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#allesdichtmachen spaltet das Land

© AP Photo / Hermann J. KnippertzUlrich Tukur (Archivfoto)
Ulrich Tukur  (Archivfoto) - SNA, 1920, 26.04.2021
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#allesdichtmachen war privat und in den Medien die wohl meistdiskutierteste Aktion am Wochenende. Wie so oft beim Thema Corona-Maßnahmen, waren die Fronten der Befürworter und Kritiker meist verhärtet. Viele beteiligte Schauspieler haben ihre Clips inzwischen zurückgezogen.
Rund 50 prominente Film- und Fernsehschauspieler haben am Donnerstagabend mit einer großangelegten Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen für Aufsehen gesorgt. Auf Instagram und der Videoplattform YouTube verbreiteten sie ironisch-satirische Clips mit persönlichen Statements zur Corona-Politik der Bundesregierung. Künstler wie Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts, Heike Makatsch oder Jan Josef Liefers beteiligten sich an der Aktion.

Die Ersten knicken ein

Dies löste sowohl eine Welle der Begeisterung als auch eine Woge an Kritik, Entsetzen und Hass bis hin zu Morddrohungen und zur Forderung nach Berufsverbot für die Beteiligten aus. Das scheint seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Inzwischen haben 19 der ursprünglich 53 an der Aktion beteiligten Schauspieler ihre Videoclips zurückgezogen.
„Tatort“-Kommissarin Ulrike Folkerts schreibt auf Instagram:

„Ich habe einen Fehler gemacht, ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert."

Die Aktion sei „schiefgegangen und unverzeihlich“.
Ihre Kollegin Heike Makatsch schreibt ebenfalls auf Instagram:

„Ich erkenne die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgeht, und will niemals das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen schmälern und sie womöglich dadurch verletzen. Sollte das geschehen sein, so bitte ich um Verzeihung.“

Auch Makatsch hat ihren Clip inzwischen gelöscht.
Ähnlich äußerte sich zuvor Tatort“-Schauspielerin Meret Becker auf Instagram.

„Aber diese Aktion ist nach hinten losgegangen. Ich entschuldige mich dafür, dass das falsch verstanden werden konnte.“

Die Schauspielerin hatte aufgrund ihrer Beteiligung an der Aktion Morddrohungen erhalten.

Liefers bekommt Schützenhilfe von Laschet

Andere Beteiligte stehen nach wie vor zu der Aktion und verteidigen sie. Jan-Joseph Liefers, ebenfalls „Tatort“-Schauspieler, distanzierte sich zwar in einer nachträglichen Klarstellung auf Facebook und Twitter von „rechtem Gedankengut“, hielt jedoch an seiner Kritik an den Corona-Maßnahmen fest.
Unter anderem verteidigte Liefers die Aktion Freitagabend in der NDR/RB-Talkshow „3nach9“, wo er sagte:

Es gibt nicht nur auf der Seite der Erkrankten Trauer und Leid, sondern auch auf der Seite derer, die unter diesen Maßnahmen womöglich anfangen zu leiden. Die sehe ich nicht so richtig vertreten.“

Der ebenfalls geladene CDU-Chef und -Kanzlerkandidat Armin Laschet appellierte an die Toleranz der Gesellschaft:

„Ich glaube, dass es berechtigt ist, auch die anderen Opfer der Pandemie einmal zu nennen…Man darf das sagen in einem freien Land. Man muss es nicht teilen, man kann sagen, es ist geschmacklos – ich sage das nicht –, aber man kann das sagen.“

Laschet zeigte sich entsetzt über die Reaktionen auf #allesdichtmachen:

„Was ganz schlimm ist: immer, wenn jemand so etwas sagt, zu sagen: das ist rechts.“

Laschet zeigte sich auch empört über die Forderung des SPD-Politikers und WDR-Rundfunkrates Garrelt Duin, Schauspieler wie Liefers und Ulrich Tukur nicht mehr für die öffentlich-rechtlichen Medien arbeiten zu lassen. Laschet bezeichnete dies in der Talkshow alsunglaubliche Aussage“.

Tukur als Hofnarr

Während Liefers sich im Laufe des Wochenendes gegenüber vielen Medien der Kritik stellte, lehnte sein Kollege, der „Tatort“-Schauspieler Ulrich Tukur, alle Medienanfragen ab. Lediglich gegenüber dem Schweizer Blatt „Neue Zürcher Zeitung“ begründete er seine Absage schriftlich. Tukur schreibt:
„Es ist seit alters her das Privileg des Gauklers, dem Herrscher einen Spiegel vorzuhalten und in seiner (überspitzten) Art auf Missstände aufmerksam zu machen. Man muss das nicht kommentieren. Meine Kollegen und ich wollten lediglich ein Fenster in diesem trägen Haus aufreißen und frische Luft hereinlassen. Und jetzt gehen sich alle gegenseitig an die Gurgel. Schade. Ich hätte mir eine offene Diskussion um diese erratische und kontraproduktive Corona-Politik gewünscht, die ohne Not so viele Existenzen ruiniert. Dass eine Pandemie existiert und Menschen Not leiden und Angst haben und keiner der politisch Verantwortlichen Böses will, steht für mich außer Frage. Es steht für mich allerdings auch außer Frage, dass es besser ist, sich zurückzuziehen, wenn eine vernünftige Auseinandersetzung, von mir aus auch ein zünftiger Streit, nicht mehr möglich sind.“

„98 Prozent sagen Danke“

Als „Mastermind“ hinter #allesdichtmachen gilt in Zusammenarbeit mit einer Agentur der Fernsehregisseur Dietrich Brüggemann. Dem Fernsehsender „ntv“ sagte er am Wochenende, dass er mit ablehnenden Reaktionen gerechnet habe:
„Unser Land ist momentan so zwiegespalten, dass die Aktion von einem Teil der Leute überhaupt nicht verstanden werden kann. Sie fühlen sich davon ungeheuer vor den Kopf gestoßen, ins Gesicht geschlagen und so weiter. Es ist für sie unbegreiflich, wie man so was machen kann. Wir leben in zwei völlig voneinander getrennten Sphären in diesem Land. Und der andere Teil hat uns sehr, sehr gut verstanden. Die E-Mail-Adresse der Seite wird überschüttet mit Nachrichten, 98 Prozent davon sagen Danke.“
Der „Tatort“-Regisseur lässt keinen Zweifel daran, dass er weiter zu der Kritik an den Corona-Maßnahmen steht. In einem emotionalen elfteiligen Tweet bezeichnet er die Kritiker an der Kampagne als „Lynchmob“.

Angst essen Seele auf

Volker Bruch, deutsch-österreichischer Schauspieler, bekannt vor allem als Kommissar Gereon Rath in der Fernsehserie „Babylon Berlin”, hatte sich ebenfalls an #allesdichtmachen beteiligt, mit einem Clip zum Thema Angst.
Im Interview mit dem Magazin „1bis19“ schien Bruch bereits Ende März die Reaktionen auf #allesdichtmachen vorauszuahnen:
„Was passieren kann, wenn man sich als Person des öffentlichen Lebens kritisch äußert? Dass man keine Jobs mehr bekommt, dass man nicht mehr angestellt wird, dass man diskreditiert wird. Dass man in irgendwelche Ecken geschoben wird, rechts oder Aluhut. Und auf einmal steht das in Wikipedia. Und selbst wenn man es zurückverfolgt und es revidiert wird, hat man es trotzdem an sich kleben und wird es auch nicht mehr los. Davor haben sicher viele erschreckenderweise sogar berechtigte Angst. Aber wenn ich zu lange nichts sage, habe ich das Gefühl, dass ich dem zustimme, was aktuell der Konsens ist…”
Konsens TV - SNA, 1920, 24.04.2021
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