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„Wie ein Dödel“: Merz will Laschet puschen – Ist der Grünen-Hype bald verpufft?

© REUTERS / POOLCDU-Chef Armin Laschet
CDU-Chef Armin Laschet - SNA, 1920, 23.04.2021
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Bei „Maybrit Illner“ lobte Merz seinen Ex-Rivalen Laschet – allerdings sichtlich halbherzig. Söders Vize Bär weinte dem „Kandidaten der Herzen“ nach. Der ehemalige Grünen-Chef Özdemir genoss den Vorgeschmack eines nahenden Triumphs. Ist das Wahlrennen schon gelaufen?
„Es ist noch nie jemand so angeschlagen und zerzaust in den Bundestagswahlkampf gestartet“ – so bewertete der „Spiegel“-Journalist Markus Feldenkirchen die Ausgangsposition von Armin Laschet (CDU) nach dessen Pyrrhus-Sieg im Kampf um die Kanzler-Kandidatur. Er und Claudia Kade von der „Welt“ waren beim „Maybrit Illner“-Talk am Donnerstagabend „aus pandemischen Gründen“ nur zugeschaltet und mussten quasi als Zaungäste die Diskussionsrunde im Studio kommentieren.

Friedrich Merz und sein Zweckoptimismus

Eine „Runde“ war es zunächst allerdings nicht: Eine gute Viertelstunde sprach die Moderatorin ausschließlich mit einem der Studiogäste und ignorierte die beiden anderen. Die Exklusivität galt Friedrich Merz, der sich vor einigen Monaten dem frisch erkorenen Kanzlerkandidaten der Union im Kampf um den CDU-Vorsitz geschlagen geben musste.
Überraschend offen sprach Merz von einem „Verschleiß“ der Partei: Innerhalb weniger Jahre sei die Zahl der CDU-Mitglieder von 800.000 auf 400.000 geschrumpft. Dass die langjährige Bundeskanzlerin von der CDU daran schuld sei und nicht etwa der jetzige Kanzlerkandidat, ließ Merz ziemlich klar „zwischen den Zeilen lesen“.
„Bleibt in der CDU!“, appellierte er an die Partei-Kameraden, „die jetzt mit mir zusammen ein Stück weit leiden unter der Situation“. Und versprach: „Es wird auch wieder besser, wir halten zusammen und wir sorgen dafür, das wir wieder ein gutes Team sind!“
Warum es „wieder besser“ werden soll, erklärte er nicht: Immerhin spornte Laschets Nominierung zum Kanzlerkandidaten den Exodus aus der Partei nur weiter an, was Merz auch erwähnte.
Für Laschet hatte er vor allem Lob parat:

„Ein Bundeskanzler muss Stehvermögen und gute Nerven haben, und das hat er gezeigt. Ich habe großen Respekt davor. Ich war mir nicht ganz sicher, ob er das durchhält. Respekt!“

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Worauf Laschet noch hoffen könnte

Natürlich musste er zugeben, dass sich der CSU-Parteivorsitzende Markus Söder wesentlich medienwirksamer verkauft hatte, unter anderem als Corona-Bekämpfer, obwohl die Inzidenzzahlen in Bayern stets schlechter waren als in Laschets NRW: „Söder beherrscht den Auftritt besser als Armin Laschet. Das wollen die Menschen in Krisensituationen eher als jemanden, der abwägt und zugibt, den einen oder anderen Fehler gemacht zu haben.“
Auch Feldenkirchen hob Söders „Performance“ hervor: „Er hat sehr gut inszeniert und insinuiert, dass er in der Pandemie alles im Griff hatte. Laschet hingegen stand oft wie ein Dödel da.“
Der ehemalige CDU-Fraktionschef gab zu verstehen, dass er sich nun als Mitglied von Laschets Team versteht und ihm zum Wahlsieg verhelfen will. Eine Erklärung dafür dürfte auf der Hand liegen: Bei einem Kanzlerkandidaten Markus Söder würde sich Merz kaum Karrierechancen ausmalen können. Sollte aber Laschet Kanzler werden, wäre für ihn zumindest ein Ministerposten zum Greifen nah.
Eine Wende zum Besseren für die Union verband Merz allerdings nicht direkt mit Laschet – mit dessen zweifelhafter „Performance“ war auch für ihn alles klar –, sondern vor allem mit Fortschritten der Impfkampagne. „Die Zahl der Impfungen wird rapide steigen“, äußerte er. Wir werden im Sommer auch aus dem Lockdown zumindest teilweise herauskommen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir über den Sommer eine völlig veränderte Stimmungslage in Deutschland haben.“ Warum sich die Stimmungslage ausgerechnet zugunsten des mächtig angeschlagenen CDU-Kandidaten verändern soll, verriet Merz nicht.

Eine Idol-Verehrerin aus der CSU

Die stellvertretende CSU-Vorsitzende Dorothee Bär wirkte und sprach bei „Maybrit Illner“ zunächst so, als wäre sie nicht eine ranghohe Parteifunktionärin, sondern eine entzückte Rock-Idol-Verehrerin. Und als hätte sie gar nicht gemerkt, dass ihr Idol bereits weg vom Fenster ist. Söder „steht für Modernität und er spricht vor allem Wählerinnen gut an“, schwärmte sie. „Er steht als moderner Ministerpräsident mit einem paritätischen Kabinett für Aufbruch."
Als ihr dann dennoch einfiel, dass der Zug abgefahren ist, schaltete Frau Bär in den Konjunktiv um:

Ich bin fest davon überzeugt, dass Markus Söder ein hervorragender Kanzler gewesen wäre. Mit ihm hätten wir die Kanzlerschaft definitiv geholt. Jetzt wird es schwieriger.

Der ehemalige Grünen-Chef Cem Özdemir schwelgte währenddessen in der Rolle des „lachenden Dritten“. Die Lobeshymnen der CSU-Vizechefin an ihren Chef verspottete er völlig unverblümt: „Jetzt geht es darum, Laschet zu unterstützen – Frau Bär, ich muss sie nicht coachen.“ Die elegante Wahl von Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin, der ein bombastischer Medien-Hype um sie folgte, ließ ihn den Vorgeschmack eines nahenden Triumphs genießen.
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Ist der Grünen-Hype bald verpufft?

Natürlich war Merz bemüht, Özdemirs Gemütslage zu vergiften: „Meine Zweifel, ob Annalena Baerbock angesichts ihrer politischen Erfahrung dieses Amt wirklich ausfüllt, teile ich doch mit sehr vielen Leuten in diesem Land.“ Und er genierte sich auch nicht, einen eindeutig frauenfeindlichen Ausfall hinzuzufügen:

„Sie sehen mit Angela Merkel – es wird nicht allein nur wegen einer Frau alles besser."

Der „Spiegel“-Autor Feldenkirchen vermied zwar derart unkorrekte Bemerkungen, schlug aber mit seiner Skepsis hinsichtlich der Grünen-Kandidatin in die gleiche Kerbe: „Vor vier Jahren stand die SPD vor der Union, und Martin Schulz war populärer als Angela Merkel. Zwei Monate später war dieser Hype verpufft.“
Seine „Welt“-Kollegin Claudia Kode zog ein ernüchterndes Fazit des ganzen Geplänkels bei „Maybrit Illner“: „Interessanterweise haben wir noch gar nicht über Inhalte gesprochen.“
Dies mag zwar stimmen, die bisherigen Wahlen lassen aber stark annehmen, dass ein ziemlich großer Teil der Wählerschaft bei ihrer Entscheidung nicht auf Programme, sondern auf konkrete Personen schaut. Insofern könnte sich die Tatsache, dass die Union bei der Entscheidung der K-Frage die Umfragen und die Stimmungen ihres Wahlvolkes ignoriert hat, sehr wohl als fatal erweisen.
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