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Kampf um Wasserressourcen – mindestens 23 Tote bei Konflikt zwischen Tadschikistan und Kirgistan

© SNA / Wladimir PirogowKirgisischer Grenzsoldat (Archivbild)
Kirgisischer Grenzsoldat (Archivbild) - SNA, 1920, 30.04.2021
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Bei einem blutigen Grenzkonflikt um den Zugang zu Wasserressourcen sind in Zentralasien 23 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden.
Die Lage in der Grenzregion zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken Tadschikistan und Kirgistan sei weiter gespannt, teilte die Deutsche Presse-Agentur (DPA) am Freitag unter Berufung auf die Behörden beider Länder mit. Kirgistan warf den tadschikischen Truppen vor, Granatwerfer einzusetzen.

Stein des Anstoßes war eine Videokamera

Das kirgisische Gesundheitsministerium in Bischkek teilte mit, bei den Kämpfen seien 13 Menschen getötet und 134 verletzt worden. Unter den Todesopfern ist laut kirgisischen Medienberichten ein zwölfjähriges Mädchen. Auf tadschikischer Seite war von zehn Toten und etwa 90 Verletzten die Rede, meldete das Internet-Portal „Asia-Plus“. Eine Bestätigung der Zahlen gab es laut DPA nicht.
Der Konflikt entbrannte Mitte dieser Woche, als tadschikische Beamte eine Videokamera in der Nähe einer Wasserverteilerstation installieren wollten, an der von kirgisischer Seite Reparaturarbeiten vorgenommen wurden. Anschließend bewarfen sich Dorfbewohner beider Seiten gegenseitig mit Steinen. Daraufhin verstärkten Kirgistan und Tadschikistan ihre Grenztruppen, die dann gegenseitig aufeinander schossen.
Die Regierungen beider Länder an der Grenze zu China gaben sich gegenseitig die Schuld an der Eskalation. Sie teilten aber auch mit, den Streit beilegen zu wollen. Insgesamt seien 20.000 Bürger allein auf kirgisischer Seite in Sicherheit gebracht worden, hieß es. Wie „Sputnik Kirgistan“ berichtet, wurden auf kirgisischer Seite 21 Wohnhäuser, zehn Tankstellen, acht Geschäfte, eine Schule, ein Casino und ein Grenzposten im Lauf der Auseinandersetzung niedergebrannt. Am Freitag tauchten zudem Fotoaufnahmen von Pkw auf, die von Einschusslöchern völlig durchsiebt waren.
Russland forderte die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Zugleich bot sich Moskau an, in dem Streit zu vermitteln. Präsident Wladimir Putin sei „immer bereit, die Vermittlerrolle bei der Lösung von schwerwiegenden Problemen zwischen den beteiligten Staaten“ einzunehmen, sagte Putins Pressesprecher Dmitri Peskow laut einem Bericht von Ria Novosti. „Er hat das schon mehrfach unter Beweis gestellt.“ Die EU zeigte sich besorgt. Trotz der von der kirgisischen und der tadschikischen Führung am Donnerstag vereinbarten Waffenruhe dauerten die Auseinandersetzungen in der Grenzregion am Freitag an.

Nicht demarkierte Grenzabschnitte und Zugang zu Trinkwasser

Im Drei-Länder-Eck, wo die zentralasiatischen Republiken Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan aneinandergrenzen, kommt es immer wieder zu Konflikten. Hauptgrund dafür sind die bis heute nicht vollständig demarkierten Grenzen. In den 1930 Jahren wurden sie von der sowjetischen Führung willkürlich gezogen, ohne dass darauf geachtet wurde, wo welche Völker tatsächlich lebten. Ein Ergebnis davon ist, dass seit dem Zerfall der Sowjetunion und der Gründung der unabhängigen Republiken Anfang der 1990er Jahre das Grenzgebiet einem Flickenteppich gleicht. Auf allen Seiten gibt es Enklaven, mancherorts verläuft die Grenze mitten durch ein Dorf. Die lebenswichtige Wasserversorgung wird geteilt und ist damit häufig im Zentrum des Konflikts. Blockiert eine Seite beispielsweise wichtige Zufahrtstraßen, antwortet die andere mit der Schließung von Staudämmen, womit sie die Wasserversorgung der Nachbarn kappt.
Die Wasserverteilstelle liegt auf von Kirgistan kontrolliertem Gebiet an einem Kanalausgang, der einen Stausee in der Region Batken befüllt. Für die Menschen dort ist dies der wichtigste Zugang zu Trinkwasser. Tadschikistan erhebt unter Berufung auf ältere Karten Anspruch auf das Gebiet. Kirgistan wiederum beruft sich auf Karten aus den 1950er Jahren. Zwischen Tadschikistan und Kirgistan gibt es etwa 70 umstrittene Gebiete. Das sind ungefähr 30 Prozent der fast 1000 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden Republiken.
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