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Corona entgegen im Offline-Format mit Lindemann und Co.: Moskauer Filmfestival erneut gelungen

© SNA / Jekaterina TschessnokowaSchauspielerin Jekaterina Klimowa auf dem roten Teppich des Moskauer Filmfestivals 2021
Schauspielerin Jekaterina Klimowa auf dem roten Teppich des Moskauer Filmfestivals 2021 - SNA, 1920, 02.05.2021
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Am 29. April hat die Jury der Internationalen Filmfestspiele in Moskau die Preisträger des Wettbewerbs gekrönt. Das Filmfestival in der russischen Hauptstadt ist das zweite Jahr in Folge für seine Gäste und Zuschauer offen geblieben, jedoch unter Berücksichtigung der Corona-Realität.
Den Hauptpreis für den besten Film, den sogenannten Goldenen Georg, erhielt am Donnerstagabend die rumänische Produktion “#Dogpoopgirl” des 30-jährigen Regisseurs Andrei Hutuleac, für den es sein Debüt war. Die Satire thematisiert eine tatsächliche Bulling-Geschichte aus Südkorea, während die Handlung auf die osteuropäische Gegenwart übertragen ist. Zwei Silberne St. Georgs holten auch Filmschaffende aus Deutschland, deren Präsenz in Moskau in diesem Jahr traditionell beachtenswert war.
Eröffnungszeremonie des Internationalen Filmfestivals Moskau (Archivbild) - SNA
Plattform für neue Stimmen in Filmkunst mit einer einzigartigen Geschichte

Das Internationale Filmfestival Moskau wurde erstmals 1935 auf Initiative des damaligen Staatschefs der UdSSR Josef Stalin veranstaltet. Damit ist das Moskauer Filmfestival nur drei Jahre jünger als das älteste Filmfestival der Welt, nämlich die Filmfestspiele von Venedig. Zu sowjetischen Zeiten wurde das Festival als kommunistische Alternative zu großen westlichen Gipfeln positioniert, genoss trotzdem eine regelmäßige Präsenz von Stars wie Robert de Niro oder Sophia Loren. Heutzutage ist das Moskauer Filmfestival zu einer Plattform für talentierte und innovative Filmschaffende aus aller Welt geworden, die bei glamourösen Events in Europa gegenüber den Maîtres benachteiligt bleiben.

Seit 1972 ist die Veranstaltung beim Filmproduzentenverband FIAPF als internationales Filmfestival mit Wettbewerb akkreditiert und gehört damit zur Elitengruppe der sogenannten A-Festivals. Nach dem Zerfall der Sowjetunion übernahm die russische Regierung die Finanzierung und Organisation. Der berühmte russische Filmregisseur und Oscarpreisträger Nikita Michalkow ist der Festivalpräsident. Im Regelfall wurde das Festival jeden Sommer mit kurzer Unterbrechung in den 1990ern veranstaltet, doch 2018 wurde es ins Frühjahr vorverlegt.

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“Blutsauger” und plötzliche Begegnungen

