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Durch Fisch zu Klimazielen? Deutscher Fischereiverband fordert Ernährungswende

© CC0 / Herm / PixabayGegrillte Fische
Gegrillte Fische - SNA, 1920, 29.04.2021
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Fisch, insbesondere regional von Hand geangelter, ist nicht nur gesund, sondern auch gut fürs Klima und übertrifft dabei jedes andere tierische Protein und sogar manches Gemüse. Darauf macht der Deutsche Fischereiverband aufmerksam und fordert mehr Fisch auf dem Tisch. Allerdings geht das nur mit mehr Aquakultur – und da ist die Bilanz anders.
Am Montag hat der Bürgerrat Klima seine Tätigkeit aufgenommen, der die Bundesregierung in Klimaentscheidungen begleiten, unterstützen und womöglich auch korrigieren wird. Neben der Frage um fossile Brennstoffe und direkte CO2-Emissionen wird es sicher auch um indirekte CO2-Emissionen gehen, die zwar vor Ort nicht entstehen, aber in die Produktionskette durchaus einfließen. Diese nennt man den CO2-Fußabdruck von Produkten, und es gilt, ihn aus klimapolitischer Sicht so gering wie möglich zu halten oder an anderen Stellen zu kompensieren.

Mit Fischen zum Klima

In diese Debatte hat sich eine ungewohnte Stimme eingeschaltet, um dem Bürgerrat einen Tipp mit Blick auf Ernährung zu geben: der deutsche Fischereiverband. Fisch, so der Verband, sei nämlich nicht nur nachweislich ein sehr gesundes Nahrungsmittel, sondern auch eine recht klimafreundliche Angelegenheit.
Konkret führt der Verband eine wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 2018 an, bei der verschiedene Proteinquellen mit Blick auf Energiegehalt, Umweltfolgen und Klimabilanz untersucht wurden. Dabei konnten die Autoren zeigen, dass wildgefangener Fisch überwiegend eine bessere Klima- und Umweltbilanz hat als das meiste andere tierische Protein und sogar manches Gemüse.

Weniger CO2 als tierische Produkte

Der Hintergrund ist einfach: Während bei der Tierhaltung CO2 in die Düngemittelproduktion für das Futtermittel, in die Ernte und den Transport zum Bauern, in die Herstellung von Ställen und vieles weitere fließt – fällt das alles beim wild aufwachsenen Fisch weg. Hier schlägt auf die CO2-Bilanz der Antrieb des Schiffs, die eingesetzte Fangmethode und der Transport bis zum Verbraucher, den Fisch mit Fleisch gemein hat. Auch beim Gemüseanbau stehen viele Maschinen hinter der finalen Ernte – und produzieren CO2.
Der Fischereiverband führt in diesem Zusammenhang auch eine Lancet-Studie aus dem Jahr 2019 an, die sowohl die gesundheitlichen Vorteile von Fisch betont als auch seine Umweltseiten beleuchtet. Empfohlen für eine gesunde Ernährung werden 200 Gramm die Woche, aber manche Experten empfehlen laut Fischereiverband sogar 100 Gramm am Tag. Global betrachtet sollten 50 Prozent mehr Fischprodukte angeboten werden, finden die Lancet-Experten.
Aber wie war das mit der Überfischung der Meere? SNA News hat beim Deutschen Fischereiverband nachgefragt und das Ergebnis lautet: Steigerung in den Weltmeeren sei möglich, momentan seien 80 Prozent der nachhaltig bewirtschafteten Fischbestände ausgeschöpft. Aber hier gelte es auch, die Transportwege zu beachten. Wenn ein Fisch von weit her kommt, dann fallen die Transportwege und Kühlketten schwerer ins Gewicht und führen zu einer schlechteren Klimabilanz.

CO2-Bilanz: Wie kommt der Fisch bis zum Tisch?

Der Präsident des Verbands, Gero Hocker, bemerkt dazu auch: „Die beste Klimabilanz hat zweifellos ein Fisch, wenn ein Angler zu Fuß zum Gewässer geht oder mit dem Fahrrad fährt und den geangelten Fisch selbst beziehungsweise mit der Familie verzehrt. Das aktuell wachsende Interesse an der Angelfischerei hat also auch klimapolitisch einen Nutzen.“
Umgekehrt gilt: Es müsste ein Zuwachs an Aquakulturen erfolgen. Deren Image ist aber wegen des Einsatzes von Antibiotika und Bildern von verletzten und kranken Fischen in solchen Kulturen ziemlich angeschlagen. Aber auch vom CO2 her schneiden Aquakulturen schlechter als Wildfang ab, denn auch hier besorgen Maschinen die Aufzucht, zuweilen muss das Wasser auch erwärmt werden, was energieintensiv ist.
In derselben Lancet-Studie wird auch betont, dass zum Beispiel Wels-Aquakultur ähnlich CO2-intensiv ist wie Rinderaufzucht. Dagegen ist die Aquakultur von Weichtieren laut den Autoren eine sehr klimafreundliche Variante. Es hängt auch von der eingesetzten Technik ab: „Traditionelle Erdteiche und Netzgehege schneiden in der Regel besser ab als Kreislaufanlagen mit technischer Wasseraufbereitung“, so der Fischereiverband.
Wenn also mehr Fisch auf den globalen Tisch soll und dann gleich 50 Prozent mehr, dann sollte der Bürgerrat, und wer sich sonst mit diesen Fragen beschäftigt, die Dinge differenziert angehen.
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