Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Bei „Maischberger“: Fleischfresser, Maulkörbe und Söders Comeback

CC BY-SA 4.0 / © Raimond Spekking / (via Wikimedia Commons)Maischberger-Studio (Archivbild)
Maischberger-Studio (Archivbild) - SNA, 1920, 29.04.2021
Abonnieren
Selten für einen TV-Talk heutzutage: Das Wort „Corona“ fiel bei „Maischberger“ erst in der 47. Minute. Schwerpunkt der Sendung waren 100 Tage Biden – kein spannendes Thema, das Ex-Außenminister Gabriel genauso öde kommentierte. Entertainer Gottschalk war nach Kräften bemüht, die Runde zu bespaßen. Und gegen Ende kam dann eine echt kühne Prognose.
Natürlich behandelten die Studiogäste auch die Pandemie-Problematik, zu der gelangten sie aber erst nach Mitternacht. Zunächst kam eben US-Präsident Joe Biden, der von den Anwesenden erwartungsgemäß über den grünen Klee gelobt wurde. Am witzigsten gelang es wohl Thomas Gottschalk: „Ich glaube, dass man mit Biden zufrieden ist, weil er einiges so macht, wie Trump, also was die Leute an Trump gemocht haben, und da gab es ja einiges.“
Ausgerechnet die „Bild“-Journalistin Nena Schink, deren Arbeitgeber Bidens Vorgänger vier Jahre lang verteufelt hatte, sah sich verpflichtet, den neuen US-Präsidenten zu kritisieren: „Ich finde es immer schwierig, wenn als erstes die Reichen besteuert werden“, meinte sie. „Man braucht ja auch Anreize, dass junge Leute Unternehmer werden wollen!“ Wahrscheinlich tat sie das, um zu demonstrieren, wie die „Bild“ mottomäßig „unabhängig und überparteilich“ sein kann.

Gabriel spricht über Kartoffeln und Fleischfresser

Dann kam Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) ins Studio, der als jetziger Vorsitzender der Atlantik-Brücke als der am besten geeignete Kommentator zum Thema „100 Tage Biden“ gelten dürfte. Das Kernstück seiner Analyse: Mit Biden werden die Vereinigten Staaten „deutlich weniger europäisch und deutlich stärker pazifisch“. Das hieße, der Schwerpunkt der amerikanischen Außenpolitik würde sich in Richtung Japan, Südkorea, vor allem aber China verschieben.
„Die USA werden nicht mehr für uns die heißen Kartoffeln aus dem Feuer holen“, prophezeite Gabriel. „Sie erwarten, dass wir uns an ihre Seite stellen in der Auseinandersetzung mit China!“
Was für Kartoffeln Europa und speziell Deutschland (immerhin hat Gabriel von „uns“ gesprochen!) von den USA erwarten sollten – darauf ging der Ex-Außenminister nicht ein. Bei der Gastronomie blieb der gut genährte Politiker dennoch, als er auf die Stellung Europas in der Welt einging.
„Europa gilt in der Welt als reich, aber schwach. Wenn wir diese Schwäche nicht beseitigen, ist es weiter so, dass in der Welt die Fleischfresser mehr als die Vegetarier gelten!“
Wie sich aber Europa auf die Schnelle in einen Fleischfresser verwandeln soll, erklärte Gabriel nicht, denn eine militärische Stärke meinte er anscheinend nicht. Als Sandra Maischberger ihn auf eine europäische Armee ansprach, hatte der Ex-Minister nur Spott parat:
„Das kommt mir vor, als wenn jemand Golf spielen will, aber nicht mal Minigolf kann!“
Mit „Fleischfressern“ war natürlich auch Russland gemeint, das Gabriel als „ein schwaches Land, aber einen militärischen Koloss“ charakterisierte. „Ich habe Zweifel daran, dass wir einen Hebel in der Hand haben, um dieses Land zu verändern“, fügte er hinzu. „Deshalb rate ich dazu, den Mund nicht zu voll zu nehmen.“ Na, wenigstens das.

„Dann können wir uns gleich einsargen lassen“

Gabriel sprach insgesamt 23 Minuten, aber es wirkte irgendwie wie ewig – so wenig wirklich Neues kam aus seinem Mund. Etwas mehr Leben kam in die Sendung, als Gottschalk, Schenk und die „TAZ“-Journalistin Ulrike Herrmann über die Kanzlerkandidaten und -kandidatinnen diskutierten. Da regte sich zunächst die „Bild“-Journalistin mächtig auf, die auf keinen Fall Annalena Baerbock als Merkels Nachfolgerin sehen möchte: Erstens, weil sie „keinen Lehrling“ im Kanzleramt sehen wolle, und zweitens, weil die Grünen-Kandidatin eine Grün-Rot-Rot-Koalition immer noch nicht tabuisiert habe. „Solange sie das nicht gemacht hat, ist eine Stimme für die Grünen eine Stimme für die Linke", behauptete die junge Dame. Sollte es aber dennoch zu einer grün-rot-roten Koalition kommen, „können wir uns gleich einsargen lassen“, so die 29-Jährige.
Die „echt kühne Prognose“, die am Anfang dieses Textes angekündigt wurde, kam von Frau Herrmann, die für den kommenden Sommer eine „Revolte“ in der Union voraussagte, sollte Armin Laschet (CDU) weiterhin dermaßen hundsmiserabel bei den Umfragen abschneiden.
„Wenn die Umfragen bis Juni-Juli nicht oben sind, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass die CDU sehenden Auges in den Untergang geht“, behauptete sie.
Gottschalk gab seinen Senf dazu: Wenn Angela Merkel, Armin Laschet und Markus Söder nebeneinander sitzen und reden, sei Söder für ihn der einzige, den der TV-Entertainer „wirklich versteht“. „Um Gottes Willen, denke ich, wenn ich ihn verstehe – dann muss ich ein Populist sein?“
Die beiden Journalistinnen und der TV-Star einigten sich darauf, dass Söder nicht nur ein Populist, sondern auch ein „Pseudo-Popstar“ und ein „Opportunist“ sei, der „im Zweifelsfall über Leichen geht“ – und quasi eben deshalb viel größere Erfolgschancen hat als der handzahme Laschet. Womit sie eigentlich ein recht vernichtendes Urteil über die Qualitäten des deutschen Wahlvolkes gefällt haben.

Maulkörbe, Lauterbach-Ersatz und Horror-Bilder aus Indien

Dann wurde die Aktion #allesdichtmachen kurz angeschnitten. Gottschalk dazu: „Ich hätte wahrscheinlich mitgemacht und dann gleich erschreckt zurückgezogen, das kennt man ja von mir.“ Erschreckt habe ihn vor allem der durch die Aktion ausgelöste Shitstorm. „Es gibt heute einfach Maulkörbe, die relativ schnell auf einen niedersausen“, fügte er hinzu. „Ich trau mich nicht mehr."
Dies war auch der Übergang zum obligatorischen Thema „Corona“. Mangels Karl Lauterbach (SPD), der gerade an einer Augenkrankheit laboriert, sonst aber bei ziemlich jedem TV-Talk zu diesem Thema dabei ist, wurde die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff für die Sendung organisiert, die faktisch den üblichen Lauterbach-Text artikulierte. Die neuen Mutanten seien zu wenig erforscht, etwaige Lockerungen in Deutschland wären frühestens in sechs Wochen denkbar. Illustriert wurden diese Aussagen durch Horror-Videos aus Indien, wo Corona-Leichen momentan rund um die Uhr paketweise unter freiem Himmel verbrannt werden müssen – durchaus wirksame Gute-Nacht-Bilder für sensible Zuschauer.
Der Schauspieler Jan Josef Liefers gibt seinen Statement zu Corona-Politik und Medien bei #allesdichtmachen ab - SNA, 1920, 26.04.2021
Diktatur-Check bei der ARD – Berufsverbot für #allesdichtmachen-Promis?
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала