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Fastfood, Riegel & Co.: Fertiglebensmittel werden „gesünder“ – aber nicht schnell genug

© CC0 / ExplorerBobRiegel (Symbolbild)
Riegel (Symbolbild) - SNA, 1920, 22.04.2021
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Zuckerrückgang in Produkten für Kinder, weniger Fett und Salz in Wurstwaren und Brot – Erfolge auf ganzer Front vermeldet das Ernährungsministerium. Das geht nicht schnell und entschieden genug, kontert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und fordert strenge Regulierungen der Nahrungsmittel, die in großem Stil die Gesundheit schädigen.
„Fertiglebensmittel werden gesünder“, lautet die positive Meldung vom Mittwoch aus dem Bundesernährungsministerium (BMEL). Sie beruht auf der Analyse von knapp 5000 Produkten im Zeitraum 2016 bis 2020 durch das Max-Rubner-Institut (MRI), bei denen ein Rückgang von Zucker, Fetten und Salz zu verzeichnen ist.

Weniger Zucker in Produkten für Kinder

Insbesondere Produkte für Kinder verbesserten sich laut Analyse deutlich: 20 Prozent bei Joghurts, 15 Prozent bei Müsli, 35 Prozent bei Erfrischungsgetränken. „Das ist ein Erfolg“, findet Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner (CDU), wenn auch einige Zahlen „noch nicht zufriedenstellend“ seien.

„Hier müssen die Hersteller nachlegen. Deshalb wird es weiter eine engmaschige Erfolgskontrolle geben. Wir lassen hier niemanden aus der Verantwortung. Dort, wo es hakt, wird nachgebessert und wenn nötig, reguliert.“

Julia Klöckner
Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft

Aber reicht das wirklich?

Der Bedarf zeigt sich an den Folgen der Ernährung: Deutschland belegt weltweit Platz zwölf in Sachen Übergewicht –fast ein Viertel der Bevölkerung über 15 Jahren kämpft mit dem Problem (OECD Gesundheitsstatistik Stand: 2016). Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben weiter Todesursache Nummer eins. Die Ernährung spielt hier vor allem mit Trans-Fettsäuren und hohem Salzkonsum mit rein. Bei Diabetes wird es auch nicht besser: Acht Millionen Bürger sollen derzeit daran erkrankt sein, hinzukommen pro Jahr zwölf neue Erkrankung auf 1000 Menschen. Die Prognose lautet: zwölf Millionen Diabetiker zu 2040.
Gedruckte Bauchspeicheldrüse - SNA, 1920, 21.04.2021
Die Lösung für Diabetes? Forscher drucken menschliche Bauchspeicheldrüse

„Keine Politik der kleinen Schritte“

Aus solchen Gründen pocht die „Deutsche Diabetes Gesellschaft“ (DDG) auf die Regulierung, die Klöckner zwar angedeutet, aber bislang nicht beansprucht hat:
„Ein Stückchen Würfelzucker weniger in der Cola machen noch keine wirksame Strategie gegen Diabetes und Adipositas“, betont Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der DDG. Die Ergebnisse des Produktmonitorings zeigen aus ihrer Sicht, dass man sich nicht auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie verlassen dürfe.

„Wir brauchen endlich verbindliche Regeln zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salzen in Fertignahrungsmitteln und keine Politik der kleinen Schritte – dies kann nur erreicht werden, wenn die Bundesministerin die Hersteller endlich mehr in die Pflicht nimmt.“

Barbara Bitzer
Geschäftsführerin der DDG
Konkret geht es der DDG um folgende Punkte:
eine Steuerentlastung von gesunden Lebensmitteln und eine Steuererhöhung für Lebensmittel mit hohem Gehalt an Zucker, Fetten und Salz
ein Verbot für Werbung ungesunder Lebensmittel und Getränke an Kinder
eine verbindliche Kennzeichnung aller Lebensmittel mit dem im Jahr 2020 eingeführten „Nutri-Score“, also dem System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln
verbindliche Standards für die Kita- und Schulernährung nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

WHO fordert schon seit Jahren klare Regelungen

Damit schließt sich die Gesellschaft einer Reihe von Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an. Die WHO hatte 2016 unter anderem eine härtere Besteuerung von stark mit Zucker versetzten Getränken gefordert, um Übergewicht bei Kindern zu bekämpfen. Die Organisation wies im selben Jahr in einem ausführlichen Bericht auf die negative Auswirkung von Werbung für ungesunde Ernährung auf Kinder hin. Darin empfahl sie, bestehende Gesetzgebungen zum Schutz von Minderjährigen einzusetzen, um solche Werbung in die Schranken zu weisen.
Aber Kinder in Deutschland sehen 15 Werbeanzeigen für ungesunde Lebensmittel pro Tag, wie eine Untersuchung der Hamburger Universität für die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und der AOK zeigt. Klöckner forderte im Zusammenhang mit solchen Berichten, die Regeln zu verschärfen. Vorgeschrieben werden diese aber nicht, sondern der „Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft“ will zu Juni 2021 neue Verhaltensregeln einführen. Es bleibt abzuwarten, welche Regeln herauskommen.
Ungesunde Getränke haben mehrere Länder bereits besteuert, darunter Großbritannien, Frankreich, Norwegen, Mexiko, zuletzt auch Polen. In Deutschland wird darüber bislang diskutiert. In Russland wurde im Februar diesen Jahres eine solche Besteuerung aus den Reihen der Duma an das russische Gesundheitsministerium vorgeschlagen.
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