Das Hauptaugenmerk des Festivals lag unter anderem auf “Blutsauger” von Julian Radlmaier. “Eine marxistische Vampirkomödie”, wie aus dem vollständigen Filmtitel hervorgeht, wirkt eher wie eine Tragödie mit deutlichen Anspielungen auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts und die Lehre von Karl Marx. Obwohl der Film seine Erstaufführung bereits bei der Online-Berlinale im März feierte, waren die Emissäre des Moskauer Filmfestivals von Radlmaiers Werk so begeistert, dass es ausnahmsweise zu dem Wettbewerb zugelassen wurde, der in der Regel nur für Weltpremieren gedacht ist. In Moskau gewann die deutsch-russische Produktion den Sonderpreis der Jury, der einem zweiten Platz im Hauptcontest entspricht.
“Ich freue mich sehr über unser internationales Team, über Julian, für den es das erste große Projekt ist, und ich hoffe, dass er seinen nächsten Film schon komplett in Russland drehen wird”, sagte die Co-Produzentin von “Blutsauger” Julia Mishkinene bei der Preisverleihung in Moskau.
Blutsauger (2021), Regie: Julian Radlmaier - SNA, 1920, 27.04.2021
Kapitalisten sind Blutsauger. Klare Botschaft des deutschen Wettbewerbers beim Moskauer Filmfestival
Ungerecht weniger Aufmerksamkeit genoss der zweite Preisträger aus Deutschland, der trotz Corona-Beschränkungen sogar nach Moskau kam. Jannis Alexander Kiefer, Absolvent der noch seit DDR-Zeiten renommierten Babelsberger Filmuniversität Konrad Wolf, gewann den Silbernen St. Georg für den besten Kurzfilm in einer ernsthaften Konkurrenz mit jungen Filmschaffenden aus aller Welt. Seine Sitcom “Kollegen” erzählt die Geschichte von zwei Handwerkern, deren einschläfernde Existenz auf dem Land von Dreharbeiten eines historischen Blockbusters über den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wird.
© Foto : Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLFKollegen (2020), Regie: Jannis Alexander Kiefer
Kollegen (2020), Regie: Jannis Alexander Kiefer - SNA, 1920, 02.05.2021
Kollegen (2020), Regie: Jannis Alexander Kiefer
„Ich bin von meinen Emotionen überwältigt und weiß nicht, was ich sagen soll. Das ist das erste Mal, dass ich einen Preis erhalte und meine Worte übersetzt werden! Einen großen Dank an das Festival für die Einladung und die Jury für ihre Entscheidung. Mein Film spricht über unsere schmerzhafte Vergangenheit und ruft auf, zu handeln und etwas damit zu machen. Ich widme diesen Preis meinem Team!” – sagte Kiefer von der Bühne.
© Foto : Moscow International Film FestivalJannis Alexander Kiefer (R) mit dem Preis für den besten Kurzfilm
Jannis Alexander Kiefer (R) mit dem Preis für den besten Kurzfilm - SNA, 1920, 02.05.2021
Jannis Alexander Kiefer (R) mit dem Preis für den besten Kurzfilm
Zwei Erscheinungen am Rande der Festspiele sorgten ebenfalls für große Aufmerksamkeit seitens der Presse und der Zuschauer. Die gebürtige Kasselerin Meryem Uzerli präsentierte im Nebenprogramm den türkischen Film “Kovan” (deutsch: Bienenkorb), in dem sie als Hauptdarstellerin mitwirkte. Die dank ihrer Rolle in der TV-Serie “Das osmanische Imperium – Harem: Der Weg zur Macht” in Russland durchaus beliebte Schauspielerin lief auch über den roten Teppich bei der Festivaleröffnung.
© SNA / Jekaterina TschessnokowaDie deutsch-türkische Schauspielerin Meryem Uzerli bei der Eröffnung des Moskauer Filmfestivals am 22. April 2021
Die deutsch-türkische Schauspielerin Meryem Uzerli bei der Eröffnung des Moskauer Filmfestivals am 22. April 2021 - SNA, 1920, 02.05.2021
Die deutsch-türkische Schauspielerin Meryem Uzerli bei der Eröffnung des Moskauer Filmfestivals am 22. April 2021
Ein weiterer Gast war der Rammstein-Frontman Till Lindemann, der plötzlich bei der Premiere der russischen Biopic “Dewjatajew” auftauchte. Der Film über den sowjetischen Kampfflieger Michail Dewjatajew, der durch seine spektakuläre Flucht mit einem Flugzeug aus der Nazi-Gefangenschaft bekannt war, eröffnete den diesjährigen Gipfel.
© Foto : Moscow International Film FestivalTill Lindemann bei der Eröffnung des Moskauer Filmfestivals am 22. April 2021
Till Lindemann bei der Eröffnung des Moskauer Filmfestivals am 22. April 2021 - SNA, 1920, 02.05.2021
Till Lindemann bei der Eröffnung des Moskauer Filmfestivals am 22. April 2021
Lindemann war an dem Soundtrack zu “Dewjatajew” beteiligt und nahm ein Cover des populären russischen Liedes “Ljubimy Gorod” (deutsch: Lieblingsstadt) auf. Der Regisseur von “Dewjatajew”, Timur Bekmambetow, offenbarte gegenüber den russischen Medien, dass der Rockmusiker dieses Lied noch als Kind von seiner Mutter hörte und es deshalb unbedingt im Film singen wollte.

Roter Teppich bei zehn Grad

Anscheinend das einzige Problem, mit dem die Veranstalter kaum zurechtkommen konnten, war das Moskauer Wetter. Die ganze Festivalwoche über mussten die Teilnehmer regelmäßige Niederschläge und unfreundliche Nässe über sich ergehen lassen. Trotzdem glänzten die weiblichen Gäste in ihren reizvollen Abendkleidern auf dem roten Teppich auch bei ungefähr zehn Grad Celsius. Aber genug der Worte, besser einmal selbst schauen!
© Foto : Moscow International Film FestivalGästin des Moskauer Filmfestivals
Gästin des Moskauer Filmfestivals - SNA
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Gästin des Moskauer Filmfestivals
© SNA / Jekaterina TschessnokowaSchauspielerin Kristina Asmus
Schauspielerin Kristina Asmus - SNA
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Schauspielerin Kristina Asmus
© Foto : Moscow International Film FestivalSchauspielerin Olesja Sudsilowskaja auf dem roten Teppich des Moskauer Filmfestivals
Schauspielerin Olesja Sudsilowskaja auf dem roten Teppich des Moskauer Filmfestivals - SNA
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Schauspielerin Olesja Sudsilowskaja auf dem roten Teppich des Moskauer Filmfestivals
© SNA / Ekaterina ChesnokovaSchauspielerin Jekaterina Klimowa
Schauspielerin Jekaterina Klimowa - SNA
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Schauspielerin Jekaterina Klimowa
© Foto : Moscow International Film FestivalSchauspielerin Swetlana Stepankowskaja
Schauspielerin Swetlana Stepankowskaja - SNA
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Schauspielerin Swetlana Stepankowskaja
© Foto : Moscow International Film FestivalSchauspielerinnen Aljona Tschechowa (L) und Daria Kepetajewa
Schauspielerinnen Aljona Tschechowa (L) und Daria Kepetajewa - SNA
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Schauspielerinnen Aljona Tschechowa (L) und Daria Kepetajewa
© Foto : Moscow International Film FestivalSchauspielerin Swetlana Iwanowa
Schauspielerin Swetlana Iwanowa - SNA
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Schauspielerin Swetlana Iwanowa
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Schauspielerin Maria Uljanowa
© Foto : Moscow International Film FestivalGästin des Moskauer Filmfestivals
Gästin des Moskauer Filmfestivals - SNA
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Gästin des Moskauer Filmfestivals
© Foto : Moscow International Film FestivalRegisseurin Nigina Sayfulaeva, die in der Festivaljury war
Regisseurin Nigina Sayfulaeva, die in der Festivaljury war - SNA
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Regisseurin Nigina Sayfulaeva, die in der Festivaljury war
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... und ein Astronaut
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Gästin des Moskauer Filmfestivals
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Schauspielerin Kristina Asmus
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Schauspielerin Olesja Sudsilowskaja auf dem roten Teppich des Moskauer Filmfestivals
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Schauspielerin Jekaterina Klimowa
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Schauspielerin Swetlana Stepankowskaja
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Schauspielerin Swetlana Iwanowa
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Schauspielerin Maria Uljanowa
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Gästin des Moskauer Filmfestivals
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Regisseurin Nigina Sayfulaeva, die in der Festivaljury war
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... und ein Astronaut

Pandemie-Abruck

Die allgemein feierliche Atmosphäre des Festivals sollte keinesfalls täuschen. Die Veranstaltung war kein Gelage während der Pest und konnte nur dank der unter Kontrolle gehaltenen Corona-Situation in Moskau sowie mit strengen Regeln stattfinden. So wurden die üblichen Interviews auf dem roten Teppich einfach abgesagt und für die Teilnahme an einigen Pressekonferenzen ein negatives Testergebnis oder einen Impfnachweis gefordert. Selbst der Festivalpräsident, der angesehene russische Filmemacher Nikita Michalkow, ließ sich impfen, worüber er die Journalisten beim Gespräch am Abschlusstag informierte. Masken und Handschuhe waren absolute Pflicht für alle, darüber hinaus wurden die Zuschauer bei jeder Vorführung schachbrettartig platziert.
© SNA / Jekaterina TschessnokowaDer russische Regisseur und Präsident des Moskauer Filmfestivals Nikita Michalkow hält Rede bei der Eröffnungszeremonie
Der russische Regisseur und Präsident des Moskauer Filmfestivals Nikita Michalkow hält Rede bei der Eröffnungszeremonie - SNA, 1920, 02.05.2021
Der russische Regisseur und Präsident des Moskauer Filmfestivals Nikita Michalkow hält Rede bei der Eröffnungszeremonie
Die Pandemie verhinderte die Teilnahme mehrerer ausländischer Gäste, wie im Fall des philippinischen Regisseurs Brillante Mendoza, der den Vorsitz der Festivaljury persönlich übernehmen sollte, jedoch wegen Reisebeschränkungen nicht nach Moskau kommen konnte. Für andere war Corona nicht der einzige Grund auf die Reise nach Russland zu verzichten.
“Das Problem mit den Gästen bezieht sich nicht nur auf das Coronavirus, wir sind Außenseiter. Sehr viele, sogar gute Bekannte von mir, Kollegen aus den Vereinigten Staaten, Frankreich und Spanien wollen von ganzem Herzen kommen, aber vor ihnen steht eine Hürde, die sie nur mit eigenem Willen und Mut überwinden können, doch nicht alle entschieden sich dafür”, sagte der Oscar-Preisträger Nikita Michalkow bei der Eröffnungspressekonferenz.
Michalkow zufolge legte das Team den Schwerpunkt stattdessen unmittelbar auf die Filme und bot ein vielfältiges Programm an. Die Promis und Bankette seien deswegen eine Nebensache.
Die Zahlen bestätigen zwar, dass die Popularität der Festspiele wenig vom neuen Kurs und der Pandemie betroffen ist. 2021 besuchten das 43. Internationale Filmfestival in Moskau insgesamt 32.000 Menschen, darunter 81 Filmschaffende aus dutzenden Ländern und 4200 Journalisten, was eindeutig mehr als im Vorjahr war.
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