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35 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl: Strenge Maßnahmen erforderlich

© SNA / StringerTouristen nahe dem AKW Tschernobyl (Archivbild)
Touristen nahe dem AKW Tschernobyl (Archivbild) - SNA, 1920, 26.04.2021
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Seit der Explosion des Reaktors im Kernkraftwerk Tschernobyl sind 35 Jahre vergangen. Über die Tragödie wird immer noch gesprochen und werden Filme gedreht. Wie gefährlich sind die getroffenen Gebiete und welche Schlussfolgerungen müssen gezogen werden, damit sich die größte technologische Katastrophe des 20. Jahrhunderts nicht wiederholt?
Am 26. April 1986 um 01:23 Uhr Ortszeit kam es im 4. Kernkraftblock Tschernobyl zu einer Explosion und einem Brand, die den Reaktor vollständig zerstörten. Das Kraftwerksgebäude stürzte teilweise ein, in verschiedenen Räumen und auf dem Dach begann ein Feuer. Anschließend schmolzen die Reste des Kerns, eine Mischung aus geschmolzenem Metall, Sand, Beton und Brennstofffragmenten verteilte sich über die Räume unter dem Reaktor.

Nach der Explosion

Infolge des Unfalls wurden radioaktive Substanzen in die Umwelt freigesetzt, darunter Isotope von Uran, Plutonium und Jod-131. Mehr als 200.000 Quadratkilometer waren radioaktiver Kontamination ausgesetzt, davon 70 Prozent auf dem Territorium der Ukraine, Weißrusslands und Russlands. Die radioaktive Wolke erreichte Österreich, Bulgarien, Ungarn, Italien, Norwegen, Polen, Rumänien, England, Griechenland, Deutschland, Finnland, Schweden und Jugoslawien.
Detaillierte Beschreibungen der Ursachen und Umstände der Katastrophe wurden in einem Bericht vorgestellt, der im August 1986 auf einer Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) vorgelegt wurde. Der auf 450 Seiten gedruckte Bericht wurde in Wien vom Akademiemitglied Walery Legasow, dem sowjetischen Chemiker und Mitglied der Regierungskommission zur Beseitigung der Folgen der Tschernobyl-Katastrophe, präsentiert. Vom ersten Tag an überwachte Legasow selbst die Arbeiten am Ort der Explosion des Reaktors. Seine Rede dauerte sechs Stunden und hatte einen atemberaubenden Effekt. Er begann mit den Worten „Ich bin hierhergekommen, um keine Ausreden zu machen“ und berichtete dann offen und unbefangen über alles, was geschehen war. Er wurde mit Ovationen geehrt, ihm wurde angeboten, Vorträge an den besten Instituten der Welt zu halten. Aber Legasow kehrte nach Moskau zurück, bald starb er.
In der Zeit von Juli bis November 1986 wurde eine Schutzhülle aus Beton (Sarkophag genannt) um den havarierten Reaktor gebaut, mehr als 50 Meter hoch und 200 Meter breit, die den Austritt von Radioaktivität verhindern sollte.
Atomkraftwerk Tschernobyl. Archivfoto - SNA, 1920, 24.02.2021
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Sind die betroffenen Gebiete heute für das Leben geeignet?

Es ist bekannt, dass die Halbwertszeit des Hauptschadstoffes aus Tschernobyl – Cäsium-137 – circa 30 Jahre beträgt. Daher tauchten kürzlich Berichte auf, dass Menschen in die umgesiedelten Gebiete zurückkehren, Touren zu verlassenen Orten in der Nähe des Reaktors organisieren und eine reiche Ernte an Beeren und Pilzen sammeln. Ist die Region wirklich sicher geworden?
„Während des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl wurden riesige Gebiete verschmutzt –mit einer Bevölkerung von sieben Millionen Menschen. In einigen Regionen ist die Kontamination bereits auf ein sicheres oder nahezu sicheres Niveau gesunken. In einigen Orten ist aber nicht nur das Wohnen, sondern auch der Aufenthalt immer noch gefährlich“, kommentiert Oleg Manujlo, Leiter des Departements für Zivilschutz des Katastrophenschutzministeriums Russlands, den russischen Medien gegenüber.

Fachleute fordern strenge Vorschriften

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ist immer noch heiß umstritten. Neue Filme helfen, das Interesse für das Thema aufrechtzuerhalten, und locken Abenteuerlustige an. Vor zwei Jahren hat die ukrainische Regierung Tschernobyl für den Tourismus freigegeben. Wie sicher ist der Ort aber für sie? Wissenschaftler zählen ihre Gründe auf. Fachleute fordern strenge Vorschriften für Besucher der Sperrzone. Ungeachtet dessen, dass sich die Gamma-Dosisleistung in einigen Orten fast normalisiert hat, gibt es immer noch Abschnitte der lokalen Strahlungsverunreinigung, argumentiert Natalia Schandala, stellvertretende Generaldirektorin des medizinischen biophysikalischen Burnasjan-Zentrums in Moskau.
„Damit der Reiseverkehr ungefährlich ist, muss man bestimmte Vorschriften für den Besuch der kontaminierten Region erarbeiten: das betrifft das Verhalten der Besucher, festgelegte Reiserouten und zeitliche Abstände für den Besuch der Sperrzone. Auch verwahrloste baufällige Gebäude in der Sperrzone von Tschernobyl stellen eine große Gefahr dar. Die Stadt Pripjat zählte 50.000 Einwohner und die stadtähnliche Ortschaft Tschernobyl 12.000 Einwohner. Es gibt dort viele sechs- und neunstöckige Häuser, die jederzeit einstürzen können. Immer läuft man Gefahr, dass irgendein Tourist von der Wanderroute abweicht und unter die Trümmer gelangt.“
Die Mitarbeiter des Burnasjan-Zentrums haben noch zu Sowjetzeiten die an Tschernobyl anliegenden Gebiete nach der Reaktorkatastrophe untersucht. 35 Jahre nach der Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl haben sich viele Radionuklide, darunter Cäsium und Strontium, verringert. Alle kurzlebigen Nuklide – Zerium, Zirkonium, Niobium und das berühmte radioaktive Jod-Isotop 131 – sind zerfallen und es gibt keine Spuren von ihnen in der infizierten Zone. Es bestehe aber das Problem mit Plutonium, dessen Zerfallsperiode eintausend Jahre beträgt, so die Wissenschaftlerin.
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Lehren aus der Tragödie

In den letzten Jahren habe es keine praktische Interaktion zwischen den Rettungsdiensten Russlands und der Ukraine zum Tschernobyl-Problem gegeben, sagte Oleg Manujlo. Im Falle einer Notlage in den angrenzenden Gebieten gibt es jedoch ein zwischenstaatliches Abkommen, das gemeinsame Maßnahmen vorsieht - vom Informationsaustausch bis zu gegenseitigen Hilfemaßnahmen in einer Notfallsituation.
Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums seien eine ständige Analyse der Sicherheit von Kernkraftwerken, ihre betriebliche Modernisierung, eine schnelle Umsetzung bewährter Verfahren und eine sorgfältige Berücksichtigung des menschlichen Faktors erforderlich. „Das Ausmaß des Sachschadens und die Kosten für die Beseitigung der Folgen von Unfällen in Kernkraftwerken haben deutlich gezeigt, dass selbst die teuersten Sicherheitsmaßnahmen viel geringer sind. Es ist auch notwendig, ein modernes System zur schnellen Reaktion auf alle menschenverursachten Unfälle zu schaffen“, betont Oleg Manujlo.
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