur Generalsanierung der Neuen Nationalgalerie erhielt, sicherlich auch wegen der unbezahlbaren Erfahrungen, die das Team schon beim Wiederaufbau des Neuen Museums auf der Museumsinsel und beim davor gelagerten Neubau der James-Simon-Galerie sammeln konnte.

Die Notwendigkeit eines Fahrstuhls löste gleich mehrere andere Probleme

Die Krux der Fahrstuhllösung war, dass die Besucher im früheren Depot landeten. Und der vorhandene Lastenaufzug lag in der Zone für Warenanlieferungen. Also erarbeiteten David Chipperfield Architects Berlin eine komplett neue Lösung. Beim Bau der Nationalgalerie war seinerzeit der Teil der Baugrube, auf dem später die Terrasse des Eingangsbereiches errichtet wurde, wieder zugeschüttet worden. Den öffnete Chipperfield wieder und konnte so Raum schaffen für das neue Depot, gleichzeitig neue Fläche für eine weitere Garderobe mit Schließfächern, für ein Café und den Museumsshop gewinnen und sogar noch etwas zusätzliche Ausstellungsfläche gewinnen.
Die wird aber nicht reichen, um den stark angeschwollenen Sammlungsbestand der Kunst der Moderne in der Nationalgalerie angemessen zu präsentieren. Deshalb wurde – wegen der Lage durchaus nicht unumstritten – der Bau eines Museums des 20. Jahrhunderts geplant und beschlossen. Weshalb es schon sehr bald keinen unverstellten Blick mehr von der Neuen Nationalgalerie hinüber zur Philharmonie geben wird.

Die frisch sanierte Neue Nationalgalerie bekommt bald einen neuen Nachbarn

Aber das nimmt Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in Kauf, weil der Neubau des Schweizer Architektenbüros Herzog & de Meuron eine wichtige Lücke schließen hilft, die mehr ist als nur die Lücke zwischen den Gebäuden von Mies van der Rohe und Hans Scharoun. Es war immer klar, wie Parzinger im Gespräch mit SNA erklärt, „dass der Bestand der Nationalgalerie so groß ist, dass wir ein zweites Museum brauchen“.

„Die Neue Nationalgalerie war immer für die Klassische Moderne. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war im Hamburger Bahnhof. Und es war immer geplant, dass Beuys, Warhol, Cy Twombly usw. – dass das hierherkommt, und dass der Hamburger Bahnhof wirklich dann das Zeitgenössische macht. Also Ende 20. und dann 21. Jahrhundert. Das heißt, es war immer der Plan, das 20. Jahrhundert hier zu vereinigen, und dafür – die Installationen von Beuys usw. braucht man natürlich ganz andere Räumlichkeiten. Das würde hier unmöglich reinpassen. Und das Ziel ist: Wenn das andere Gebäude fertig ist, wird es hier oben immer Sonderausstellungen geben, im Sockelgeschoss Klassische Moderne. Die Klassische Moderne, deren Bestand so groß ist, wird im neuen Gebäude weitergehen, aber dann werden großformatige Dinge, Installationen, Videokunst im Neubau sein.“

Hermann Parzinger
Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK)
Noch hat Hermann Parzinger die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, dass die sogenannten Rieckhallen, hinter dem Hamburger Bahnhof, die als Ausstellungsort akut vom Abriss bedroht sind, für die Neue Nationalgalerie doch noch gerettet werden können. Aber das Kulturforum ist aus Parzingers Sicht mit der Fertigstellung des Museums des 20. Jahrhunderts de facto abgeschlossen.
Was nicht heißt, dass es keine Bauaktivitäten im Kulturforum und drum herum mehr geben wird. Auf der anderen Seite der Potsdamer Straße, direkt gegenüber der Nationalgalerie, wartet die Staatsbibliothek von Hans Scharoun und Edgar Wisniewski auf ihre Grundsanierung, die genauso wie bei der Neuen Nationalgalerie „denkmalgerecht“ stattfinden soll. Und die Umsetzung des Masterplanes für die Museumsinsel werde gar noch so viele Jahre in Anspruch nehmen, dass er hoffe, das Ende der dortigen Bauarbeiten noch erleben zu können, meint Parzinger mit einem scherzhaften Lächeln.

Die Pandemie „sabotiert“ den deutsch-russischen Kulturaustausch

Apropos Erleben – gerne hätte Hermann Parzinger die Eröffnung der großen Eisenzeit-Ausstellung in der Eremitage in St. Petersburg selbst erlebt. Immerhin fast sechs Jahre dauerten die Planungen und Vorbereitungen für dieses deutsch-russische Gemeinschaftsprojekt, für das die Häuser der SPK diverse wertvolle Leihgaben zur Verfügung stellten. Parzinger befürchtet, dass er auch die Schau im Moskauer Historischen Museum nicht sehen kann, wohin die Eisenzeit-Ausstellung jetzt von St. Petersburg weitergezogen ist. Die Pandemie macht solche bilateralen Begegnungen derzeit unmöglich, was Parzinger, der 2001 weltberühmt wurde mit der Entdeckung eines Skythenschatzes in einem Hügelgrab in Sibirien, sehr bedauert und hofft, dass diese ärgerliche Phase bald vorbei ist.
Dsa Historische Museum  - SNA, 1920, 26.02.2021
Europa ohne Grenzen auch in einer Pandemie

Stiftungspräsident Hermann Parzinger findet Debatte um Auflösung der SPK nach wie vor anachronistisch

Bedauerlich findet er nach wie vor auch die Idee des Wissenschaftsrates, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufzulösen. Diese Institution, mit fünf Teilbereichen, die wiederum 15 Sammlungen von Weltgeltung und weitere sechs zentrale Einrichtungen beherbergen, ist weltweit wahrscheinlich nur noch mit der Smithsonian Stiftung in den USA vergleichbar. Parzinger räumt enormen Reformbedarf ein, aber eine Zerschlagung wäre der falsche Weg.

„Eine der wenigen spartenübergreifenden Kultureinrichtungen, die Museen, Bibliotheken, Archive und Forschungsinstitute unter einem Dach hat – das aufzulösen, im digitalen Zeitalter, wo man alles eigentlich zusammenführt, wäre anachronistisch, da die Tendenz auch international genau entgegengesetzt ist.“

Hermann Parzinger
Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK)
Gegen eine Dezentralisierung der Stiftung, also mehr Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Einrichtungen, habe er nichts einzuwenden. Er gibt aber zu bedenken, dass mit mehr Autonomie der einzelnen Museen und Einrichtungen das Kernproblem der Stiftungs-Konstruktion nicht gelöst ist. Denn nachdem bei der Wiedervereinigung der Standorte in Ost- und Westberlin noch 3500 Mitarbeiter die Museen, Archive, Bibliotheken und Institute am Laufen hielten, sind es heute 1800. Und das bei mehr Aufgaben, hohen Anforderungen in punkto Provenienzforschung, Restaurierung, Digitalisierung, Bildung und Wissensvermittlung usw. In einer solchen Situation das Personal zu halbieren, kann nicht gut gehen, so Parzingers nüchternes Fazit.
Das komplette Interview mit Hermann Parzinger, hier zum Nachhören:
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