Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Drosten gibt vorerst Entwarnung wegen Indien-Mutante

© AP Photo / Michael SohnVirologe Christian Drosten (Archivbild)
Virologe Christian Drosten (Archivbild) - SNA, 1920, 28.04.2021
Abonnieren
In Indien schießen die Fallzahlen in die Höhe. Und eine Virusvariante wird entdeckt. Hat sie die Lage verursacht? So einfach ist es aus Sicht des Experten für Coronaviren, Christian Drosten, nicht.
Der Virologe Christian Drosten zeigt sich angesichts der bisherigen Erkenntnisse über die indische Corona-Variante B.1.617 weiter relativ gelassen. Anhand der sehr kleinen verfügbaren Datenbasis lasse sich schließen, dass die Mutante nicht allein die heftige Infektionswelle in dem Land verursache, „sondern das ist mehr eine bunt gemischte Virus-Population“, sagte der Wissenschaftler von der Charité in Berlin im Podcast „Coronavirus-Update“ (NDR-Info) vom Dienstagabend. Auch die ansteckendere Variante B.1.1.7, die mittlerweile hierzulande dominiert, sei stark vertreten.

Immunflucht

In Indien kommen derzeit aus Sicht Drostens mehrere Effekte zusammen: Herdenimmunität sei dort einer Studie zufolge bei weitem noch nicht erreicht gewesen. Es werde nun eine Bevölkerung durchseucht, die schon ein bisschen die Anfangsimmunität aus den bisherigen Wellen zu verlieren beginne, sagte der Virologe. Gleichzeitig sei die Variante B.1.617 etwas verbreitungsfähiger und robuster gegen die Immunität. In der Fachsprache ist von Immunescape (Immunflucht) die Rede. Diese Eigenschaft sei bei B.1.617 leicht ausgeprägt. Das sei auch im Vergleich mit anderen Varianten „nichts, was einen wirklich groß beunruhigt“.
Virologe Christian Drosten - SNA, 1920, 31.03.2021
Virologe Drosten rät zu „Holzhammer-Lockdown“: Situation sehr ernst und kompliziert

„In der Medienbewertung überschätzt“

Im Moment halte er die Variante B.1.617 „in der Medienbewertung (für) überschätzt“, sagte Drosten. Auch gebe es keine Belege, dass Menschen durch sie schwerer erkrankten. „Wenn viele Leute zur gleichen Zeit infiziert werden, dann hat man auch bei den jüngeren Altersgruppen auf einmal, absolut gesehen, ganz viele Kranke in einem kurzen Zeitfenster.“ In Indien sei zudem die Grundgesundheit der Bevölkerung weniger gut als in Deutschland, was den Effekt der jüngeren Bevölkerung wieder etwas ausgleiche. Drosten machte aber deutlich, dass sich der Sachstand ändern kann:

„Es kann sein, dass in zwei Monaten sich herausstellt, dass doch irgendwas ist mit diesem Virus.“

Christian Drosten
Virologe

Impf-Auffrischung nötig

Zum Thema Impfen sagte der Virologe, es könne jetzt schon geplant werden, dass in Deutschland „mehr als nur sehr eng umgrenzte Risikogruppen“ zum Winter hin eine einmalige Auffrischung bekommen – wie bei der Grippeschutzimpfung. Wahrscheinlich könnten dann bereits Impfstoffe mit einem Update zu neuen Varianten zum Einsatz kommen.
Bestimmte Antikörper auf der Schleimhaut von Genesenen und Geimpften ließen mit der Zeit wieder nach, erläuterte der Virologe. Es gehe aber nicht um Schwarz-Weiß-Effekte. Wie lange dieser Schleimhaut-Schutz nach einer Corona-Impfung hält, sei noch nicht bekannt. Aber in Grenzen könnten auch Geimpfte eine gewisse Zeit nach der Impfung wieder zur Weitergabe des Virus beitragen. Wie effizient diese Weitergabe ist, sei aber noch unklar.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала