Als „Sicherheitsmaßnahme“: USA schließen vorübergehend ihre Konsulate in der Türkei

© AP Photo / Burhan OzbiliciUS-Botschaft in Ankara
US-Botschaft in Ankara - SNA, 1920, 25.04.2021
Nach der offiziellen Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern im Jahr 1915 im Osmanischen Reich durch US-Präsident Joe Biden schließen die Vereinigten Staaten wegen möglicher Proteste vorübergehend ihre Botschaft und Konsulate in der Türkei.
„Nach der Erklärung des Weißen Hauses vom 24. April zum Gedenken an die Opfer des Völkermordes an den Armeniern im Osmanischen Reich kann es zu Demonstrationen oder Protesten kommen. Als Sicherheitsmaßnahme werden die US-Botschaft in Ankara, das US-Generalkonsulat in Istanbul, das US-Konsulat in Adana und die US-Konsularagentur in Izmir für den täglichen Dienst und die Visaunterstützung für US-Bürger am Montag, dem 26. April, und am Dienstag, dem 27. April, geschlossen", heißt es in einer Pressemitteilung der Botschaft.
US-Bürger, die Nothilfe benötigten, würden gebeten, sich telefonisch oder per E-Mail mit den Behörden in Verbindung zu setzen.
Unter anderem hätten die diplomatischen Behörden US-Bürgern empfohlen, sich von Geländen rund um US-Gebäude fernzuhalten und „erhöhte Vorsicht an Orten walten zu lassen, wo sich Amerikaner oder Ausländer versammeln können“.

Türkisches Außenministerium zitiert US-Botschafter

Der US-Botschafter in Ankara, David Sutterfield, sei ins türkische Außenministerium einbestellt worden. Mit der Vorladung bringe das türkische Außenministerium seinen Protest gegen die Äußerung von US-Präsident Joe Biden vom Samstag in Bezug auf den Völkermord an den Armeniern zum Ausdruck, wie eine Quelle im türkischen Außenministerium am Sonntag gegenüber der Agentur SNA mitteilte.
Türkischer Außenminister Mevlüt Cavusoglu - SNA, 1920, 24.04.2021
„Nur auf Populismus“ basiert: Ankara lehnt Bidens Anerkennung von Völkermord an Armeniern ab
„Nach der Erklärung des US-Präsidenten Joe Biden in Bezug auf die Ereignisse von 1915 wurde der US-Botschafter David Sutterfield in unser Ministerium zitiert und vom stellvertretenden Minister Sedat Önal empfangen. Dem Botschafter gegenüber wurde unsere harte Reaktion zum Ausdruck gebracht, er wurde in Kenntnis gesetzt, dass wir diese Aussage für inakzeptabel halten, die keine historische und rechtliche Grundlage hat, sodass wir sie völlig ablehnen und entschieden verurteilen“, sagte die Quelle.

Biden erkennt Völkermord an Armeniern im Osmanischen Reich offiziell an

Am Samstag hatte US-Präsident Joe Biden die Massaker an der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich von 1915 offiziell als Völkermord anerkannt. Dagegen teilte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit, dass Ankara diese „Erklärung, die auf Populismus beruht, völlig ablehnt“.
Völkermord an Armeniern - SNA, 1920, 24.04.2021
Biden erkennt Völkermord an Armeniern im Osmanischen Reich offiziell an – Weißes Haus
Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück. Der Streit um die Anerkennung des Genozids als historische Tatsache belastet bis heute die Beziehungen zwischen der Türkei einerseits und Armenien sowie zahlreichen westlichen Staaten andererseits.
Zudem rief die Türkei dazu auf, eine internationale Historikerkommission zu bilden, um Archivdokumente zu untersuchen und eine objektive Herangehensweise an die Ereignisse zu erarbeiten.
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