Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Deutsch-russische „romantische Familie“ zeigt Träume von Freiheit – Ausstellung in Tretjakow-Galerie

© SNA / Nikolaj JolkinDeutsch-Russische „romantische Familie“ zeigt Träume von Freiheit - Ausstellung in Tretjakow-Galerie
Deutsch-Russische „romantische Familie“ zeigt Träume von Freiheit - Ausstellung in Tretjakow-Galerie - SNA, 1920, 28.04.2021
Deutsch-Russische „romantische Familie“ zeigt Träume von Freiheit - Ausstellung in Tretjakow-Galerie
Abonnieren
In der Moskauer Tretjakow-Galerie wurde die Offline-Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ eröffnet. Der Sonderbeauftragte des russischen Präsidenten für internationale kulturelle Zusammenarbeit, Michail Schwydkoi, nannte sie ein Event von europäischem Ausmaß und einen Höhepunkt des Deutschlandjahres in Russland.
Und dass es im Vorfeld des 80. Jahrestages des Überfalls Nazideutschlands auf die Sowjetunion passiere, zeuge von dem Vertrauen zwischen den beiden Ländern und von einer großen Versöhnung, so Schwydkoi. „Und diesen Wert dürfen wir nicht verlieren. In einigen Momenten haben wir uns auf das konzentriert, was uns trennt, aber wir müssen mehr Wert darauf legen, was uns verbindet. In diesem Sinne ist diese Ausstellung sehr wichtig. Die russisch-deutschen Beziehungen sind nicht nur das Ergebnis politischer, sondern viel mehr menschlicher Beziehungen, und diese Ausstellung beweist es in vollen Zügen.“
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer setzte diesen Gedanken fort, indem er sagte: „Es ist wirklich eine wunderbare Möglichkeit zu zeigen, was uns verbindet, Russland und Deutschland, Russland und Europa. Was wir hier erleben, ist nicht nur die Betrachtung von Bildern, die Auseinandersetzung von Komposition, sondern es geht um eine inhaltliche Auseinandersetzung. Was bedeutet Freiheit? Welchen Freiheitsbegriff haben wir? Wie verändert sich Freiheit? Was bedeutet die Abwesenheit von Freiheit? Wie halten wir es mit den verschiedensten europäischen Werten, die uns doch so sehr verbinden?“

Vielfalt des Deutschlandjahres 2020/21

„Miteinander und Vielfalt, darum geht es auch im Deutschlandjahr hier in Russland“, unterstrich der Botschafter Deutschlands in Russland, Géza Andreas von Geyr. „Seit September ist schon viel passiert, gut 500 Veranstaltungen, große und kleine, in den Metropolen und in den Regionen, vieles virtuell, manches hybrid und jetzt auch immer mehr reell. Wir bringen viel Deutschland nach Russland, zeigen unsere Kultur, Wissenschaft und die Exzellenz unserer Wirtschaft. Wir wollen unser Land Deutschland den Menschen in Russland so nahe bringen, wie es ist, kein Idealbild, sondern die Vielfalt zeigen. Die Vielfalt der Kultur und ebenso die Vielfalt der Meinungen, des Diskurses, des respektvollen Suchens nach den besten Lösungen.“
„Wir wollen Begegnungen zwischen Deutschen und Russen ermöglichen, die so wichtig sind“, fügt er hinzu. „Die Ausstellung zeigt, wie nahe sich die Künstler in ihren Träumen von Freiheit waren, in ihren Träumen, wenn sie Unfreiheit gefühlt haben. Diese Ausstellung ist ein guter, ein ehrlicher Dialog zwischen Deutschland und Russland, ein europäischer Dialog.“ Der deutsche Botschafter brachte den Wunsch zum Ausdruck, dass dies auch auf andere Bereiche der deutsch-russischen Beziehungen ausstrahle, „auch auf unser gemeinsames Verständnis von Europa und auch auf unser gemeinsames Verständnis von Freiheit. Leider gibt es aktuell viele, zu viele Themen zwischen uns, die brisant sind und bei denen wir uns Sorgen machen. Wenn wir diese Sorgen offen und klar ansprechen, dann deshalb, weil wir wollen, dass Gemeinsamkeit gut funktioniert.“

