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Überforderung und Aggression: Gewalt in den Familien nimmt in Corona-Zeiten zu

© CC0 / Alexas_Fotos / PixabayGewalt gegen Frauen (Symbolbild)
Gewalt gegen Frauen (Symbolbild) - SNA, 1920, 23.04.2021
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Seit Beginn der Pandemie warnen Fachleute vor den negativen Auswirkungen der restriktiven Maßnahmen und des Unterrichtsausfalls auf die kindliche Psyche sowie vor einer Zunahme der häuslichen Gewalt. Nun scheinen sich diese Prognosen zu bestätigen.
Auch wenn es bisher keine repräsentativen Daten darüber gibt, scheint in der Pandemie die Gewalt in den Familien zugenommen zu haben. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur am Freitag unter Verweis auf die Aussagen von Ärzten und Vereinen, die sich um Belange von Kindern kümmern. So sagt beispielsweise Bernd Siggelkow, Gründer und Leiter des Kinderprojekts „Arche“, der Stresspegel sei hoch und die psychische Belastung für Kinder immens. Die Kinder seien untereinander, aber auch gegenüber den Eltern aggressiver.
Der Verein „Innocence in Danger“ sieht wiederum die Gefahr, dass Kinder unter Lockdown-Bedingungen vermehrt Opfer sexuellen Missbrauchs werden. „Im Lockdown fallen gesellschaftliche Kontrollmechanismen durch Schule oder Vereine weg“, erklärt Geschäftsführerin Julia von Weiler. „Kinder sind Tätern und Täterinnen in ihren Familien schutzlos ausgeliefert.“
Online-Befragungen hätten zudem gezeigt, dass etwa ein Drittel der Kinder psychische Auffälligkeiten aufwies, sagt Kinderschutzexperte Jörg Fegert. Auch würden deutlich mehr Anrufe bei der Medizinischen Kinderschutzhotline eingehen, wo sich Ärzte, Psychotherapeuten und Mitarbeiter der Jugendhilfe meldeten, wenn sie kollegiale Beratung bei Verdacht auf Kindesmisshandlung wünschten.
Auf der anderen Seite würde das bundesweite Sorgentelefon „Nummer gegen Kummer“ vermehrt von überforderten Eltern und Kindern mit Problemen in Anspruch genommen werden. Sprecherin Anna Zacharias bestätigt, dass rund 15 Prozent mehr Kinder und Jugendliche 2020 dabei von Gewalterfahrungen berichteten, als noch im Vorjahr. Auch die Online-Beratung werde von Kindern und Jugendlichen nun deutlich mehr in Anspruch genommen, sagt Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes.
Daneben gebe es aber auch eine Dunkelziffer von Kindern, die nicht in der Lage seien, sich Hilfe zu holen, mahnt Kinder- und Jugendpsychiater Fegert. „Es braucht Personen, die überhaupt auf Probleme aufmerksam werden. Wenn Kinder nicht mehr in die Schule gehen, nicht mehr ins Krankenhaus oder zum Arzt in die Praxis kommen, sind die Chancen auch geringer, gehört zu werden.“
Christine Freitag, Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Frankfurt, beobachtet eine starke Zunahme von Ängsten, Zwangs- und Essstörungen, und bestätigt: „Die Kinder und Jugendlichen brauchen einen Alltag, sie müssen in die Schule gehen und ihre Freunde sehen.“ Das könne zwar nur mit einem Hygienekonzept funktionieren, doch sie könne nicht nachvollziehen, weswegen bis heute kein brauchbares Hygienekonzept für die Schulen erarbeitet worden sei.
„Man hätte längst flächendeckend zum Beispiel Lüftungsanlagen installieren und Teststrategien entwickeln können. Aus meiner Sicht besteht hinsichtlich der bisherigen Strategie zur Öffnung von Schulen und Kitas so etwas wie eine organisierte Verantwortungslosigkeit“, wird Freitag von der DPA zitiert.
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