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Zehn Monate Bewährung für Kinderporno zu mild? Metzelder-Urteil erntet massive Ablehnung

© REUTERS / WOLFGANG RATTAYEx-Profifußballer Christoph Metzelder im Saal des Amtsgerichtes Düsseldorf, 29. April 2021
Ex-Profifußballer Christoph Metzelder im Saal des Amtsgerichtes Düsseldorf, 29. April 2021 - SNA, 1920, 30.04.2021
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Als die Richterin Astrid Stammerjohann am Donnerstag das Urteil für Ex-Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder verlas, begründete sie die Bewährungsstrafe mit „echter Reue“ des Angeklagten, eigenständig angetretener Therapie und „Vorverurteilung durch die Medien“. Doch vielen geht das Urteil nicht weit genug. Zu Recht?
Mit als erste zeigten sich Metzelders Kollegen wie Lukas Podolski über das Urteil im Kinderporno-Prozess empört. Gegenüber „Bild“ äußerte Podolski, dass er für das Urteil „kein Verständnis“ habe. „Es geht hier nicht darum, ein Zeichen an einem prominenten Täter zu setzen. Es geht darum, dass so etwas grundsätzlich härter bestraft werden sollte. Auch ein Teilgeständnis darf keine Entlastung sein, wenn es um Kinderpornografie geht“, beharrte der 35-Jährige.
Vor dem Amtsgericht Düsseldorf hatte Metzelder die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft über den Besitz und die Weitergabe kinder- und jugendpornografischer Inhalte in Teilen eingeräumt, und der Prozess gegen ihn wurde bereits am ersten Tag beendet. Das Urteil: zehn Monate Bewährung. Er habe „schwere moralische Schuld“ auf sich geladen, so der 40-Jährige. Dabei bestritt er im Prozess, dass die Polizei auf seinem Handy fast 300 kinder- und jugendpornografische Dateien gefunden haben soll.
Dafür gab Metzelder zu, im Sommer 2019 im Rahmen erotischer Chats 18 kinder- und jugendpornografische Dateien an drei Frauen weitergeleitet zu haben. Das Amtsgericht sah es laut Urteilsverkündung als erwiesen an, dass er in 26 Fällen 29 Dateien weitergegeben hatte. „Ich akzeptiere die Strafe und bitte die Opfer sexueller Gewalt um Vergebung. Ich werde den Rest meines Lebens mit dieser Schuld als Teil der Gesellschaft leben müssen“, sagte Metzelder weiter vor Gericht.
Metzelder habe „echte Reue“ gezeigt, argumentierte die Richterin Astrid Stammerjohann. Sein Geständnis, die Tatsache, dass Metzelder sich schon eigenständig in Therapie begeben habe, sowie die „Vorverurteilung durch die Medien“ hätten die Strafe gemildert. Er sei dadurch veranlasst worden, „sämtliche Ämter niederzulegen und seine berufliche Tätigkeit einzustellen“. Eine „vorweggenommene Bestrafung“ sei das, so Stammerjohann.

Kuranyi kritisiert: „Das ist Deutschland“

Neben Podolski tobte auch der Ex-Schalke-Star Kevin Kuranyi nach dem Urteil. Auf seiner Instagram-Story teilte Kuranyi am Freitag einen Artikel zum Gerichtsurteil und kommentierte diesen mit einem wütenden „Du...“. Mit den Worten „Das ist Deutschland“ hat er auf seiner nächsten Story Metzelders Strafmaß mit der Strafe einer Rentnerin 2019 verglichen, die wegen Diebstahls ins Gefängnis musste.
Twitter-Nutzer vergleichen das Urteil ihrerseits mit ähnlichen Strafen in anderen Fällen, wie beim Gras-Besitz.
Das prominente Ex-Model Natascha Ochsenknecht zeigte sich auf Instagram ebenfalls empört und wies auf ihre frühere Petition für besseren Kinderschutz hin. „Wie ihr seht, hatte ich Recht und obendrauf zur Belohnung die Bewährung. In dieser Szene weiß man, dass man mit einem Teilgeständnis Erfolg hat. Ein Skandal und eine Katastrophe für die Kinder. Freifahrtschein, das ist zum Kotzen“, schrieb sie dazu.
Der Comedian Oliver Pocher kritisierte die Strategie der Metzelder-Anwälte, die vorher versucht hätten, Metzelder in eine Opferrolle zu bringen und Zeugen zu diskreditieren. Die Tat selbst widere ihn aber nicht weniger an. „Wir reden hier von Kindern im einstelligen Alter, und das ist an Widerlichkeit nicht zu überbieten.“ Dass Metzelder laut eigener Aussage im Prozess keine „pädophile Neigung“ besitze, sei für ihn nur „schwer nachvollziehbar“ und er wisse nicht, „wie man zu so einer Erkenntnis in der ‘Selbstanalyse’ kommen kann“.
Twitter-Nutzer fragen sich diesbezüglich weiter, wie viele zerstörte Kinderseelen hinter jedem Bild stehen, und wie stark alleine der Besitz der Aufnahmen die Nachfrage an Kinderpornografie und Kindesmissbrauch fördere.


Komplexe rechtliche Lage

Der Gesetzgeber hatte bereits am 25. März auf die ältere Kritik an nicht ausreichenden Strafmaßnahmen beim Kindesmissbrauch mit einem Gesetzespaket „zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder“ geantwortet. Verbreitung, Besitz und Besitzverschaffung von Kinderpornografie werden laut dem verschärften Gesetz nun zu Verbrechen hochgestuft. Für die Verbreitung sind Freiheitsstrafen von einem bis zehn Jahren vorgesehen (statt vorher drei Monate bis fünf Jahre), für Besitz oder Besitzverschaffung können künftig Freiheitsstrafen von einem bis fünf Jahren verhängt werden, statt wie zuvor bis zu drei Jahren Haft oder Geldstrafen. Für Metzelder jedoch galt noch die alte Rechtslage.
Sein Anwalt Ulrich Sommer ließ anschließend auf dem Gerichtsflur offen, ob sein Mandant das Urteil annehmen wird. Der Prozess habe Fragen zur Rolle der Medien und zu einer möglichen Anstiftung nicht beantwortet, so Sommer. Die Rolle als Angeklagter sei für seinen Mandanten sehr belastend gewesen, deshalb habe er es vorgezogen, in dieser Instanz einen vorläufigen Schlussstrich zu ziehen. „Ob das wirklich ein Schlussstrich ist, werden wir noch erörtern“, ergänzte Sommer.
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