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Berlin gegen Rückgabe der Ehrenbürgerschaft an Sowjetsoldaten Masalow

© SNA / Alexej WitwizkiGedenkkomplex im Treptower Park
Gedenkkomplex im Treptower Park - SNA, 1920, 30.04.2021
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Nikolaj Masalow, dem heldenhaften Sowjetsoldaten, der am 30. April 1945 in Berlin ein dreijähriges deutsches Mädchen vor dem sicheren Tod gerettet und einen Bildhauer zu dem bekannten Denkmal des Soldaten-Befreiers im Berliner Treptower Park inspiriert hatte, wird die Ehrenbürgerschaft der Stadt nicht wieder zuerkennt.
Dies haben die Behörden in Berlin in einer Antwort auf die Anfrage von Sergej Ziviljow, dem Gouverneur der russischen Region Kemerowo (Geburtsort von Masalow) in Westsibirien, mitgeteilt. Das entsprechende Papier stammt von der Referatsleiterin in der Senatskanzlei, Barbara Berninger. Russische Medien konnten sich mit dessen Inhalt vertraut machen.
Berninger gab an, dass es zu jener Zeit, als Berlin in Ost und West geteilt worden war, zwei Listen von Ehrenbürgern gegeben hätte. Nach der Vereinigung Deutschlands hätten der Berliner Senat und die Abgeordnetenkammer beschlossen, nur diejenigen Personen in die besagte Liste aufzunehmen, die auf dem Gebiet der Kultur und Wissenschaft herausragende Leistungen erbracht hatten. Somit war keiner der elf Vertreter der sowjetischen Armee und der sowjetischen Militärverwaltung dabei, die 1965 als Berlins Ehrenbürger anerkannt worden waren.
Dies bedeute jedoch nicht, dass ihre Verdienste in Frage gestellt würden, hieß es im Schreiben von Berninger. „Die mutige Tat des Soldaten Nikolaj Masalow steht außer Zweifel. Das Ehrenmal im Treptower Park ist ein würdiges Denkmal für ihn.“
Es sei unmöglich, den Namen von Masalow wieder in die Liste der Ehrenbürger Berlins aufzunehmen, hieß es weiter. Auch Mathias Gille, Sprecher der Senatskanzlei, teilte den russischen Medien mit, es sei nicht vorgesehen, dass den Personen, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands aus dem Verzeichnis ausgenommen worden waren, wieder die Ehrenbürgerschaft zuerkennt würde.
Gunnar Lindemann, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses für die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), sagte seinerseits, dass die Entscheidung falsch sei, den sowjetischen Soldaten die Ehrenbürgerschaft zu entziehen.
„Die Heldentat von Masalow, der während des Krieges auf den Straßen Berlins ein kleines Mädchen gerettet hatte, war bemerkenswert. Ich verstehe also nicht, warum der Senat ihm seine Ehrenbürgerschaft entzogen hat. Wir müssen seine Leistungen sowie die Leistungen anderer Soldaten würdigen, die an der Befreiung Berlins vom Faschismus beteiligt waren“, so der AfD-Politiker.
Die Ehrenbürgerwürde sei Masalow 1992 vom Berliner Senat „unverständlicher-“ und „schändlicherweise“ entzogen worden, hieß es in einem Kommentar von Alexander S. Neu, dem Mitglied des Deutschen Bundestages für die Fraktion Die Linke.
Flugzeug aus Zweitem Weltkrieg wassert nahe Strand in Florida  - SNA, 1920, 19.04.2021
Flugzeug aus Zweitem Weltkrieg wassert nahe Strand in Florida
„Achtzig Jahre nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion und dem darauffolgenden, beispiellosen deutschen Eroberungs- und Vernichtungskrieg auf dem Gebiet der UdSSR, verweigert der Berliner Senat heute, Masalow wieder diese Ehre zu erweisen“, hieß es. Für Neu ist es „eine unglaubliche Peinlichkeit und ein wirklicher Skandal“.
„Dass der Berliner Senat, ausgerechnet ein 'linker' Senat, der von der SPD, den Grünen und meiner Partei, der LINKEN, gebildet wird, sich dieses kleinliche und gleichzeitig arrogante Verhalten in diesem Gedenkjahr leistet, ist eine unglaubliche politische Instinkt- und Taktlosigkeit - in unseren Tagen leider nicht die einzige von deutscher Seite gegenüber der Russländischen Föderation und ihren Menschen“, hieß es weiter.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Nikolaj Masalow in der Region Kemerowo. An jenem Tag - dem 30. April 1945 - hatte der Fahnenträger einer Gardeschützendivision, Sergeant Masalow, die Fahne seines Regiments zum Landwehrkanal gebracht. Später erinnerte er sich, es seien 50 Minuten bis zum Sturm auf Berlin geblieben, und in der Stille habe er ein kleines deutsches Mädchen weinen hören, welches nach ihrer Mutter gerufen habe. Er bat um Erlaubnis, das Kind retten zu dürfen. Der Bereich vor der Brücke habe unter Beschuss gestanden, und er sei gekrochen und habe sich an den Asphalt geklammert. Unter der Brücke sah er ein dreijähriges Mädchen neben ihrer getöteten Mutter sitzen. Die Soldaten beschützten ihn und er brachte das Kind weg. Masalow selbst wurde dann am Bein verletzt, erwähnte dies aber nicht und stand erneut am Banner des Regiments.
Masalows Heldentat bildete die Grundlage der Komposition für das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park. Die zentrale Skulptur von Jewgeni Wutschetitsch ist die Statue eines sowjetischen Soldaten: Mit der linken Hand hält er das von ihm gerettete deutsche Mädchen, drückt sie an seine Brust und hält in der rechten ein Schwert. Unter seinem Fuß ist ein gebrochenes Hakenkreuz zu sehen. Dieser Soldat wurde zum Symbol der Befreiungsmission der Sowjetunion und des Sieges über den Feind. Ebenfalls zu Ehren von Masalows Heldentat in Berlin wurde auf der Potsdamer Brücke über den Landwehrkanal eine Gedenktafel aus Kupfer angebracht.
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