Wir sind eine romantische Familie geworden

Auch die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, stellte fest: „Während unserer Arbeit in Moskau und Dresden sind wir eine romantische Familie geworden.
© SNA / Nikolaj JolkinMarion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden - SNA, 1920, 28.04.2021
Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Wir haben die gleichen Themen. Wie man in Russland sagt, das Erwachen der Seele, das Individuum tritt zum Vorschein. Die gewaltige Natur, der einzelne Mensch angesichts der Natur, die Nachtlandschaften bei Mondschein, ob in Dresden oder von russischen Städten oder, als gemeinsames Thema, Rom. Und dann die Erfahrungen der Pandemie. Wir sind alle gemeinsam sensibilisiert dafür, was es bedeutet, einsam, eingeschlossen zu sein. Und dann kommt auf dem Bild das aufgestoßene Fenster mit dem Blick ins Freie, ein zentrales Motiv der Romantik. Auch das betrifft uns mehr denn je, wenn wir diese Werke anschauen.“
Marion Ackermann verwies darauf, dass man in Deutschland oder in Russland von der jeweiligen anderen Kunst der Romantik wenig weiß. „Bei uns kennt man großartige Schriftsteller – Puschkin, Tolstoi, Dostojewski, aber die Malerei eigentlich nicht. Kennt man in Deutschland Iwanow oder Wenezianow oder Worobjow? Nein, man kennt sie nicht. Und umgekehrt. Wir haben erkannt, dass wir unsere beiden Sammlungen zusammenbringen und vergleichend untersuchen müssen, was eigentlich Romantik in unseren beiden Ländern ausmacht.“
© SNA / Nikolaj Jolkin

Caspar David Friedrich„Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“

Caspar David Friedrich„Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ - SNA
1/8

Caspar David Friedrich„Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“

© SNA / Nikolaj Jolkin

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie - SNA
2/8

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

© SNA / Nikolaj Jolkin

Wassili Tropinin „Gitarrenspieler“

Wassili Tropinin „Gitarrenspieler“ - SNA
3/8

Wassili Tropinin „Gitarrenspieler“

© SNA / Nikolaj Jolkin

Ferdinand Hartmann „Knochenmann, der die Kinder entführt“

Ferdinand Hartmann „Knochenmann, der die Kinder entführt“ - SNA
4/8

Ferdinand Hartmann „Knochenmann, der die Kinder entführt“

© SNA / Nikolaj Jolkin

Nikita Saizew „Atelier eines Malers“

Nikita Saizew „Atelier eines Malers“ - SNA
5/8

Nikita Saizew „Atelier eines Malers“

© SNA / Nikolaj Jolkin

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie - SNA
6/8

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

© SNA / Nikolaj Jolkin

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie - SNA
7/8

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

© SNA / Nikolaj Jolkin

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie - SNA
8/8

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

1/8

Caspar David Friedrich„Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“

2/8

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

3/8

Wassili Tropinin „Gitarrenspieler“

4/8

Ferdinand Hartmann „Knochenmann, der die Kinder entführt“

5/8

Nikita Saizew „Atelier eines Malers“

6/8

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

7/8

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

8/8

Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie

Wenn man durch die Ausstellung geht und die Beschilderungen nicht liest, kann man oft nicht entscheiden, wo was gemalt worden ist. So viel haben die Künstler gemeinsam. Es gebe aber auch Unterschiede, merkt Ackermann an. „Es gibt auch eine leichte Verschiebung. Die Romantik setzt zuerst in Deutschland um 1800 ein, in Russland etwas später. Und es ist eben doch sehr wichtig, die Differenzierungen wahrzunehmen.“
Die Direktorin der Tretjakow-Galerie, Selfira Tregulowa, sprach über ihr Verständnis der Ausstellung: „Sie dokumentiert die Geburt der modernen Kreativität, die Geburt einer komplexen dualistischen widersprüchlichen Sicht der Welt, in der Träume und Enttäuschungen zu einem Ganzen kombiniert werden.“ Ihre Amtskollegin aus Dresden hebt auch die Kreativität hervor „und damit auch den Beginn der Moderne. Ich würde auch einen anderen Aspekt der Ausstellung nennen, nämlich das Verhältnis des Menschen zur Natur, ein Thema, das heute die Menschen sehr stark beschäftigt. Der einzelne Mensch, zurückgeworfen auf sich selbst im Angesicht der gewaltigen Natur.“

Mehr Gemeinsamkeiten zwischen der russischen und der deutschen Kunst als Unterschiede

Der deutsche Ausstellungskurator Holger Birkholz meinte im SNA-Gespräch: „Als wir angefangen haben zu arbeiten, haben wir gemerkt, wir haben zum Teil ganz unterschiedliche Ansichten in der wissenschaftlichen Herangehensweise an die Romantik. Und darüber haben wir viel diskutiert. Und wir haben uns angeschaut, was in der jeweils anderen Sammlung ist. Wir haben überlegt, wie bringen wir das zusammen? Und wir haben dann festgestellt, es gibt eigentlich mehr Gemeinsamkeiten zwischen der russischen und der deutschen Kunst als Unterschiede.“
© SNA / Nikolaj JolkinHolger Birkholz, Kurator der Ausstellung
Holger Birkholz, Kurator der Ausstellung - SNA, 1920, 29.04.2021
Holger Birkholz, Kurator der Ausstellung
Der Kunstwissenschaftler weiter: „Die Nachtlandschaften und überhaupt die neue Begeisterung für Landschaftsmalerei, aber auch eine bestimmte Entdeckung der Persönlichkeit in Porträts, ein neues Kinderbild in der Zeit, wenn sich Kinder viel stärker als Persönlichkeiten begreifen. Und so haben wir dann eben diese Kapitel der Ausstellung zusammengestellt. Das sind zum einen inhaltliche Kapitel wie Heimat oder Italien als Wahlheimat, aber auch Porträts. Und zum anderen sind das politische Themen, die uns interessieren.“

Die Sehnsucht nach mehr Freiheit

Es sei etwas Neues für die Romantik, so Birkholz, dass „wir in den Gemälden der Romantik nach der politischen Lage suchen. Wir sehen, dass die Künstler oft in ihrer Heimat unter schwierigen Bedingungen gelebt haben und dass sie sich dann dafür entschieden haben, nach Italien zu gehen, wo sie freier leben konnten und wo sie auch neue Themen für die Kunst entdecken konnten. Die Romantik ist auch eine Zeit extremer Konflikte. Es ist der Russlandfeldzug Napoleons. Wir haben die Stiefel in der Ausstellung, die Napoleon bei seinem Russlandfeldzug getragen hat.
© SNA / Nikolaj JolkinAusstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie
Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie - SNA, 1920, 28.04.2021
Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ in der Tretjakow-Galerie
Es ist eine Zeit, die stark von konservativen Regierungen geprägt ist. Und wenn man sich Bilder der Romantik anschaut, dann denkt man, es ist so viel freie Landschaft da, weil, und das ist eben durchaus auch politisch zu verstehen, in der Freiheit der Landschaft die Sehnsucht nach mehr Freiheit, der Traum von Freiheit zum Ausdruck kommt.“

Sind Träume von Freiheit für Deutschland noch aktuell?

„Unbedingt“, ist sich Birkholz sicher. „In ganz Europa spielt Freiheit eine wichtige Rolle, ähnlich, wie das in der Zeit der Romantik ist. Freiheit kann – wie viele große Begriffe – sehr unterschiedlich gebraucht werden. Es gibt eine künstlerische Freiheit in der Romantik, wie sie in den Ölstudien, die wir in der Ausstellung zeigen, zum Ausdruck kommt. Aber es gibt auch das Ringen um politische Freiheit, die beispielsweise bei den Dekabristen in Russland oder bei den Befreiungskriegen bei uns vorkommt.“
© SNA / Nikolaj JolkinSelfira Tregulowa, Direktorin der Tretjakow-Galerie im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Sachsens Michael Kretschmer
Selfira Tregulowa, Direktorin der Tretjakow-Galerie im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Sachsens Michael Kretschmer - SNA, 1920, 28.04.2021
Selfira Tregulowa, Direktorin der Tretjakow-Galerie im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Sachsens Michael Kretschmer
„Wenn man die Monarchien nach der Niederschlagung Napoleons nach den Befreiungskriegen gefragt hätte“, urteilt der Kunstwissenschaftler, „was das Wiedererrichten der Monarchien bedeutet, dann hätte man auch gesagt, es ist Freiheit. Wenn man bedenkt, dass es in Deutschland gerade – insbesondere bei sehr, wie soll man sagen, sehr konservativen, rechten Gruppen, die sich gegen die Corona-Maßnahmen aussprechen – darum geht, dass auch sie eine Freiheit fordern, nämlich eine, keine Maske zu tragen, dann merkt man, wie stark heute noch der Begriff Freiheit in Europa, und zwar in ganz Europa, auch in Deutschland, polarisiert.“
Die gleiche Ausstellung wie in Moskau wird im Oktober in Dresden gezeigt. Bei dieser Gelegenheit hofft Michael Kretschmer, sich mit Putin zu treffen. Die Einladung wurde schon ausgesprochen. „Die Menschen in Sachsen werden sich freuen“, so der Ministerpräsident. Auch Deutschland wurde als Gastland zum Petersburger Internationalen Kulturforum im November eingeladen.
Blutsauger (2021), Regie: Julian Radlmaier - SNA, 1920, 27.04.2021
Kapitalisten sind Blutsauger. Klare Botschaft des deutschen Wettbewerbers beim Moskauer Filmfestival
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала