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Nach Shitstorm: Wagenknecht unterstützt Maßnahmen-Kritik der Promis, Spahn will „diskutieren“

© YouTube / AllesdichtmachenYoutube-Account der satirisch-kritischen Initiative "Allesdichtmachen"
Youtube-Account der satirisch-kritischen Initiative Allesdichtmachen - SNA, 1920, 23.04.2021
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Eine Internetaktion von rund 50 bekannten Schauspielern unter dem Motto #allesdichtmachen schlägt gerade im Netz ein wie eine Bombe. In den Videos wollten die Promis wohl auf eine satirische Weise die Corona-Maßnahmen hinterfragen, sind aber sowohl auf Zustimmung als auch auf massive Ablehnung gestoßen.
Am späten Donnerstagabend sind die Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer schnell zu den am meisten verwendeten bei Twitter in Deutschland geworden. Auf Youtube und Instagram posteten rund 50 deutsche Schauspiel-Stars, darunter Jan Josef Liefers, Heike Makatsch und Volker Bruch, kurze Videos mit ihren satirisch-kritischen Statements zur Corona-Politik und zu Medien, die diese unterstützen. Die Reaktionen fallen gespalten aus.
Kino in Gelsenkirchen - SNA, 1920, 23.04.2021
„Alles dicht machen“: Schauspieler sorgen mit Aktion gegen Corona-Politik für Aufsehen
Unter den ersten haben prominente Schauspielerkollegen entsetzt reagiert. Als der Star von „Babylon Berlin“ Volker Bruch seinen Clip auf Instagram postet, kommentiert Kollege Elyas M'Barek etwa entsetzt: „Come on, das ist doch Blödsinn. (...) Kann ich null nachvollziehen.“
Auf Twitter wird Schauspielern in mehreren Tausend Beiträgen weiter vorgeworfen, „die Narrative der Querdenker“ oder die der Corona-Maßnahmen-Gegner zu bedienen und mit „Nazis Seite an Seite zu marschieren“.
Der „Tatort“-Star Liefers löste mit einem kurzen satirischen Statement über die Medien ebenfalls viele Reaktionen aus.
Mehrere Stunden nach der Veröffentlichung des Videos distanziert sich Liefers nun von den Verschwörungstheorien und der Querdenker-Bewegung. „Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück“, schrieb der 56-Jährige auf Twitter. Es gebe im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der er ferner stehe, als der AfD. „Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt.“
Die Schauspielerin Heike Makatsch war zunächst bei der Aktion auch dabei, hat ihr Video aber schon gelöscht und ein Statement auf Instagram verfasst. Sie distanziere sich „klar und eindeutig von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien. Schon immer. Ohne Frage“, schrieb die 49-Jährige. Sie erkenne die Gefahr, die von Corona ausgehe, wolle das Leid der Opfer nicht kleinreden. Mit ihrem Video habe sie nur an einem kritischen Diskurs teilnehmen wollen. „Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst.“

WDR-Rundfunkrat will Ende der Zusammenarbeit mit Schauspielern der Initiative

Jedoch werden die Forderungen nach scharfen Konsequenzen für die an der Aktion Beteiligten noch lauter. Der SPD-Politiker und WDR-Rundfunkrat Garrelt Duin hat bereits von den zuständigen Gremien der öffentlich-rechtlichen Sender ein Ende der Zusammenarbeit mit den Schauspielern verlangt.
Duin schrieb auf Twitter: „Jan Josef Liefers und Tukur u.a. verdienen sehr viel Geld bei der ARD, sind deren Aushängeschilder. Auch in der Pandemie durften sie ihrer Arbeit z.B. für den ‚Tatort‘ unter bestem Schutz nachgehen. Durch ihre undifferenzierte Kritik an ‚den Medien‘ und demokratisch legitimierten Entscheidungen von Parlament und Regierung leisten sie denen Vorschub, die gerade auch den öffentlich-rechtlichen Sendern gerne den Garaus machen wollen. Sie haben sich daher als deren Repräsentanten unmöglich gemacht.“
Weiter forderte er, dass die zuständigen Gremien die Zusammenarbeit – auch aus Solidarität mit denen, die wirklich unter Corona und den Folgen leiden würden, schnellstens beenden müssten. Dass er mit dem Vorstoß offenbar zu weit gegangen war, zeigte entsprechend scharfe Kritik an dem Tweet. Inzwischen löschte auch er seine Kommentare und schrieb: „Ok Leute, eine Stunde Shitstorm ist mir persönlich genug. Geh dann mal in mich. Ich lösche die letzten Tweets, bin aber sicher, dass es möglich sein wird, eine gute und nachdenkliche Debatte über #allesdichtmachen zu führen; auch ohne Nazi-Vergleiche.“

Viele nehmen Initiative doch in Schutz

Jenseits vom Shitstorm erntet die Initiative jedoch schon auch prominente Unterstützung. Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht nannte die Videos „eine klasse Playlist, in der bekannte Schauspieler/innen ihre Empörung über die aktuelle #Corona-Politik wunderbar ironisch zum Ausdruck bringen“.
Der FDP-Politiker Marco Buschmann äußerte seinerseits auch, dass man eine kritische Auseinandersetzung mit dem Mittel offenkundiger Ironie aushalten müsse, weil dies auch zur Demokratie gehöre.
Der populäre Kolumnist Jan Fleischhauer äußerte auf Twitter entgegen dem Vorwurf, die Initiative verhöhne bzw. verharmlose die Corona-Opfer, dass er sich trotz seines verlorenen Vaters nicht von den Videos verhöhnt fühle.
Gegen eine vorschnelle Diffamierung der Initiative äußern sich gerade sowohl Menschen aus dem Bildungs- bzw. dem Gesundheitswesen -
- als auch ARD-Journalisten wie Georg Restle.

Gesundheitsminister Spahn lädt zur Diskussion ein

In einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage am Freitagvormittag wurde Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ebenfalls auf die Initiative #allesdichtmachen angesprochen. „Ich habe mir ehrlicherweise noch nicht alles anschauen können“, antwortete Spahn. Aber Kritik finde er normal und wäre eher besorgt, wenn es keine geben würde. Er erklärt weiter: „Das was ich bisher wahrgenommen habe, ist dass es keine Kritik gebe – das sehe ich anders. Es gibt doch konstruktive und kontroverse Diskussionen.“ Anschließend machte Spahn den Initiatoren ein Angebot: „Wir können gerne darüber diskutieren. Über die Pandemie muss man reden und darüber spreche ich gerne.“
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